Entfelden
Nach dem Putsch kehrt wieder Ruhe ein an der Kreisschule

Für Elterngruppe und Schulpflege sind die letzten Turbulenzen an der Kreisschule abgeschlossen.

Ueli Wild
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Die Schule in Entfelden.

Die Schule in Entfelden.

«Die Kreisschulpflege und der Kreisschulrat stehen in einem Spannungsfeld.» Das steht im Bericht der Arbeitsgruppe, welche die diversen Turbulenzen der letzten Jahre zum Anlass nehmen möchte, die Schule Entfelden neu zu organisieren. Reibungsflächen gab es auch mit Schulleitern, und 2015 rebellierten Eltern, die das Vertrauen in Schulleiter und Schulpflege verloren hatten. Oft, heisst es im Bericht, habe sich der Konflikt von der fachlichen auf die persönliche Ebene verlagert.

Irène Vogel, Kreischulpflegepräsidentin: «Eltern wollen angehört werden, ihre Anliegen sollen ernst genommen werden.»

Irène Vogel, Kreischulpflegepräsidentin: «Eltern wollen angehört werden, ihre Anliegen sollen ernst genommen werden.»

Die letzte Krise löste 2015 ein Brand im WC des Unterentfelder Roggenhausen-Schulhauses aus. Ein Kind hatte dort mit Streichhölzern gespielt. Es wurde zeitweilig vom Unterricht ausgeschlossen, was heftige Reaktionen solidarischer Eltern auslöste. Das Ganze eskalierte und führte zu einer Art Putsch: Im Spätsommer kam es nach Rücktrittsforderungen vonseiten einer Elterngruppe zur Trennung von Kreisschulleiter Tobias Pflugshaupt, im November nahm auch Kreisschulpflegepräsidentin Brigitte Frehner den Hut. Drei von fünf Mitgliedern der Kreisschulpflege sind inzwischen neu. Bei der externen Evaluation kassierte die Kreisschule Entfelden im Führungsbereich eine rote Ampel. Seither begleitet das Kantonale Schulinspektorat die Schule mit zwei Führungsbeiständen. Wie lange, ist nach Angaben der neuen Kreisschulpflegepräsidentin Irène Vogel noch unbestimmt.

Aussprache mit Elterngruppe

Ende Januar kam es zu einer Aussprache zwischen einer dreiköpfigen Delegation der Elterngruppe mit der kompletten Schulpflege. Mit dabei war auch Monica Morgenthaler, die Leiterin des Schulinspektorats. Sie hatte bei der Elterngruppe angefragt, ob noch immer ein Bedürfnis nach einem Treffen mit der Schulpflege bestehe. «Ja», lautete die Antwort. Man wolle gerne die seinerzeitigen Sorgen bei der Behörde deponieren. Auf diese Weise, sagt Christoph Schwarz von der Elterngruppe, hätten die drei neuen Schulpflegemitglieder Gelegenheit erhalten, zu verstehen, «weshalb so viel Geschirr zerschlagen wurde».

Die Delegation habe die Aussprache im Januar mit einem sehr guten Gefühl verlassen», unterstreicht Schwarz. Dies auch, weil die Schulpflegepräsidentin eingeräumt habe, die Schule habe im Brandfall unverhältnismässig reagiert. Von der az mit dem Thema konfrontiert, äussert sich Irène Vogel vorsichtiger: «Es ist nicht die Aufgabe der heutigen Schulpflege, die damalige Reaktion der Schule zu beurteilen.» Aufgrund des Brandfalls und der daraus resultierenden Krise, sei man sich aber bewusst geworden, wie wichtig die Kommunikation auf allen Ebenen sei.

Brandfall für Schule abgeschlossen

Die Elterngruppe äusserte auch den Wunsch, dass sich die Schulpflege mit der Familie des Kindes zu einem Gespräch treffen möge. «Nicht um die alte Geschichte aufzuwärmen», betont Schwarz, «sondern, um sie sauber zu verarbeiten.» Präsidentin und Vizepräsidentin der Schulpflege trafen sich dann mit der Mutter des Kindes. Bei einem klärenden Gespräch, bestätigt Irène Vogel, habe man «das Geschehene ein letztes Mal Revue passieren lassen». Man sei in gutem Einvernehmen auseinandergegangen. «Der Fall ist für die Schule Entfelden abgeschlossen.»

