Gretzenbach
Gönner verwöhnen Mönche mit Rüeblitorte

Rund 1300 Personen feierten am Sonntag das thailändische Neujahrsfest mit Wasser, Almosen und einem Umzug. Danach wurde zum Tanz gebeten. Bereits die kleinsten Tänzerinnen bezaubern die Zuschauer und Zuschauerinnen.

Peter Weingartner (Text und Fotos)
Drucken
Thailändische Kultur umfasst mehr als Kulinarik. Thailändische Kultur umfasst mehr als Kulinarik.

Thailändische Kultur umfasst mehr als Kulinarik. Thailändische Kultur umfasst mehr als Kulinarik.

Wenn Kinder Erwachsene anspritzen, feiert Thailand Neujahr. Zuerst aber erhalten die fünf Mönche des Buddhistischen Zentrums in Gretzenbach Almosen, und das nicht zu knapp. Zahlreiche Familien aus der ganzen Schweiz, aber auch aus dem süddeutschen Raum, schleppen Einkaufstaschen und Körbe voller Esswaren und Blumen an.

Die Mönche haben Glück: Nicht nur Wasser-, auch Rivella- und Coca Cola-Flaschen finden ihren Weg in die Almosenschale. Die fünf Männer im orangen Gewand erhalten Früchte, Bio-Vollreis, Ovomaltine, Früchte und Toffifee, Ananas und Sardellen. Und natürlich Blumen. Die Gehilfen der Mönche füllen Plastikeimer um Plastikeimer und äufnen so die Vorratskammer des Klosters.

Neujahr mit Festschmaus

Sinnesfreuden allenthalben: In einer Ecke verbreiten Räucherstäbchen asiatische Ambiance. Beim Aufgang zum Tempel steht eine schwarze Buddha-Statue; die Besucher können eine Kerze anzünden und parfümiertes Wasser über die Skulptur giessen. Während die einen sich auf den Wiesen niederlassen und picknicken, berücksichtigen andere die Festwirtschaft. Diese Vielfalt der Köstlichkeiten! Schlaraffenlandhaft. Bevor es im Saal losgeht, gedenken die Mönche in einem monotonen, sonoren Gesang, der an gregorianische Choräle erinnert, der Verstorbenen und sie segnen, auf der Bühne sitzend, die Gläubigen und die Speisen in den Plastiktellern. Dann lassen es sich auch die Mönche gut gehen.

So genannte Phapa-Bäume, Holzgestecke mit Banknoten, schmücken die Tische des Speisesaals. «Das Zentrum lebt von Spenden», sagt Präsident Christian Biedermann. Sie werden für einen Landkauf, angrenzend ans Tempelareal, verwendet. Knapp die Hälfte der Kosten von einer Million sind bereits beisammen. Die buddhistische Gemeinde der Schweiz zähle etwa 4500 Mitglieder, so Biedermann. Bei den allermeisten Familien am Fest ist der Vater Schweizer, die Mutter Thailänderin. Vorab viele junge Männer schauen nicht bloss zu; sie bringen die Buddha-Statue der Familie zur Segnung. Ein Baselbieter, konfessionslos, fühlt sich wohl mit dem Buddhismus seiner Frau, der nicht mit Dogmen hausiere.

Am thailändischen Neujahrsfest wird nicht nur thailändische Esskultur gepflegt. Nach dem Hauptgang stehen Musik und Tanz auf dem Programm. Bereits die kleinsten Tänzerinnen bezaubern mit ihrer Anmut, derweil ein Quintett Schweizer Männer im karierten Rock, nord-thailändisch, für Lacher sorgt. Kein Witz: Die Fünf besuchen sonntags die Sprachschule im Zentrum; sie können sprechen, schreiben und lesen.

Gegenseitiges Begiessen

Und dann wird den fünf Mönchen auf der Bühne das Dessertbuffet vorgesetzt: Fruchtarrangements und Gebackenes, darunter sogar Rüeblitorte. Der Höhepunkt des Nachmittags ist die Umrundung des Tempels. Begleitet von einer Trommlergruppe ziehen die Mitglieder des Tempels drei Mal um den Tempel. Heiliges Wasser wird auf die Buddha-Statuen und die Hände der thailändischen Botschafts- und Konsulatsvertretungen gegossen, bevor sich die Festteilnehmer gegenseitig begiessen können. Auf diese Gelegenheit haben die Kinder, bewehrt mit Wasserflaschen und Spitzpistolen, ja mit mehrläufigen Plastik-«Gewehren», schon lange gewartet. Das thailändische Neujahrsfest ist auch «Fest des Wassers», da im Volk der Glaube verankert sei, dass das Wasser reinige und das Schlechte und Böse wegwasche.

Aktuelle Nachrichten