Oberentfelden
In der Garage lässt Künstler «Dabebo» die wildesten Bilder spriessen

Oft bis spätnachts malt der junge David Benjamin Boner – kurz Dabebo – in der Garage seiner Eltern Bilder um Bilder. Er könne gar nicht anders, sagt er. Dieses Wochenende stellt er seine bisher verborgenen Schätze erstmals aus.

Daniel Vizentini
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Der 23-jährige David Benjamin Boner, kurz Dabebo, ist ein Künstler aus Oberentfelden.

Der 23-jährige David Benjamin Boner, kurz Dabebo, ist ein Künstler aus Oberentfelden.

Daniel Vizentini

Menschen, die von der Norm abweichen, werden oft missverstanden. Doch oft sind es gerade sie, die Dinge hervorheben und aufzeigen, die die gängige Allgemeinheit im unachtsamen Vorbeigehen nicht sieht. In der kleinen Garage seines Elternhauses lässt der 23-jährige Künstler David Benjamin Boner – kurz Dabebo – zum Beispiel oft alleine bis spätnachts die wildesten Gemälde gedeihen.

Seine Eltern haben ihm diese Freiheit gegeben, das Auto eigens draussen abgestellt. Von aussen her völlig unscheinbar, tun sich beim Öffnen des Garagentors ganze Welten auf. Überall sieht man Bilder mit einer Unmenge starker Farben oder augenzwinkernden Statements. Unzählige Formen, die man auf den ersten Blick vielleicht nicht sofort versteht, auf die man sich einlassen muss.

Daniel Vizentini

Einlassen muss man sich ein wenig auch auf Dabebos Welt und Denkweise. Den Zugang zu dieser findet man aber relativ leicht: Gerne offenbart er, was hinter all seinen Bildern steckt, was die teils wilden und farbigen Formen bedeuten, auch was es mit den anderen, auf den ersten Blick womöglich simpler zu verstehenden Bildern und Fotoausdrucken auf sich hat.

Bilder vom Oberentfelder Künstler Dabebo.

Bilder vom Oberentfelder Künstler Dabebo.

Daniel Vizentini

Die ADS-Diagnose als grosse Befreiung

Da wäre zum Beispiel ein Bild, das er malte, nachdem ihm ADS diagnostiziert wurde. Unten links ist sein Kopf zu sehen, aus dem allerlei Formen und Farben spriessen. «Während der Oberstufe dachte ich noch, ich sei depressiv», sagt Dabebo. Das Chaos in seinem Kopf konnte er nicht einordnen. Nun aber hatte er eine Erklärung für so vieles, endlich machte alles Sinn – ein gefühlter Befreiungsschlag, das sich im Gemälde fühlbar widerspiegelt.

Das Bild, das Dabebo nach seiner ADS-Diagnose malte.

Das Bild, das Dabebo nach seiner ADS-Diagnose malte.

Daniel Vizentini

Dabebo lässt in seinen Bildern manchmal das Chaos walten und dessen eigene, runde Schönheit zum Ausdruck kommen. In anderen Bildern wiederum malt er ziemlich exakt und zielgerichtet. Augen oder Herzen sind oft wiederkehrende Sujets oder auch Gestirne und das Universum.

Am meisten wahrscheinlich setzt sich Dabebo mit dem Sujet von der Erde und der Sonne auseinander. Im Gleichgewicht dieser beiden erklärt er sich die ganze Welt, wie er sagt.

In seinen Werken werden Sonne und Erde oft von Menschen verkörpert. Auch Tiere kommen vor: Auf einem Bild lässt er etwa Tiere und Menschen ihre Rolle tauschen. Tiere fahren dort zum Beispiel Auto, die Menschen wiederum leben dahinter frei nach ihrem Instinkt.

Sonne und Erde, ein wiederkehrendes Sujet bei Dabebo.

Sonne und Erde, ein wiederkehrendes Sujet bei Dabebo.

Daniel Vizentini

Er kann gar nicht anders

Dabebo hat zwar den gestalterischen Vorkurs absolviert, das Allermeiste aber brachte er sich mit der Zeit selbst bei. Gewisse Techniken hat er bereits gut im Griff: Beim einen Bild von Tieren im Dschungel zeigt er gekonnt, wie er mit den Acrylfarben die vielen Details wiederzugeben vermag und dabei gleichzeitig Gefühle vermittelt, ähnlich wie die grossen Impressionisten.

Bei anderen Bildern merkt man aber schon, dass ihn etwas mehr Technik weiterbringen würde. Dabebo hat sich deshalb auch bei der Kunsthochschule in Zürich angemeldet, wurde zum Interview eingeladen, schlussendlich aber nicht aufgenommen. Er will es wieder versuchen. Kunst zu machen, sei denn auch nicht etwas, auf das er verzichten könne. Er muss einfach.

Fragt man Dabebo, warum er Bilder malt, kommt eine Antwort, die man so nicht direkt greifen kann – dessen ist auch er sich bewusst: «Weil ich die Welt retten will», sagt er. Er wolle auf Dinge aufmerksam machen, Menschen sollten wieder zu sich selbst und zum natürlichen Dasein finden. Dazu wolle er dankbar sein dafür, was er hat, und gerne etwas zurückgeben.

Dieses Wochenende bringt er deshalb seine verborgenen Schätze nach draussen ans Licht: Er plant eine Ausstellung, diesen Samstag und Sonntag, 2. und 3. Juli, von 12 bis 19 Uhr im Garten seiner Eltern am Platanenweg 5 in Oberentfelden.

Kunstausstellung Dabebo, Sa, 2., und So, 3. Juli, 12 bis 19 Uhr, Platanenweg 5, Oberentfelden. dabeboart.com/dabebo