Serie
Getroffen am Wasser: Lenzburger Badmeister über den verregneten Sommer: «In einer Woche 80 Besucher. Das Defizit wird man nie aufholen können»

In unserer neuen Sommer-Serie berichten an verschiedenen Gewässern angetroffene Menschen über ihr Leben und ihren Bezug zum Wasser. Diese Woche kommt die Badi Lenzburg zum Zug.

Larissa Gassmann
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Christof Hübscher, 50, Badmeister in der Badi Lenzburg

Der Lenzburger Bademeister Christof Hübscher (50).

Der Lenzburger Bademeister Christof Hübscher (50).

Larissa Gassmann

«Meine freien Tage beziehe ich oftmals, wenn es ‹wüest› ist. Dies war in den letzten Wochen öfter der Fall. Weil wir ein Fixpensum haben, können wir die Stunden relativ gut schieben. Trotzdem erfordert alles eine gewisse Planung. Wenn wenig los ist, mache ich zudem Unterhaltsarbeiten, für die ich sonst keine Zeit finde. So installiere ich derzeit ein Geländer für die Eingangskontrolle. Die Verlierer sind die Menschen im Stundenlohn. Hart trifft es das Restaurant, die merken es am ehesten.

Mitte Juni verzeichneten wir in unserer besten Woche rund 7000 Besucher, in der schlechtesten Woche im Mai waren es 80 Personen. Auch für die Menschen, die ihren Sommer in der Schweiz verbringen, ist es nicht optimal. Noch vor den Ferien war es zehn Tage lang schön. Da hatten wir die Badi gleich länger offen, um diese Phase zu nutzen. Jetzt ist es eher wieder schwierig. Auch die Wassertemperatur hält nicht, momentan sind es um die 23 Grad.

Für uns ist jeweils die Zeit vor den Ferien interessant. Dann kommen die meisten Besucher, ansonsten bleiben uns nur die Daheimgebliebenen. Danach muss es vier Tage lang geniales Wetter sein, damit es die Menschen wieder in die Badi lockt. Darauf setzten wir Ende August, die Hoffnung stirbt zuletzt. Doch selbst wenn man keine Langzeitprognosen machen kann: Das Defizit wird man nie aufholen können. Das kann man vergessen. Rein umsatztechnisch haben wir 30 Prozent weniger Einnahmen und 40 Prozent weniger Personenfrequenz. Immerhin haben wir die ganze Woche Schwimmkurse. Gleichzeitig ist der Rasen in diesem Jahr besser als sonst: Braune Flecken gab es kaum.

Grundsätzlich haben wir auch bei schlechtem Wetter bis 14 Uhr geöffnet, wenn es schön ist sogar länger. Sobald es blitzt und donnert, holen wir die Menschen aus dem Wasser. Dann setzten wir zudem auf eine ‹Light-Version› mit einem Badmeister und einer Person an der Kasse. Aber egal wie das Wetter ist: Schwimmer hat es immer. Und es gibt auch immer Personen, die erst um 20 Uhr aus dem Wasser kommen. Das ist ihr gutes Recht und dafür sind wir auch da. Trotzdem kann ich es manchmal kaum glauben. Oft denke ich mir, heute kommt niemand und dann ist es doch wieder anders. Grundsätzlich freut es mich, wenn die Menschen trotz allem regelmässig vorbeikommen, gerade auch Schulklassen. Es ist schön, wenn die Anlagen rege genutzt werden.

Noch im letzten Jahr sah das etwas anders aus. So hatten wir wegen Corona einen Monat weniger lang offen. Damals war es gutes Wetter. Hätte man da geöffnet, wäre es sicherlich ein bombastischer Sommer geworden. Weil es aber selbst im August noch schön war, konnten wir bis auf zehn fehlende Prozent fast wieder das Niveau eines normalen Jahres erreichen. Somit war es letztendlich doch ein gutes Jahr. Gleichzeitig hat man damals wie heute gespürt, dass die Menschen etwas nachzuholen haben und unbedingt draussen sein wollten.»

Dennis Siegenthaler, 40, Beinwil am See

Bleibt mit den Kindern gerne im Seetal: Dennis Siegenthaler.

Bleibt mit den Kindern gerne im Seetal: Dennis Siegenthaler.

Daniel Vizentini

«Ich habe drei Kinder im Alter zwischen fünf und neun Jahren. Alle drei wollten heute baden gehen. Zuvor habe ich den ganzen Tag lang im Garten gearbeitet, nun darf ich relaxen. Es ist super, dass es wieder schönes Wetter ist. Dass es nur noch nass war, war irgendwann doch ein bisschen deprimierend.

Wann immer es geht, kommen wir hierher. Als ich noch jünger war, bin ich immer ans Meer gefahren, nach Spanien, Südfrankreich und Italien. Mit den Kindern verbringen wir die Zeit eher in der Schweiz. Am schönsten ist es sowieso hier in ‹Böju›. Zudem haben wir hier auch ein Bötchen. Wenn wir dieses mal nicht benützen, sind wir in der Badi. Am Wasser kann ich abschalten und das Leben nach dem Alltagsstress ein bisschen geniessen. Und wenn ich mal nicht am oder im Wasser bin, dann bin ich mit den Kindern im Garten.»

