Kommentar
Integrationszentrum in Aarau: Guter Schachzug mit Kanti-Perspektive

Der Aarauer Stadtrat steht dem Integrationszentrum für 250 Asylsuchende an der Rohrerstrasse positiv gegenüber. Warum? Ein Kommentar zu den Hintergründen.

Urs Helbling
Urs Helbling
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Zwischen Rohrerstrasse und Gleisanlagen steht die Asylunterkunft mit heute 50 Personen. Der Kanton plant einen Neubau für 250 Personen.

Zwischen Rohrerstrasse und Gleisanlagen steht die Asylunterkunft mit heute 50 Personen. Der Kanton plant einen Neubau für 250 Personen.

Michael Küng

Wer will, findet immer einen Grund, um gegen eine Grossunterkunft für Asylbewerber zu sein. Wer das Problem dagegen nüchtern betrachtet, wird feststellen, dass das gestern vorgestellte Projekt überraschend gut und der Zeitpunkt für einen grossen Wurf im Moment ideal ist – weil der Problemdruck wegen der tiefen Asylzahlen nicht sehr hoch ist.

Klar ist aber auch, dass das Integrationszentrum sehr teuer wird. Der Betrag von 32 bis 35 Millionen Franken wird im Grossen Rat eine Redeschlacht auslösen. Und es ist unsicher, ob die Parlamentarier das Geld 2025 genehmigen werden. Das Integrationszentrum soll an zentralster Lage auf einer Art Niemandsland zu stehen kommen. Dort, wo es vor allem Gewerbebetriebe und Lagerhallen, aber kaum Wohnungen gibt. Das Zentrum wäre aber nahe am Bahnhof Aarau, einem heiklen Ort, was die Wahrnehmung des Asylproblems betrifft.

Der Stadtrat von Aarau scheint den Einbau von entsprechenden Sicherungen initiiert zu haben. Mehr noch: Er lässt sich für die Bereitschaft, die Pilotanlage eines Aargauer Integrationszentrums zu übernehmen, teuer bezahlen. Jedenfalls ist es ein kleiner Coup, dass die Kanti-Sportanlagen von der Telli hinter das ehemalige Zeughaus («Rössligut») verlegt werden kann. Dort würde auch das Hallenbad perfekt hinpassen – nur muss hier noch einige Entwirrungsarbeit bei der Finanzierung geleistet werden.

Um zwei Ecken gedacht, verhilft die Asylunterkunft der Kantonshauptstadt eventuell zu einem Kanti-Ausbau. Denn je schneller die Oberstufe (inklusive Bezirksschule) in der Telli gebaut werden kann, desto grösser ist die Chance, dass Aarau in der Kanti-Frage gegenüber Brugg und Lenzburg den Vorzug bekommt. Der Stadtrat von Aarau pokert erfolgreich.

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