Gemeindeversammlung
Als erste von vier Gemeinde dran: Dintikon wird «Wasser 2035»-Vorreiter

Die übrigen drei am riesigen Trinkwasserprojekt beteiligten Lenzburger Gemeinden entscheiden erst später, ob sie mitmachen wollen oder nicht.

Urs Helbling
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Das Grundwasserpumpwerk Hard II Niederlenz spielt eine wichtige Rolle.

Das Grundwasserpumpwerk Hard II Niederlenz spielt eine wichtige Rolle.

Zvg

Schliessen sich im erweiterten Bünz- und Reusstal 24 Gemeinden zu einem Wasserring zusammen? Beim Projekt «Wasser 2035» beginnt jetzt der Entscheidungsprozess. Im Juni stimmen zwei Drittel der 22 beteiligten Gemeinden über eine Teilnahme an der zu gründenden Interkommunalen Anstalt (IKA) ab.

Von den vier betroffenen Gemeinden im Bezirk Lenzburg tut dies einzig Dintikon. Brunegg, Fahrwangen und Hendschiken tun es vielleicht an der Wintergemeindeversammlung – teilweise ist der Meinungsbildungsprozess noch im Gang. Und im Fall von Lenzburg liegt es an der Geschäftsleitung und dem Verwaltungsrat der SWL Wasser AG (so, wie sich das Geschäft jetzt präsentiert, muss der Einwohnerrat nicht konsultiert werden). Ein Entscheid wird in den nächsten Monaten erwartet.

Lenzburger spielen zentrale Rolle bei Wasserlieferung

«Das Projekt ‹Wasser 2035› baut so weit als möglich auf bestehenden Anlagen und Leitungen auf; insbesondere auf der seit über 60 Jahren bestehenden Transportleitung Lenzburg-Wohlen», heisst es in den Unterlagen für die Dintiker Gemeindeversammlung. Um den Ringschluss zu realisieren, soll im Reusstal bis 2026 in Etappen eine weitere Transportleitung erstellt werden. Zudem soll es etwa 2035 ein fünftes Grundwasserpumpwerk geben.

Eine zentrale Rolle wird das bestehende und in Niederlenz liegende Grundwasserpumpwerk Hard II der SWL Wasser AG spielen. Es liefert den Freiämtern und Reusstaler Gemeinden Wasser aus den Grundwasserströmen der Aare und des Seetals. Im Gebiet Hard-Länzert soll zudem bis etwa 2035 das Pumpwerk Zimberthübel erstellt werden. Seit 2019 gibt es im Aargau die Möglichkeit, Interkommunale Anstalten (IKA) zu gründen. «Sie gewährleistet die gewünschte Autonomie und sieht die Beteiligung privatrechtlich organisierter Gesellschaften ausdrücklich vor», schreibt der Gemeinderat Dintikon. Gemeint sind die SWL (Lenzburg) und die IBW (Wohlen).

Lenzburger Wasser ist heiss begehrt

Das Bevölkerungswachstum und das trockene Jahr haben dazu geführt, dass die SWL Wasser AG 2020 in Lenzburg mit 1,49 Millionen Kubikmetern deutlich mehr Wasser (plus 8 Prozent) verkaufen konnte. Noch stärker gestiegen sind die Lieferungen nach Wohlen an die IBW: plus 27 Prozent auf 1,96 Millionen Kubikmeter. Auch dort wuchs die Bevölkerung und das Jahr war trocken. Zudem mussten die Freiämter wegen der Chlorothalonil-Problematik zwei Quellen stilllegen und mehr Wasser zukaufen. (uhg)

Die «IKA Wasser 2035» basiert auf einem Dotationskapital von maximal 8,5 Millionen Franken. Daran soll Dintikon 405 000 Franken beisteuern. Geld, das der Spezialfinanzierung Wasser entnommen werden soll, falls der Souverän dem Mitmachen bei der IKA an der Gemeindeversammlung vom 16. Juni zustimmt. Neben dem Startkapital wird das der Wasserversorgung Dintikon Kosten von etwa 200000 Franken verursachen.

Stimmen genügend Gemeinden zu?

Die IKA kommt zustande, wenn die beteiligten Gemeinden und Organisationen mindestens 70 Prozent des Dotationskapitals beisteuern. Ob das gelingt, wird sich bis Ende Jahr weisen. Die Zurückhaltung der anderen Gemeinden aus dem Bezirk Lenzburg könnte darauf hindeuten, dass es schwierig wird. Interesse am Trinkwasserring haben vor allem die Freiämter- und Reusstaler Gemeinden. «Der grösste Teil der Investitionen zur Erstellung des Ringsystems fällt in den ersten sechs bis sieben Jahren nach der Gründung der IKA an», heisst es in den Gemeindeversammlungsunterlagen. Bis 2035 rechnet man mit Investitionen von 23,6 Millionen Franken. Bis 2050 folgen weitere 6,3 Millionen.

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