Erlinsbach SO
«Leute, die mit mir anstossen möchten»

Urs Oegerli, bekannt als langjähriger Niedererlinsbacher Gemeindeschreiber, lud heute Samstag «Personen, die mit mir anstossen möchten» zu einem Apéro in sein Heim an der Vorzielstrasse 2 ein.

Hans M. Eichenlaub
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Ein ungewöhnliches Inserat: Urs Oegerli, bekannt als langjähriger Niedererlinsbacher Gemeindeschreiber, lädt für heute Samstag «Personen, die mit mir anstossen möchten» zu einem Apéro (10 bis 12 und 14 bis 16 Uhr) in sein Heim an der Vorzielstrasse 2. Gründe gibt es entsprechend seiner Hausnummer ebenfalls zwei: Oegerli feiert seinen 70. Geburtstag, vor allem aber blickt er auf ein eher seltenes Jubiläum zurück: 50 Jahre Tätigkeit im öffentlichen Dienst.

Aus dem solothurnischen Härkingen stammend, nahm der 1941 geborene Urs Oegerli bereits als 20-Jähriger im Bürgerrat Einsitz, und man übergab ihm das Amt des Fouriers in der Feuerwehr. Nur vier Jahre später bewarb sich der damals in der Staatskanzlei des Kantons Solothurn tätige junge Mann in drei Dörfern für die Stelle eines Gemeindeschreibers. In Niedererlinsbach wurde er gewählt.

«Das lag bei uns in der Familie»

Weshalb dieser frühe Einstieg in Politik und Verwaltung, in einem Alter quasi, in dem andere eher noch Flausen im Kopf haben? «Ganz einfach», erklärt Urs Oegerli auf der geschnitzten Holzbank, dem Abschiedsgeschenk der Gemeinde Niedererlinsbach, «das lag bei uns in der Familie. Schon mein Vater hat politisiert; politische Fragen und Themen wurden zu Hause oft diskutiert. Das muss mich für meinen künftigen Lebensweg geprägt haben.»

Als er sich für die Stelle in Niedererlinsbach bewarb, wusste er praktisch nichts über die Gemeinde im Erzbachtal. Es war ein Sprung ins kalte Wasser. Dies vor allem auch, weil Urs Oegerli der erste Gemeindeschreiber war, der die Kanzlei im Vollamt übernahm. «Da gehörten zum eigentlichen Hauptberuf noch etwa sieben Nebenämter,» erinnert er sich, «und es gab noch den grossen Gemeinderat mit 14 Mitgliedern und ohne Ressortzuteilung.» Was gleichzeitig bedeutet, dass alle Fäden beim Schreiber zusammenliefen. Man bezeichnete ja in jener Zeit – nicht nur in Speuz und vor allem am Stammtisch – die Gemeindeschreiber gerne als «die kleinen Dorfkönige», vor allem, wenn sie über Jahre und Jahrzehnte in Amt und Würde waren.

«Wirklich Macht», schmunzelt er in der Abendsonne auf seinem Sitzplatz, «hatten wir ja nicht. Die Kontrolle durch die Räte und die Gemeindeversammlungen hat schon funktioniert.» Aber er räumt gleichzeitig ein, dass mit der Verkleinerung des Ratsgremiums und mit der damit verbundenen Ressortzuteilung die Verantwortung auf mehrere Schultern verteilt und damit die Einflussmöglichkeiten reduziert wurden.

An welche Traktanden von besonderer Tragweite erinnert er sich im Rückblick auf seinen über 40 Jahren in der Gemeindekanzlei? Ohne zu zögern nennt er die Renovation des alten Schuelhüslis zu einem Begegnungsort und den Umbau des Schulhauses zum Gemeindehaus. Wichtig war ihm auch die Realisierung der Grundwasserversorgung mit dem Reservoir auf der «Blütti»: «Vorher bezog unsere Gemeinde das Wasser ja von ennet dem Bach. So wurden wir von Erlinsbach AG unabhängig.»

Ungewöhnlich lange Amtszeit

Neben seinem Einsatz in der Gemeinde war Urs Oegerli zwischen 1973 und 1993 auch im Kantonsrat tätig, eine ungewöhnlich lange Amtszeit von fünf Amtsperioden, wie er selber bestätigt: «Wir waren nur knapp eine Handvoll, die so lange dabei waren.»

In guter Erinnerung – auch weil für Erlinsbach wichtig – bleibt ihm sein Einsatz gegen die geplante Expressstrasse von Aarau durch das Brandtäli Richtung Stüsslingen, die er verhindern konnte. Heute noch wirkt er mit Elan im Vorstand des Altersheims Ruttigen, dem er seit vielen Jahren angehört. Und dem Erlinsbacher Alterszentrum Mühlefeld stellt er sich für den Fahrdienst zur Verfügung. «Eine besonders dankbare und befriedigende Arbeit», wie er anfügt, «kennen mich doch die meisten Altersheimbewohnerinnen und -bewohner noch aus meiner Zeit als Gemeindeschreiber. Ich setze mich gerne für andere ein, solange meine Kräfte dies zulassen. Man weiss ja nie, ob man später nicht einmal selber auf Hilfe angewiesen ist.»

Besondere Freude bereitet dem Doppeljubilar der Kontakt mit seinen Kindern und den zehn Grosskindern im Alter von eins bis 18 Jahren: «Für die jüngeren schreinere ich in meiner Werkstatt mit Vergnügen kleine Geschenke und Spielzeuge aller Art», ergänzt Urs Oegerli, bevor er sich vom «Oegerli-Bänkli» erhebt und sich seinem prächtigen Garten mit den schwer behängten Himbeerstauden zuwendet.

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