Bahnhof Aarau
Stadt und SBB schieben sich wegen Gleisüberquerungen die Schuld zu

Wer am Samstag den letzten Zug nach Lenzburg nehmen wollte, wurde im Bahnhof Aarau ausgesperrt. Um den Zug nicht zu verpassen, wurde über Absperrungen geklettert oder Gleise überquert. Jetzt schieben sich Stadt und SBB gegenseitig die Schuld zu.

Sarah Künzli
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Weil einer der Jugendlichen nicht wusste wie er sein Zug erreichen soll, sprang er vom Obergeschoss über das Geländer.

Weil einer der Jugendlichen nicht wusste wie er sein Zug erreichen soll, sprang er vom Obergeschoss über das Geländer.

Sarah Künzli

Das hätte schlimm ausgehen können. Um den Zug nicht zu verpassen und weil keine Wegweiser zu den Gleisen zu sehen waren, gingen Dutzende Jugendliche am vergangenen Samstag beim Bahnhof Aarau enorme Risiken ein (die az berichtete). SBB und die Stadt Aarau wollen jetzt beide nicht für die fehlende Beschilderung verantwortlich sein.

Keiner will verantwortlich sein

Die Metallgitter würden zum Schutz der Verkaufsflächen immer um halb zwei nachts hochgefahren. Da die Wege durch die Baustellen eingeschränkt seien, sei die Stadt für Wegweiser zu den Zügen verantwortlich, sagt Lea Meyer, Mediensprecherin der SBB. «In der Nacht fahren auch Güter- und Personenzüge durch den Bahnhof Aarau. Das Passieren von Gleisen ist sehr gefährlich und rechtfertigt sich nicht durch einen Umweg bis zum nächsten Abgang in die Unterführung», so Lea Meyer. Nur: Wie sollen die nächtlichen Zugreisenden die Unterführung finden?

Auch die Stadt Aarau weist jede Schuld von sich. Nach stundenlanger Abklärung, wer für diese Thematik verantwortlich ist und Auskunft geben kann, spielt die Stadt den Ball zurück an die SBB. Die Metallgitter gehören zum Bahnhof also sei die Stadt nicht für die Wegweiser zu den Perrons zuständig, sondern die SBB, sagt Isabelle Schneider vom Stadtbauamt.

Thomas Pfister vom Stadtbauamt meint, die Abgänge ausserhalb des Bahnhofs sollte man finden, denn diese seien auch beleuchtet. «Mir ist aber klar, dass die Leute verwirrt sind, wenn sie den Bahnhofeingang betreten und alle Gitter oben sind», sagt er. Da sollte aber die SBB die Leute wieder hinaus zu den äusseren Abgängen führen. Ihm wie auch der SBB sind bisher keine Reklamationen darüber zu Ohren gekommen.

Gespräche werden geführt

Die az hat die SBB mit der Schuldzuweisung der Stadt Aarau konfrontiert. Darauf erwidert die SBB, dass sie bereits vor Beginn des Bahnhofplatz-Umbaus in Kontakt mit der Stadt Aarau gestanden habe, unter anderem seien dabei die Signalisierungen besprochen worden. «Da offensichtlich nicht alle Reisenden den Weg zur Bahn finden, werden wir noch einmal Kontakt mit der Stadt aufnehmen, um die Thematik zu besprechen», sagt Lea Meyer.

Wie Thomas Pfister weiss, wird die SBB in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag vor Ort die Situation anschauen. Sie würden überprüfen, ob es sich in der Nacht von Samstag auf Sonntag um einen Einzelfall gehandelt habe. «Am Freitag um 11 Uhr werden wir uns treffen, um die Situation zu besprechen und allenfalls Schritte einzuleiten», sagt er. Ihm sei klar, dass die Beobachtungen nicht eins zu eins dem entspreche, was am Wochenende vorgefallen sei.

Es bleibt zu hoffen, dass sich Stadt und SBB einigen können, damit nächtliche Klettermanöver und Gleisüberquerungen in Zukunft verhindert werden können.

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