Kantonsspital Aarau
Gebärmutter begehen und Chirurgie-Roboter bedienen: Ein Tag bei den Krebsspezialisten

Am Onkologie-Tag konnte sich die Bevölkerung am Samstag ein Bild machen vom Krebszentrum am Kantonsspital Aarau. Von Berührungsängsten war trotz des heiklen Themas Krebs wenig zu spüren.

Ann-Kathrin Amstutz
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Sie ist der Inbegriff der Sicherheit. In ihr wächst, gut behütet, neues Leben heran: die Gebärmutter. Doch manchmal wird sie zur Gefahr: Wenn sich mutierte Zellen unkontrolliert vermehren, wenn in der Gebärmutter statt eines Kindes ein Tumor heranwächst.

Das ist Krebs – entartetes Gewebe beginnt zu wuchern und wendet sich gegen den eigenen Körper. Krebs ist in der Schweiz die zweithäufigste Todesursache und je höher die Lebenserwartung steigt, desto häufiger sind Krebserkrankungen. Doch auch die Technik entwickelt sich rasant: Die neuen Therapien haben weniger Nebenwirkungen, sind effizienter, personalisierter.

Krebsregister und Datenschutz

Als viertgrösstes zertifiziertes Onkologie-Zentrum der Schweiz ist das Kantonsspital Aarau (KSA) ganz vorne dabei. Am Samstag veranstaltete das KSA zum zweiten Mal einen Onko-Tag. An der Begrüssung betonte Gesundheitsdirektorin Franziska Roth die Wichtigkeit eines Krebsregisters, wo alle Daten zu den Krebserkrankungen gesammelt werden. Im Aargau gebe es das seit gut vier Jahren. «Heute ist das Krebsregister in der nationalen Strategie gegen Krebs enthalten», erklärte Roth. Weil es sich dabei um personenbezogene Daten handelt, müssten Rechte und Pflichten der Patienten wie auch der Ärzteschaft klar sein – «deshalb ist es richtig und wichtig, dass 2019 mit dem Krebsregistrierungsgesetz eine nationale Rechtsgrundlage geschaffen wird».

Die Bilder vom Onko-Tag:

Onko-Tag 2017 des Kantonsspitals Aarau (KSA): Die begehbare Gebärmutter stösst auf grosses Interesse. Onko-Tag 2017 des Kantonsspitals Aarau (KSA): Die begehbare Gebärmutter stösst auf grosses Interesse.
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Zwischen den Vorträgen führt die Yoga- und Sportlehrerin Antoinette Berta Bewegungssequenzen durch.
Urologe Pirmin Wolfsgruber erklärt, wie das "Da-Vinci-Operationssystem" funktioniert. Onko-Tag 2017 am Kantonsspital Aarau (KSA): Urologe Pirmin Wolfsgruber erklärt, wie das "Da-Vinci-Operationssystem" funktioniert.
Besucher können sich am "Da-Vinci-Operationssystem" als Chirurgen versuchen. Onko-Tag 2017 am Kantonsspital Aarau (KSA): Besucher können sich am "Da-Vinci-Operationssystem" als Chirurgen versuchen.
Mammografie-Diskussion mit Rainer Grobholz (Chefarzt Institut für Pathologie), Dimitri Sarlos (Chefarzt Gynäkologie und Gynäkologische Onkologie, Leiter Frauenklinik), Daniela Schwegler-Guggemos (Leitende Ärztin Radiologie) und Moderatorin Monika Schärer. (von links) Onko-Tag 2017 am Kantonsspital Aarau (KSA)
Gesundheitsdirektorin Franziska Roth.

Onko-Tag 2017 des Kantonsspitals Aarau (KSA): Die begehbare Gebärmutter stösst auf grosses Interesse. Onko-Tag 2017 des Kantonsspitals Aarau (KSA): Die begehbare Gebärmutter stösst auf grosses Interesse.

Ann-Kathrin Amstutz

Durch die weiteren Vorträge führte die frühere SRF-«Einstein»-Moderatorin Monika Schärer. Sie war vor 10 Jahren selbst an Brustkrebs erkrankt: «Ich habe das ganze Programm an Behandlungen durchgemacht: brusterhaltende Operation, Chemotherapie und Bestrahlung.»

Hoffnung und Enttäuschung

Wer die Diagnose «Krebs» erhält, klammert sich an jeden Strohhalm – und ist oft bereit, eine (noch) nicht anerkannte Therapie auszuprobieren. Eine solche ist die Krebsbekämpfung mit Methadon, das vor allem als Heroinersatz und starkes Schmerzmittel bekannt ist. Peter Moosmann, leitender Arzt Onkologie am KSA, sagte: «Methadon wurde in den Medien als neues Wunderheilmittel in der Krebstherapie angepriesen.» Das habe eine Lawine ausgelöst und grosse Hoffnungen geweckt, doch: «In klinischen Studien ist ein positiver Effekt von Methadon auf Tumore bisher nicht erwiesen.» Deshalb könne er die Therapie nicht empfehlen.

Wenig war am Onko-Tag zu spüren von den Berührungsängsten, die im Umgang mit Krebs oft auftauchen. Auch an den Infoständen im Foyer des Hauses 1 ging es um ganz praktische Probleme: Wie kann ich Hautkrebs vorbeugen? Wie schaffe ich es, mit dem Rauchen aufzuhören? Welche Schminktipps gibt es für Krebsbetroffene? Kurzmeditationen und Bewegungssequenzen animierten zur aktiven Teilnahme – wichtig sind nicht nur schulmedizinische Aspekte, sondern eine ganzheitliche Betreuung der Patienten.

Technik-Interessierte versuchten sich am «Da-Vinci-Operationssystem» selbst als Chirurgen. Der Roboter ermöglicht präzises Operieren, indem er das natürliche Zittern der Hand herausfiltert. Auf einem Full-HD-Bildschirm sieht der Chirurg, was er macht – viel genauer als von Auge. Ein weiteres Highlight war das begehbare Gebärmutter-Modell.

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