Julia Pellegrini, 21, Menziken

Kann nach den strengen Prüfungen am Hallwilersee entspannen: Julia Pellegrini aus Menziken.

Kann nach den strengen Prüfungen am Hallwilersee entspannen: Julia Pellegrini aus Menziken.

Larissa Gassmann

«Ich finde es super, dass die Sonne wieder scheint. Das habe ich doch stark vermisst. Heute ist unser freier Nachmittag und weil so schönes Wetter ist, haben meine Kollegin und ich uns entschieden, an den See zu gehen. Der Weg ist ja nicht weit. Ausserdem waren wir beide schon ewig nicht mehr hier. Es ist auch eine gute Alternative: Wenn man schon nicht ans Meer kann, geht man halt an den See. Wasser gehört für mich zum Sommer dazu, normalerweise reise ich nach Italien.

Die letzten zwei Monate waren für mich mega schlimm. Einfach immer nur Regen. Ich studiere Englisch und habe die Prüfungsphase gerade hinter mir. Von dem her war es zuerst nicht so einschneidend. Sobald aber die Ferien angefangen haben, habe ich mir schon gewünscht, wieder öfter rausgehen zu können. Wegen Corona gab es ja kaum Ausweichmöglichkeiten, weil alles geschlossen war.

Mit meinem Studium habe ich vor zwei Jahren angefangen, ein Semester waren wir damals noch vor Ort an der Uni. Danach fand auch schon alles online statt. Das war viel zu wenig, um richtig reinzukommen. Und es lief eineinhalb Jahre so weiter. Der Kontakt fehlt extrem, man lernt praktisch keine Menschen mehr kennen. Das ganze Unileben habe ich nicht erlebt. Es ist einfach nicht so, wie man es sich am Anfang vorgestellt hat.»

Daniel Hagmann, 53, Seengen

Setzt die Kettenbrücke gerne in Szene: Daniel Hagmann aus Seengen.

Setzt die Kettenbrücke gerne in Szene: Daniel Hagmann aus Seengen.

Larissa Gassmann

«Seit Beginn des Projekts komme ich regelmässig in Aarau vorbei, um Aufnahmen der neuen Kettenbrücke zu machen. Geplant ist ein Film, eine Slide-Show über das Ganze. Ich hoffe, das wird am Schluss gut. Ich war schon etwa sechsmal hier, vor allem mit meiner Drohne. Damit mache ich jeweils von oben Aufnahmen. Jetzt habe ich die Baustelle etwa einen Monat lang nicht mehr besucht. Daher habe ich mir gedacht, dass ich wieder einmal vorbeischauen sollte, um zu sehen, was seither passiert ist.

Die Aufnahmen mache ich für private Zwecke und hobbymässig. So arbeite ich auch nicht als Fotograf, sondern als Ingenieur. Weil ich am Hallwilersee wohne, bin ich eigentlich ständig am Wasser. Gleichzeitig segle ich sehr gerne. Daher hat das Wasser für mich etwas Magisches. Ich fühle mich davon angezogen und bin gerne vor Ort. Das spielt auch bei meinen Ferien eine Rolle. Ich reise oft nach Griechenland, um dort zu segeln. Auch nach Frankreich gehe ich gerne – und ab und an in die Alpen.»

Carmen Bruttel, 25, Lenzburg

Angetroffen an der Aare: Carmen Bruttel mit ihrem jungen Cocker Spaniel Marlo.

Angetroffen an der Aare: Carmen Bruttel mit ihrem jungen Cocker Spaniel Marlo.

Larissa Gassmann

«Ich arbeite seit zwei Jahren in Aarau in einem Kindergarten. Jetzt haben wir gerade Ferien und können es ein bisschen gemütlicher nehmen. So bin ich nach der erledigten Arbeit nun mit meinem sieben Monate alten Cocker Spaniel Marlo unterwegs. Er hat Wasser total gerne, und ich eigentlich auch. Das passt also ganz gut. Momentan tastet er sich aber noch daran heran und getraut sich manchmal mehr, manchmal weniger zu. Richtig schwimmen geht er noch nicht, ausser es handelt sich um eine flache Stelle – jetzt ist wegen Hochwasser eh Vorsicht angebracht.

Hier unterwegs sind wir vielleicht alle zwei Wochen einmal. In den Ferien kommt das allerdings doch öfter vor. Wasser verbinde ich mit Freiheit, Wärme, längeren Tagen und einem allgemeinen Sommer-Gefühl. Also alles nur positive Dinge. Somit ist es für mich einfach nur schön, der Aare entlang zu spazieren.

Kindergärtnerin bin ich, weil es mir Spass macht, mit den Kindern zusammen zu sein. Es ist spannend zu sehen, wie unterschiedlich sie sind und wie sie sich entwickeln. Mitten in der Coronazeit anzufangen, war für mich speziell. Die Kinder und ich nahmen es allerdings locker. Bis auf einige Ausnahmen war alles wie immer. Bloss für die Eltern war es schwierig, weil sie nicht wirklich Besuche machen konnten.

Vor den Sommerferien habe ich nach zwei Jahren nun meine erste Klasse abgegeben. Dabei habe ich zum ersten Mal Abschiedsschmerz verspürt. Das habe ich selbst so nicht erwartet. Es war zwar traurig, gleichzeitig aber auch schön, weil die Kindern nun weiterziehen können und bereit für die erste Klasse sind.»

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