Region Aarau
Trotz der Digitalisierung: Es gibt immer mehr Plakate

Eine kleine Plakatfirma expandiert von der Zentralschweiz in den Westaargau. Ihr CEO singt ein Loblied auf die alte Reklame. «Papier wirkt, weil es ruhig ist, ist die Akzeptanz bei dieser Werbeform am höchsten.»

Sabine Kuster
Drucken
Teilen
Plakate an der Entfelderstrasse in Aarau – entlang der Kantonsstrassen nehmen die Plakate deutlich zu. kus

Plakate an der Entfelderstrasse in Aarau – entlang der Kantonsstrassen nehmen die Plakate deutlich zu. kus

Sabine Kuster

Die Landschaft spricht mit uns. Wo wir auf den Bus warten oder wo wir auch entlang fahren, ständig sagt man uns: Kauf das, besuch jenes, geh mal wieder nach Arosa wandern. Plakate säumen unseren Weg und es scheint, als werden es immer mehr. Stimmt das? Mitten im Zeitalter der digitalen Information, wo alles auch im Internet abrufbar ist?

«Ja», sagt Stefan Grüter, stellvertretender Leiter der Abteilung Baubewilligungen beim Kanton Aargau. «Vom Gefühl her nimmt die Anzahl Plakate entlang der Kantonsstrassen zu.»

Sein Gefühl täuscht ihn nicht: Seit fünf Jahren steigen die Baugesuche für neue Plakatstellen im Aargau wieder – um ganze 74 Prozent von 181 auf jährlich 377 Gesuche im letzten Jahr.

In der Region ist aktuell dafür nicht die grosse Plakatfirma APG verantwortlich, die mehr als 70 Prozent des Marktes beherrscht, sondern die kleine Firma Alpenplakat.

Sie konnte in den letzten Jahren von der Zentralschweiz in den Westaargau expandieren und ein «Grundsortiment» an Plakatstellen aufbauen, wie CEO Christian Zimmermann sagt. In elf Gemeinden der Region stehen schon 26 Plakatstellen, für weitere sind Baugesuche am Laufen. Bei der APG ist die Zahl der Plakatstellen schweizweit gleichbleibend, wie die Unternehmenskommunikation mitteilt.

Alle 50 Meter ein Plakat erlaubt

Ein Plakat allein reicht heute aber nicht mehr. «Ein einzelnes Gesuch enthält heute immer mehrere Reklamen, die meist noch von Fahnen begleitet werden sollen», stellt Grüter vom Kanton fest.

Drei Plakate dürfen im Aargau an einem Ort stehen, dann muss ein Abstand von mindestens 50 Metern folgen. Umgekehrt gedacht heisst das: Kantonsstrassen könnten im 50-Meter-Abstand von Plakaten wie von einer Allee gesäumt sein. «Bald haben wir hier amerikanische Zustände», sagt Grüter, «das ist schade.»

Einschränkungen gibt es zwar, aber seitens Kanton und vieler Gemeinden nur für die Sicherheit auf der Strasse. Plakate dürfen nicht von Signaltafeln oder Ampeln ablenken oder diese gar verdecken.

Es sind genug Einschränkungen, finden hingegen die Plakat-Firmen. Neue Standorte seien schwierig zu finden. So hat die Firma Alpenplakat eigens jemanden angestellt, der die Landschaft auf mögliche Standorte abklappert. «Clear Channel» ist mit gut 20 Prozent Marktanteil die zweitgrösste Schweizer Plakatfirma. Dort heisst es: «Die Behörden sind zunehmend restriktiv, was neue Werbeflächen auf Privatgrund anbelangt.»

Für die kommunalen Behörden stimmt das teilweise. Viele haben in den letzten Jahren Regeln für Reklamen auf Gemeindegebiet erlassen. Diese gelten auch für Privatgrund. Baden hat per 2013 die betroffenen Zonen auf einer speziellen Karte markiert, ebenso Küttigen.

Ein eigenes Reglement haben auch Zofingen und Aarau. Dabei spielen nicht nur Strassen, sondern auch der Schutz der Altstädte eine wichtige Rolle. Die Reklamen müssen sich dort beispielsweise «gut in das historische Stadtbild einfügen» heisst es im Aarauer Plakatierungsreglement und «gut gestaltet» sein.

Wenig neue in Gemeinden

Zwar stehen viele Plakate auf Privatgrund. Für die Stadt Aarau bedeuten die städtischen Standorte aber immerhin Einnahmen von rund 90 000 Franken pro Jahr. Pro Ständer liegt die jährliche Miete je nach Grösse zwischen 1400 und 2300 Franken. Baugesuche gehen in den Gemeinden pro Jahr meist nicht viele ein. In der Gemeinde Menziken beispielsweise sind es null bis fünf Gesuche. Erfüllen sie die Regeln, werden sie bewilligt. Das bestätigt Hans Peter Schmid von den Flury Planer und Ingenieure, welche die Bauverwaltung für vier Gemeinden im Seetal und jene in Gontenschwil erledigen: «Grundsätzlich wird bewilligt.»

So werden es in den Dörfern zwar langsam, aber stetig mehr, denn: «Alte Plakate verschwinden nur wenige», sagt Thomas Oetiker, Leiter der Baubewilligungen in Aarau. «Es ist schon paradox, dass die Informationsträger im öffentlichen Raum trotz dem Internet zunehmen.»

Plakat vor Digital-Werbung

Die Aussenwerbung wachse ganz klar, heisst es bei «Clear Channel» im Gegensatz zur Print-Werbung beispielsweise. «Klassische Plakate sind weiterhin sehr gefragt.»

«Papier wirkt», sagt auch Zimmermann von Alpenplakat, «gerade weil es ruhig ist, ist die Akzeptanz in der Bevölkerung bei dieser Werbeform am höchsten.»

Beim Digitalen sei die Akzeptanz im Keller: «Im Internet ärgert Werbung bloss, man klickt sie weg.» Das klassische Plakat hat in seinen Augen deshalb langfristig die Berechtigung.

Aktuelle Nachrichten