Aarau
Frey-Kanal wird geöffnet – und Bäume machen Platz für Fische

Heulende Motorsägen, Kranen, Strassensperrung: Ums Aarauer Kraftwerk Rüchlig laufen verschiedene Bauarbeiten. Die Kraftwerksbetreiberin Axpo Power AG renaturiert etwa den Frey-Kanal. Und das ist nur eine von vielen ökologischen Massnahmen.

Katja Schlegel
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Das Rüchlig-Kraftwerk in Aarau wird gebaggert und geholzt, alles im Namen der ökologischen Aufwertung.
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Beim Rüchlig-Kraftwerk in Aarau wird gebaggert und geholzt, alles im Namen der ökologischen Aufwertung. Rundgang mit dem Projektleiter Christoph Tandler auf der Zurlindeninsel
Das Rüchlig-Kraftwerk in Aarau
Rüchlings-Kraftwerk Aarau: Bäume machen Fischen Platz

Das Rüchlig-Kraftwerk in Aarau wird gebaggert und geholzt, alles im Namen der ökologischen Aufwertung.

Chris Iseli

Auf den zweiten Blick wimmelt es im Frey-Kanal von Fischen. Kaum sehen sie die bedrohlichen Schatten am Ufer, kommt Bewegung in die Tiere. Mit ein paar kräftigen Schwanzschlägen verschwinden sie unter die Wurzeln, die in den Kanal hängen. Die Bäuche blitzen auf, wenn sich das Licht in den Schuppen reflektiert.

9 ökologische Ausgleichsmassnahmen sieht die Axpo Power AG vor

1. Uferstrukturierung Kettenbrücke (ausgeführt)
2. Uferbucht bei der Zurlindeninsel (Aug. bis Okt. 2014)
3. Öffnung Frey-Kanal (Juli 2014 bis April 2015)
4. Wiederbelebung Auenwald im Summergrien (Januar bis April 2015)
5. Uferbucht Zurlindeninsel Höhe Telli (Sept. bis Nov. 2014) plus Amphibienteich auf der Zurlindeninsel Höhe ARA (Sept. bis Nov. 2014)
6. Uferbucht bei Aabachmündung in Küttigen (ausgeführt)
7. Fixierung von Raubäumen im alten Aarelauf (ausgeführt)
8. Naturnahe Gestaltung Kraftwerksumgebung (März bis Mai 2015)
9. Vernetzung Aabachmündung in Küttigen (ausgeführt)

Rund 150 Meter weiter oben, beim Rüchlig-Wehr, steht seit gestern ein riesiger Kran, der Philosophenweg ist im letzten Teilstück zum Rüchlig hin gesperrt. Auf Höhe des Sportplatzes wurden bereits verschiedene Bäume gefällt, der Spazierweg wurde umgeleitet. Was hier passiert: Die Axpo Power AG, die Betreiberin des Kraftwerks Rüchlig, erschliesst den Frey-Kanal direkt mit der Aare und renaturiert ihn.

Wird der Frey-Kanal – einst führte er durch eine Betonrinne Aarewasser zur Schokoladenfabrik Frey in der Telli – heute durch ein unterirdisches Röhrensystem mit Wasser versorgt, soll der Zugang neu offen und für Fische und andere Wasserlebewesen durchgängig gestaltet werden. Dazu werden die nächsten drei Wochen Spundwände in den Boden vibriert, um die Baugrube trocken zu legen. Bis Anfang 2015 sollen die Bauwerke fertig sein, im Frühling das Projekt abgeschlossen.

Künstliche Hochwasser im Kanal

Linda Wehrli und Ueli Rickenbacher von der Axpo begleiten das Projekt umweltseitig. «Der Frey-Kanal ist ein erstaunlich guter Lebensraum für alle möglichen Tiere», sagt Wehrli.

Heute können Fische und andere Lebewesen nur von unten her in den Kanal gelangen, diesen aber nicht nach oben durchwandern. Mit der offenen Verbindung entsteht zusätzlicher Lebensraum und die Durchlässigkeit der Aare wird verbessert.

«Wir bauen ausserdem ein Dosiersystem ein, mit welchem die Wasserzufuhr konstant gehalten werden kann», sagt Rickenbacher. Dadurch sei es möglich, künstliche Hochwasser im Kanal zu erzeugen, um die Bachlandschaft dynamisch zu gestalten. «So können wir Schlammablagerungen wegspülen oder totes Holz verschieben.»

Die Öffnung des Frey-Kanals ist nicht die einzige ökologische Aufwertungs- und Ausgleichsmassnahme, die die Axpo vornimmt: Letzte Woche wurden auf der Zurlindeninsel zahlreiche Bäume gefällt, um Platz für eine 50 Meter lange Uferbucht zu schaffen. Solche flachen Gewässer dienen Jungfischen als Kinderstube.

«Im vergangenen Jahrhundert wurde die Aare so begradigt, dass das Wasser entlang der Ufer keine Struktur schaffen konnte. Deshalb müssen wir jetzt von Hand eingreifen und diesen Lebensraum schaffen», sagt Rickenbacher.

Bäumefällen zur ökologischen Aufwertung? «Das ist die Gratwanderung, die wir mit solchen Projekten machen», sagt Christoph Tandler, Gesamtprojektleiter Kraftwerk Rüchlig: «Wir müssen Bäume fällen, um Platz für neuen Lebensraum zu schaffen. Das ist unumgänglich.» Die Telefonleitungen laufen laut Tandler aber jeweils heiss, sobald irgendwo die Motorsägen heulen. Er könne aber versprechen, dass die Bäume, die für die Arbeitsfläche gerodet werden, wieder aufgeforstet oder an einem anderen Standort ersetzt werden.

Erstmals mit Fischabstieg

Diese ökologischen Aufwertungsarbeiten sind an die Neukonzessionierung gekoppelt, die die Axpo vom Kanton erhalten hat, und sollen die Auswirkungen des Kraftwerks auf die Umwelt kompensieren. Die Aufwertungsmassnahmen hat die Axpo gemeinsam mit Umweltverbänden und dem Kanton erarbeitet, 2011 lagen sie öffentlich auf.

«Beim Neubau des Kraftwerks Rüchlig handelt es sich vergleichsweise um eher wenige bauliche Massnahmen», sagt Wehrli. Dies deshalb, weil beim Dotierkraftwerk und beim Kraftwerk je ein Fischaufstieg und beim Dotierkraftwerk erstmals auch ein Fischabstieg gebaut und damit für die Natur ein grosser Nutzen geschaffen wurde.

«Es ist nicht einfach, diesen Nutzen in Zahlen zu fassen», sagt Tandler. Für die baulichen Massnahmen aber nimmt die Axpo mehrere Millionen in die Hand.

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