Richtungsstreit
SVP-Buchs-Präsident nach Kritik von Glarner: «Der Vorstand hat beschlossen, das Burkaplakat nicht aufzuhängen»

Samuel Hasler hält nichts davon, interne Streitigkeiten öffentlich auszutragen, findet Andreas Glarners Kritik am Kurs der Ortspartei aber legitim. Der Chef der Buchser SVP erklärt, weshalb seine Partei Rekrutierungsprobleme hat und warum er sich Chancen auf einen Gemeinderatssitz ausrechnet.

Nadja Rohner
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Samuel Hasler ist Präsident der SVP Buchs.

Samuel Hasler ist Präsident der SVP Buchs.

zvg / AAR

«Ich habe grösste Bedenken, dass das gut kommt, wenn Ortsparteien bei ihrem Weichspülerkurs bleiben.» - Das sagte SVP-Kantonalparteipräsident Andreas Glarner im Interview vom Montag. Und schob nach: «Buchs ist so ein Pflaster. Die weigern sich ja sogar unsere Burkaplakate aufzuhängen.»

Das sind scharfe Worte aus Oberwil-Lieli in Richtung der Aarauer Agglomeration. Was sagt der Präsident der SVP Buchs, Samuel Hasler, zu Glarners Kritik?

Ihre SVP Buchs hat in der AZ vom Montag öffentlich Schelte von Kantonalparteipräsident Andreas Glarner erhalten, weil sich die Ortspartei geweigert hat, die Plakate für die Burka-Initiative aufzuhängen. Können Sie die Kritik nachvollziehen?

Samuel Hasler: Dass der Kantonalparteipräsident diese Aussage macht ist verständlich und auch seine Aufgabe. Ich habe mit Andreas Glarner telefoniert und es war ein sehr konstruktives und freundschaftliches Gespräch. Klar war er nicht erfreut, aber ich konnte ihm unsere Beweggründe darlegen und er respektiert unsere Meinung.

Wieso hat die SVP Buchs die Plakate nicht aufgehängt?

Die Mehrheit des Vorstandes hat diesen Beschluss gefällt. Mehr gibt es hierzu nicht zu sagen. Interne Meinungsverschiedenheiten klären wir intern und nicht öffentlich.

Zur Person

Samuel Hasler

Samuel Hasler

Der 23-Jährige ist Einwohnerrat und Präsident der SVP Buchs. Hasler wohnt seit 2017 im Dorf, politisch aktiv ist er aber schon seit 2015. Geboren und aufgewachsen ist er im Wallis. Der gelernte Mediamatiker arbeitet als ICT Manager.

Hätten Sie das Plakat aufgehängt?

Sie haben mich als Parteipräsidenten angefragt, nicht als einzelnen Politiker.

Dann frage ich Sie als Gemeinderatskandidaten.

Zu diesem Plakat haben sich einige Leute viele Gedanken gemacht und ich bin überzeugt, dass wir die Abstimmung gewinnen.

Andreas Glarner verlangt einen schärferen Ton von den Ortsparteien. Glauben Sie, dass das bei der Bevölkerung gut ankommt?

Die SVP ist nach wie vor eine Partei, die klar Position bezieht, selbst wenn das Anderen in den falschen Hals gerät. Wo Fehler passieren und Missstände herrschen, müssen sie aufgezeigt werden. Die SVP Buchs hat aber aufgezeigt, dass sie konstruktiv mit anderen Parteien zusammenarbeiten kann.

Die SVP ist mit einem Wähleranteil von 26,6 Prozent immer noch stärkste Kraft in Buchs (Stand: Grossratswahlen 2020). Das spiegelt sich aber nicht in der Zahl ihrer Mandatsträger. Beim letzten Rücktritt aus dem Einwohnerrat musste die SVP sogar nachnominieren, weil die Liste aufgebraucht war. Warum haben Sie so wenig Personal?

Die SVP Buchs hat derzeit etwa 70 bis 80 Mitglieder. Die Zahl ist gesunken und stagniert nun. Tendenziell hat die Partei, wie andere auch, Nachwuchsprobleme. Die Jungen zeigen kaum Interesse an der Politik. Dagegen tut die SVP Buchs auch etwas: Dank unseres Postulats wurde die Wahlhilfe Easyvote in Buchs eingeführt. Es ist nach wie vor sehr anstrengend, neue Mitglieder zu rekrutieren – darunter solche, die sich als Mandatsträger eignen würden -, aber wir setzen alles daran, der Bevölkerung zu zeigen, was wir tun und wofür wir stehen. Derzeit vor allem per Telefon oder digital; aber sobald wir dürfen, machen wir wieder Standaktionen. Das persönliche Gespräch ist nach wie vor zentral.

Derzeit hat die SVP in Buchs zehn Einwohnerratssitze. Bei den Wahlen 2013 verlor sie drei. Was ist das Ziel für den kommenden Wahlherbst?

Das Wunschergebnis wäre natürlich plus drei Sitze. Realistisch ist ein Gewinn von ein bis zwei Sitzen.

Die SVP hat derzeit einen Sitz im durchwegs bürgerlichen Buchser Gemeinderat. Nun tritt Hansruedi Werder nach 18 Jahren nicht mehr an – und Sie wollen ihn beerben. Wie kam das?

Der Vorstand hat seit über einem Jahr mit sehr vielen potenziellen Kandidatinnen und Kandidaten Gespräche geführt. Einige haben abgesagt – meistens, weil sich das zeitintensive Amt nur schwer mit gewissen Jobs oder einer Familie vereinbaren lässt. Am Schluss lag der Fokus auf meiner Person und ich habe mich nicht zuletzt aufgrund dieser Motivation bereit erklärt, zu kandidieren.

Rein von der Wählerstärke her stünde der SVP ein Gemeinderatssitz zu. Die Konkurrenz ist aber stark.

Ich bin überzeugt, dass die Bevölkerung gesehen hat, was die SVP und ich für das Dorf geleistet haben mit diversen Anfragen und Postulaten zu brennenden Themen, etwa zur Sozialhilfe und zum Asylbereich. Auch sehe ich es als Vorteil, dass ich der Jüngste im Kandidatenfeld bin, weil die Jungen auch in der Exekutive vertreten sein sollten.