Aarau
Neues Geschäfshaus, neuer Name: Die IBAarau hat Geld für Grosses

Die IBAarau steht vor einem Quantensprung. Ein neues Geschäftshaus, eine neue Organisation, ein neuer Name. Dank ihrer gesunden finanziellen Basis kann sie sich dabei einige Annehmlichkeiten leisten.

Urs Helbling
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Mieter gesucht: Das bisherige IBA-Hauptgebäude an der Oberen Vorstadt.
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Hinter dem neuen Bürokomplex befinden sich die Garagen und die Werkstatt.
IBAarau

Mieter gesucht: Das bisherige IBA-Hauptgebäude an der Oberen Vorstadt.

Severin Bigler

Nächstes Jahr feiert die IBAarau (früher EWA, künftig Eniwa) das Jubiläum «125 Jahre Strom für die Region». Das ganz grosse Ereignis findet aber bereits in den letzten Dezember- und ersten Januar-Tagen statt. Dann zügeln 250 der 340 Angestellten in den Neubau an der Industriestrasse in Buchs. In Aarau sind künftig nur noch etwa 15 Personen, die das Wasserkraftwerk betreiben.

Und diverse Briefkästen: Denn die Hauptaktionärin (95,4 %) der IBAarau, die Stadt, wünscht, dass der Hauptsitz der IBAar- au weiterhin in Aarau bleibt. Der bisherige Hauptsitz, ein majestätisches Gebäude beim Turbinenkreisel, wird vermietet. Ebenso der Werkhof Gas/Wasser an der Erlinsbacherstrasse, der mittelfristig verkauft werden soll. Nach dem Neubau des Kraftwerkes wird der Werkhof Netz auf der Kraftwerksinsel zurückgebaut und die Fläche teilweise renaturiert, teilweise als Spielplatz der Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt.

Keine Budgetüberschreitung

«Das Ziel war es, ein Energiehaus zu bauen», sagt IBA-Chef Hans-Kaspar Scherrer zum Neubau. Es werde nicht ganz die veranschlagten 75 Millionen Franken kosten. «Wir werden unter Budget abschliessen», so Scherrer. Entstanden ist es auf dem Gelände der ehemaligen Gummifabrik Lonstroff. Für den Landkauf hat die IBAarau zehn Millionen Franken ausgegeben (zusätzlich zu den Baukosten). Sie erhielt dafür nicht nur Platz für den Neubau und einen Privatweg namens Edisonstrasse, sondern auch noch eine Baulandreserve von 30 Aren.

Bei der Totalsanierung des Aarekraftwerks muss der Gürtel enger geschnallt werden

Der Grosshandelspreis für Strom liegt bei 3 Rappen pro Kilowattstunde. Viel zu tief, um Investitionen in die Wasserkraft kurzfristig amortisieren zu können. Aus einer langfristigen Optik kann es sich aber rechnen. Davon ist die IBAarau überzeugt. Im Mai unterzeichnete deren Spitze die Verlängerung der Konzession um 68 Jahre (SAW vom 13. 5.). Es sah so aus, als könnten die Baumaschinen Mitte 2019 auffahren. Die Gesamtkosten für die erste Etappe wurden mit 110 Millionen Franken angegeben. Geplant war, den südlichen Kraftwerkteil erst ab 2035 zu modernisieren (zweite Etappe).

Der Verwaltungsrat hat zwar die Konzessionsverlängerung genehmigt, noch nicht aber den Baukredit. In einem Zwischenschritt wird jetzt versucht, mittels Projektoptimierungen die Kosten zu senken. «Wir sind daran, die Wirtschaftlichkeit zu verbessern», erklärt CEO Hans-Kaspar Scherrer. Als Ziel sind Gestehungskosten von 7,5 Rappen pro Kilowattstunden gesetzt. Angestrebt werden möglichst tiefe Betriebskosten – etwa durch nächtliche Fernsteuerung aus dem IBA-Hauptgebäude. Gesenkt werden aber auch die Investitionskosten: «Im Moment gehe ich von 100 Millionen Franken aus. Wir hoffen, dass es noch weniger werden», sagt Scherrer. Geprüft wird etwa die Zusammenlegung der beiden Etappen. Es gäbe dann ein «Deckelkraftwerk» ohne Kraftwerkshalle quer über der Aare.

Besser gelöst werden soll das heikle Problem des Fischabstiegs. «Da haben die Fischverbände mit ihrer Einsprache etwas bewirkt – auch wenn sie vor Verwaltungsgericht verloren haben», erklärt Scherrer.

