Aarau/Lenzburg
«Mode ist nicht Diktat»: «Unikum»-Gründerin rennt nicht jedem Trend hinterher

Kundinnen springen für ihre Mode über Gräben: Dragana Milenkovic gründete vor 20 Jahren das «Unikum» mit Filialen in Aarau und Lenzburg. Heute ist sie überzeugt, dass Online-Shopper dereinst wieder zurück in den physischen Laden kommen.

Katja Schlegel
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20 Jahre Unikum
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Jetzt feiert sie ihr Jubiläum mit einer Modeschau.
Weitere Bilder aus dem «Unikum».

20 Jahre Unikum

Sandra Ardizzone

Von Mut hatte ihr keiner was gesagt. Das war auch besser so. «Hätte ich gewusst, wie mutig es ist, hätte ich es wohl nicht getan», sagt Dragana Milenkovic (49). Also tat sie es einfach, damals vor 20 Jahren. Eröffnete als gelernte Hotelfachfrau am Rain eine Kleiderboutique und kaufte ein, was ihr gefiel. Roberto Cavalli, Jean Paul Gaultier, heute grosse Namen, damals unbekannt. Aber Dragana Milenkovic kaufte Jeans für 500 Franken, mutig wie sie war.

Die Rechnung ging auf, die Kundinnen wollten die Jeans. Dragana Milenkovic und ihr «Unikum» feiern heuer das 20-Jahr-Jubiläum. Inzwischen betreibt sie gemeinsam mit fünf Mitarbeiterinnen zwei Filialen, eine in Aarau (seit 18 Jahren an der Rathausgasse) und eine in Lenzburg (seit 15 Jahren an der Kirchgasse). Geplant habe sie das nicht, sie plane nie etwas. «Bei mir hat sich alles so ergeben und es stimmt so.»

«Steht Zürcherin in nichts nach»

Noch immer weiss Dragana Milenkovic ganz genau, wie die ersten Stücke aussahen, die sie damals im Laden am Rain verkauft hat: ein Outfit wars, eine braune Hose und ein beigefarbenes Oberteil, farblich perfekt aufeinander abgestimmt. «In Aarau gab es seit je sehr viele modebewusste Frauen», sagt sie und betont wiederholt, wie gut die Aarauerinnen über Trends und Designer informiert seien. «Die Aarauerin steht einer Zürcherin diesbezüglich in nichts nach.»

Sich selbst bezeichnet Dragana Milenkovic als «nicht modisch», am liebsten trägt sie schwarze Hosen und schwarze Oberteile. Trotzdem würde sie jedes Teil, das in ihren Boutiquen hängt, selber tragen. «Ich verkaufe nichts, was mir nicht gefällt.» Und auch wenn sie die Modewochen in Paris und Mailand besucht und immer auf dem neusten Stand ist, so renne sie doch nicht jedem Trend hinterher. «Mode ist Zeitgeist, nicht Diktat.»

Staunende Bauarbeiter

In den 20 Jahren mitten im Zentrum hat Dragana Milenkovic die Entwicklung der Altstadt mitgemacht. Sie erinnert sich an Zeiten, in denen sich der Verkehr noch vor ihrem Schaufenster durchwälzte, an die Bauzeit, als die Gassen aufgewertet und die Autos aus der Stadt verbannt wurden. Damals, als ihre Boutique über Wochen nur über einen schmalen, über die Baugrube gelegten Steg erreichbar war. «Als die Arbeiter selbst den Steg verschieben mussten, hangelten sich die Kundinnen via Fenstersims in den Laden», sagt sie und lacht. «Der Bauarbeiter in der Grube hat seinen Augen kaum getraut und gestaunt, was Frauen für schöne Kleider alles auf sich nehmen.»

In all den Jahren hat Dragana Milenkovic auch viele Gewerbetreibende kommen und gehen sehen. «Vielen hat es an Innovation gefehlt. Sie haben sich an Bewährtem, an alten Strukturen, festgehalten.» Das sei gefährlich. «Man muss sich auch von Labels rechtzeitig trennen können, vor allem, wenn diese überall erhältlich und auch im Onlinehandel sehr präsent sind.» Sie habe deshalb ganz verschiedene Labels im Sortiment. «Und ich kaufe vor allem im Ausland Mode ein – Labels, die in der Schweiz nirgends erhältlich sind, weder im Geschäft noch online.»

«Aarau ist noch sehr lebendig»

Über den Online-Handel oder die fehlende Kundenfrequenz in der Altstadt jammern mag sie nicht, sowieso mag sie Gejammer nicht hören. Auch sie habe den Online-Handel gespürt, aber sie sei überzeugt davon, dass sich diese Welle wieder abschwächen werde. «Irgendwann sind alle ob der Online-Fehlkäufe so gefrustet, dass sie wieder im Geschäft kaufen.» Und zur Altstadt sagt sie: «Aarau ist noch sehr lebendig. Aber der Hang zum Bewahren und Beruhigen ist sehr stark. Man darf die Altstadt nicht zum Museum werden lassen, sonst stirbt sie.» Schon heute sei spürbar, dass die Kundenströme unter der Woche recht schwach seien. Eine grosse Kleiderkette als Kundenmagnet in der Altstadt fände sie deshalb toll. «Gesunde Konkurrenz belebt das Geschäft.»

Allen äusseren Umständen zum Trotz – Dragana Milenkovic verlässt sich für den Erfolg sowieso nur auf eines: harte Arbeit. «Ein Geschäft funktioniert nur, wenn man etwas wagt, wenn man die gemütlichen Strukturen verlässt.» Deshalb verpasst sie sich selbst immer wieder ein neues Image, baut die Lokale regelmässig um, nimmt Männerkollektionen ins Sortiment auf oder überarbeitet ihren Webauftritt. Und sie lädt ihre Kundinnen und Kunden immer wieder zu Veranstaltungen ein. «Kundenpflege ist das Allerwichtigste», sagt sie, 20 Prozent der Kundschaft würden 80 Prozent des Umsatzes ausmachen. «Die Kundin ist Königin, ganz einfach.»

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