Die Elterngruppe, die massgeblich am «Putsch» beteiligt war, hatte drei Personen im Visier. Zwei von ihnen, Kreisschulleiter Tobias Pflugshaupt und die damalige Kreisschulpflegepräsidentin Brigitte Frehner, haben das Feld geräumt. Markus Hugentobler, dessen Rücktritt ebenfalls gefordert wurde, gehört nach wie vor der Schulpflege an, wenn auch nicht mehr als Vizepräsident. Ist das keine Belastung für das Gremium? «Wir mussten uns zu einem neuen Team zusammenfinden», sagt dazu Irène Vogel. Die Ressorts seien nach den beruflichen Fähigkeiten verteilt worden. Man sei gut gestartet und habe schon vieles anpacken können. «Wir sind guter Dinge und alle sehr motiviert.»

Und Kreisschulleiter Tobias Pflugshaupt, von dem sich die Schule im letzten Sommer getrennt hat: Bestehen noch finanzielle Verpflichtungen ihm gegenüber? Was hat der Übungsabbruch die Schule gekostet? – Irène Vogels Antwort fällt sec aus: «Das Thema ist abgeschlossen.» Als abgeschlossen bezeichnet ihrerseits die Elterngruppe ihre eigene Aufgabe. Auch die externe Evaluation habe sich der für die Elterngruppe wichtigen Themen angenommen, hält Christoph Schwarz fest.

Neuer Umgangsstil war nötig

Die Schulpflege ist sich mit der Elterngruppe einig: Es sei nötig, einen neuen Umgangsstil zu finden. Der Elterngruppe war es ein grosses Anliegen, zu klären, wie in Zukunft mit Konflikten umgegangen werden soll: Gibt es eine konstruktive Konfliktbearbeitung durch Schulleitung und Schulpflege? Den kompetenten Umgang bei Konflikten, sagt Schulpflegepräsidentin Vogel, habe die Schule kürzlich bei der Hundeattacke auf dem Pausenhof des Roggenhausen-Schulhauses bewiesen. Die Abläufe seien in diesem Krisenfall bei allen Beteiligten vorbildlich gewesen: «Die Eltern und Kinder wurden sofort informiert und auf dem Laufenden gehalten.»

Eine Grundvoraussetzung für die erfolgreiche Zusammenarbeit von Schule und Eltern, räumt Vogel ein, sei «eine Willkommensstruktur seitens der Schule». Auch sei ein regelmässiger Informationsaustausch nötig, der das gegenseitige Verständnis und Vertrauen fördere. «Eltern», sagt Vogel, «wollen angehört werden, ihre Anliegen sollen ernst genommen werden.» Auf der andern Seite wirke sich eine positive Grundhaltung der Erziehungsberechtigten direkt auf den Schulerfolg der Kinder und die Berufszufriedenheit der Lehrpersonen aus.

Strukturelle Schwierigkeiten

Kann man ganz allgemein sagen, an der Kreisschule Entfelden sei wieder Ruhe eingekehrt? «Ja, meiner Meinung nach schon», sagt die Schulpflegepräsidentin. «Wir sind da aber auch nicht blauäugig: Wir stehen in der Öffentlichkeit und sind tagtäglich mit neuen Herausforderungen konfrontiert. Auch wenn wir versuchen, eine Linie gegenseitigen Respekts zu fahren, kann es immer wieder vorkommen, dass sich jemand unverstanden fühlt.» Sicher habe sich die Lage im Sommer 2015 «aufgrund personeller Aspekte» zugespitzt, sagt Vogel. Das heisse aber nicht, dass sich mit den personellen Wechseln alle Herausforderungen in Luft aufgelöst hätten. «Die strukturellen Schwierigkeiten sind seit Jahren bekannt.» Deshalb wollen ja auch die Gemeinderäte von Unter- und Oberentfelden die Schule neu organisieren. Ob der Kreisschulrat, der durch einen aus Gemeinderatsmitgliedern gebildeten Vorstand ersetzt werden soll, zu einer Lösung dieser Art Hand bietet, wird die Kreisschulratssitzung vom 15. Juni zeigen.

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