Kolumne von Dr. Felix Bertram
Ein Kleopatra-Bad hilft gegen juckende Winterhaut

Skinmed-Arzt Felix Bertram erklärt, wieso die Haut im Winter ganz besonders viel Aufmerksamkeit braucht und was man tun kann, damit sie nicht zum Problemfall wird.

Felix Bertram*
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So schön sieht die Haut im Winter nur aus, wenn man ihr ganz besondere Aufmerksamkeit widmet. Denn bei kühlen Temperaturen stellen die Talgdrüsen ihren Dienst ein.

So schön sieht die Haut im Winter nur aus, wenn man ihr ganz besondere Aufmerksamkeit widmet. Denn bei kühlen Temperaturen stellen die Talgdrüsen ihren Dienst ein.

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Der diesjährige Sommer war ja kein Leckerbissen, und nun kommt der Winter. Wobei ich offen gestanden dankbar bin um jeden kühleren Sommer und jeden kalten Winter. Denn in einigen Jahren werden wir uns vielleicht danach zurücksehnen, wenn Skifahren in den Voralpen nicht mehr möglich ist und alle Gletscher abgeschmolzen sind.

Aber zurück zu den Jahreszeiten und meinem Fachgebiet. Auch die Haut geht mit den Jahreszeiten: Während wir im Sommer oft eine wunderbare reine und gepflegte Haut haben, platzen uns im Winter Lippen und Finger auf. Dies hat mit der Aktivität und Dichte der Talgdrüsen, dem Alter, dem Geschlecht und mit UV-Strahlung zu tun. Auch wenn man Sonnenstrahlen kritisch betrachten muss, so darf man nicht vergessen, dass sie auch eine heilende Wirkung haben. Aus diesem Grund haben wir im Sommer meist keine Pickel, weniger Ekzeme und oft eine glatte und gesunde Haut.

Felix Bertram.

Felix Bertram.

Chris Iseli / LZB

Diesen Effekt machen wir uns auch in der dermatologischen Praxis zunutze. Es gibt eine Art Lichtkabine, die mit speziell gefiltertem und besonders schonendem Licht arbeitet, um einen heilenden Effekt auf der Haut zu bewirken. Eingesetzt wird diese Lichtkabine besonders bei Patienten und Patientinnen mit Ekzemen oder Schuppenflechte.

Denn im Winter kommt es dazu, dass unsere Talgdrüsen – unsere körpereigenen Pflegecreme-Lieferanten – ab etwa 4°C Aussentemperatur oder tiefer ihre Aktivität einstellen. Dummerweise haben Lippen und Hände praktisch gar keine Talgdrüsen, weshalb wir an diesen Stellen die kalte Jahreszeit als erstes spüren.

Auch mit zunehmendem Alter neigt die Haut zu mehr Trockenheit. Im Geschlechtervergleich neigen übrigens Frauen eher zu einer trockenen Haut als Männer. Schuld ist hierbei das Testosteron, welches die Talgdrüsen antreibt.

Neben Lippen und Händen kann auch am Körper die Haut austrocknen. Bevorzugt an den Beinen, aber auch überall sonst. Häufig erscheint die Haut schollenartig aufgeplatzt wie ein ausgetrockneter See in der Wüste. Wir nennen das Ekzema craquelee. In diese kleinen Hautrisse zwischen den «Schollen» dringen dann Mikroben ein und führen zu Juckreiz. Das darauffolgende Kratzen verschlimmert den Prozess und so beginnt eine sich verstärkende negative Spirale.

Gerade im Winter sehen wir viele Patienten, die schlicht und einfach an zu trockener Haut leiden. Glücklicherweise haben wir neben der Lichtkabine auch eine ganze Reihe an guten topischen Massnahmen, sodass diese Probleme rasch in den Griff zu bekommen sind. Insbesondere ist aber auch die Mitarbeit des Patienten gefordert. Das Verwenden einer guten Bodylotion, Handcreme und Lippenpomade wird empfohlen.

Ebenso macht es Sinn, im Winter neben warmer Kleidung auch jeweils Handschuhe zu tragen. Der trockenen Raumluft im häuslichen Umfeld sollte mittels Raumbefeuchter oder im Zweifel mit feuchten Tüchern über den Radiatoren begegnet werden.

Seifen, Reinigungsprodukte und häufiges Duschen oder Baden trocknen die Haut zusätzlich aus. Dies liegt an den Tensiden, welche Fette spalten. Jeder, der mal ohne Handschuhe den Abwasch gemacht hat, kennt dieses Phänomen aufgrund der im Anschluss völlig trockenen Hände. Darum empfehle ich insbesondere im Winter pflegende Reinigungsprodukte mit geringem Tensidgehalt zu verwenden, wie zum Beispiel Duschöle etc. Für die Badewanne gibt es Badeöle, oder man kann selber mit einem guten Olivenöl oder einer reichhaltigen Milch ein sogenanntes Kleopatra-Bad nehmen.

Aber trotz aller Dusch- und Badeöle sollte man sich auch bewusst sein, dass nur Wasser alleine schon Fette aus der Haut ausspült und zur Trockenheit beitragen kann. Daher Duschen und Baden auf das nötigste Minimum reduzieren, Wer diese Dinge beherzigt, der kommt mit seiner Haut gut durch den Winter und kann sich auf den kommenden Sommer freuen.

Felix Bertram (47) ist Arzt und Unternehmer. Er ist Gründer der Skinmed Kliniken für Dermatologie und Plastische Chirurgie.

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