Ja, etwas gebibbert habe man in den letzten Wochen schon, sagt Markus Lüthy. Der Präsident des Köhlervereins Speuz – und alt Gemeindepräsident – ist froh, dass das Feuerverbot im Aargau aufgehoben wurde. Zu schade wäre es gewesen, wenn das Köhlerfest 2018 nicht hätte stattfinden können.

Nun sind seit Mittwoch zahlreiche fleissige Helfer daran, unter der Regie der Entlebucher Köhlerin Doris Wicki und ihrer Kollegin Heidi Moy den Kohlenmeiler beim Schiessplatz Gehren aufzubauen. 16 Ster Holz – das macht am Ende etwa 1,1 Tonnen Holzkohle – sind im Kreis aufgeschichtet. Bedeckt wird es von frischen Tannästen, zuoberst liegt die sogenannte «Löschi». Sie besteht aus neun Kubikmetern eines nassen Kohlenstaub-Kohlenrestengemischs und deckt den Meiler wie ein Mantel luftdicht ab.

Alle zwei Stunden nachfüllen

Der Meiler hat in der Mitte einen vertikalen Schacht, etwa 20 Zentimeter im Durchmesser – das «Füllihuus». Heute Abend um 19 Uhr, wenn der Meiler entzündet wird, schaufelt Doris Wicki drei Schaufeln Glut ins «Füllihuus», darauf kommen kleine Kohlestücke und Holzschnitzel. Das Futter für den Kohlemeiler. Es muss alle zwei Stunden nachgefüllt werden – den Köhlerinnen stehen also kurze Nächte bevor. Der Köhlerverein hat ihnen einen Schlafwagen aufgestellt, direkt neben dem Meiler. «Ich muss ihn immer im Blick haben», sagt Doris Wicki. Passiert ist noch nie etwas.

Wenn das «Füllihuus» voll ist, kommt ein Eisendeckel drauf. Nach und nach werden die Köhlerinnen Löcher in den Meiler stechen, oben beginnend, damit Sauerstoff hineingelangen und der Verkohlungsprozess einsetzen kann. Im Meiler wird es dann bis zu 500 Grad heiss; aussen bleibt er lauwarm. Köhlern sei «eine langsame Trockendestillation ohne Feuer», sagt Doris Wicki.

Letztes Fest war 2010

Wenn in Erlinsbach geköhlert wird, ist das immer etwas Besonderes. Markus Lüthy mag sich zwar an Kohlemeiler in seiner Kindheit erinnern, aber wieder aufleben lassen haben die Speuzer die alte Tradition erst 2010 anlässlich des 100-Jahr-Jubiläums der Ortsbürgergemeinde. Damals sogar vier Wochen lang. Eine wunderbare Sache sei das gewesen, schwärmt Lüthy, «so viele gemütliche Abende und schöne Begegnungen!»

«Grösster Verein des Dorfs»

Dass es wieder ein Köhlerfest geben würde, war also fester Vorsatz. Trotzdem dauerte es einige Zeit, um einen neuen, definitiven Platz für die eigens gebaute Köhlerhütte zu finden und bewilligt zu bekommen. Sie steht nun bei der Panzerplatte Gehren. Für den Betrieb wurde eigens ein Verein ins Leben gerufen. Heute, drei Jahre nach der Gründung, hat der Verein sagenhafte 475 Mitglieder. «Er ist der grösste im Dorf», sagt Lüthy nicht ohne Stolz.

Der Verein führt unter anderem den Neujahrsapéro und die Bundesfeier durch. Und nun eben – endlich! – wieder ein Köhlerfest. Bis zum Samstag nächster Woche gibt es bei der Köhlerhütte neben dem Meiler jeden Tag Programm. Fester Bestandteil ist das «Köhler Beizli» und viel(fältige) Musik. Heute Abend gibt es nach dem Anzündefest (19 Uhr) eine Feuershow, morgen Samstag ein grosses Feuerwerk.

Köhlerfest Speuz bis zum 22. September, täglich ab 9 bis 24 Uhr, auf dem Schiessplatz Gehren in Erlinsbach AG. Parkplätze sind signalisiert. Das Detailprogramm finden Sie unter www.koehlerverein.ch.