Bereits vor der Sanierung des Kraftwerks soll das Unterwerk Aarau verlegt und damit Stromproduktion und Stromverteilung getrennt werden. Von der Ost- auf die Westseite der bestehenden Anlage (dorthin, wo jetzt ein provisorischer Kiesplatz ist). Damit kann auch während des Abbruchs und Neubaus des Kraftwerks die Stromversorgung von Aarau jederzeit gewährleistet werden. (uhg)

Öffentliches Restaurant

Der Komplex, dessen Vollendung auf Hochtouren läuft, besteht aus einem Bürogebäude, einen Werkstatttrakt und einem Hochregallager. Von aussen nicht erkennbar ist der Innenhof, das Atrium des Bürohauses. Im Gegensatz zu heute werden die IBA-Angestellten künftig in Grossaumbüros arbeiten. In Räumen mit grossen Fenstern, Betonwänden und einem Boden aus Industrieparkett. Es hat pro Etage zehn Sitzungszimmer und zwei Kaffee-Räume. Dazu kommen zwei grosse Pausenräume und eine Lounge im 5. Stock. Die Angestellten werden neu für die Parkplätze 80 Franken pro Monat bezahlen müssen. Im Komplex hat es 175 Pw- und 25 Lw-Parkplätze.

Der IBA-Hauptsitz ist für die Öffentlichkeit teilweise zugänglich. Konkret der Saal (300 Plätze) und das Selbstbedienungsrestaurant im Parterre (bisher hatte die IBA keine Kantine). Es gibt zudem einen Speiseraum mit Bedienung – etwa für den Empfang von Kunden.

24-Stunden-Betrieb

Wenn dann die Computer-Terminals einmal eingerichtet sind, wird die Leitstelle, der Dispatcher-Raum, besonders spektakulär aussehen. Von dort aus werden die Netze der IBA und später das modernisierte Wasserkraftwerk gesteuert. Auch nachts werden stets zwei Angestellte anwesend sein und die Anlagen der IBA überwachen.

Gewichtiger Zuzug im Gasbereich

Die IBAarau schafft mit dem neuen Komplex beträchtlichen Reserveraum. An Lager, aber auch an Büros. Die Geschosse vier und fünf des Bürogebäudes sind zu Beginn weitgehend für Fremdvermietungen vorgesehen. Es geht um Raum für 150 bis 200 Mitarbeitende. Ein erster wichtiger Mieter konnte bereits gefunden werden. Der Gasverbund Mittelland und Erdgas Ostschweiz werden an der Industriestrasse ihre Dispatcher-Räume zusammenlegen. Bisher befanden sich diese in Arlesheim BL und Schlieren ZH. Die beiden Firmen liefern zwei Drittel des Erdgases, das in der Schweiz verbraucht wird, und werden ihre Hochdruck-Gasnetze künftig von Buchs aus überwachen.

Es entstehen also dank des IBA-Neubaus in Aarau einige hochwertige Arbeitsplätze. Und die Stadt entwickelt sich immer mehr zur Energiedrehscheibe. Im Juni 2018 wird die nationale Stromnetzbetreiberin Swissgrid mit 450 Angestellten in einen Neubau südlich des Bahnhofs ziehen.

Neuer Name kommt intern an

Die IBA baut nicht nur ein «Energiehaus», sondern sie gibt sich auf den 1. Januar hin auch eine neue Organisation: «Wir gehen weg von den Sparten Strom, Erdgas und Wärme», erklärt CEO Scherrer. «Wir entwickeln uns zu einem Mehrsparten- und technologiebasierten Unternehmen. Produktion und Netze werden in einer Einheit zusammengefasst, der Verkauf in einer anderen.»

Um die Veränderungen gegen aussen sichtbar zu machen, gibt sich die IBAarau einen neuen Namen. Der Wechsel zu «Eniwa» kostet rund eine Mio. Fr. (Änderungen der wichtigsten Beschriftungen, Anpassungen bei den Arbeitskleidungen, Projektbegleitung). Laut Scherrer ist er von den Mitarbeitern sehr gut aufgenommen worden: «Sie spüren den Aufbruch, die Veränderung.

Da passt der neue Name dazu.» Aarau kommt im neuen Namen nicht mehr explizit vor, ähnlich wir beim ursprünglichen Namen IBA. Aufgrund der Einsprache von iba Büroartikel ist vor 28 Jahren aus IBA IBAarau entstanden. «Wir sind ein regionales Unternehmen, das einen Drittel des Umsatzes in der Stadt und zwei Drittel in den umliegenden Gemeinden erwirtschaftet», sagt Scherrer.