Erlinsbach
Altersheim-Sanierung: «Ein Verein ist nicht mehr zeitgemäss»

In Erlinsbach soll die Trägerschaft des Altersheims von einem Verein in eine Stiftung umgewandelt werden. Danach beginnt die «Mühlefeld»-Sanierung, die Grössenordnung 12 Millionen Franken kosten wird.

Urs Helbling
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Das Alterszentrum Mühlefeld in Erlinsbach SO bekommt eine neue Trägerschaft und wird saniert: Madeleine Neumann (Gemeindepräsidentin Erlinsbach SO), Regina Wildi (Präsidentin Trägerverein), Monika Schenker (Gemeindeammann Erlinsbach AG, v. l.)

Das Alterszentrum Mühlefeld in Erlinsbach SO bekommt eine neue Trägerschaft und wird saniert: Madeleine Neumann (Gemeindepräsidentin Erlinsbach SO), Regina Wildi (Präsidentin Trägerverein), Monika Schenker (Gemeindeammann Erlinsbach AG, v. l.)

Urs Helbling / Aargauer Zeitung

Das Alterszentrum Mühlefeld in Erlinsbach SO hat ein doppeltes Lifting nötig: Einerseits muss die Rechtsform der Trägerschaft neu organisiert, andererseits das Gebäude total saniert und aufgestockt werden. Die Bauarbeiten werden Grössenordnung 12 Millionen Franken kosten. Die Projektierung läuft, der Baustart ist für den kommenden Sommer vorgesehen.

Bereits das Stadium der Entscheidungen erreicht hat die Frage der Rechtsform der Trägerschaft: Das Alterszentrum soll künftig nicht mehr von einem Verein, sondern von einer Stiftung geführt werden. Als Erstes müssen die rund 400 Mitglieder im Oktober der Auflösung des Vereins zustimmen. Die Unter-lagen für die Vereinsversammlung sind letzte Woche verschickt worden. Als Zweites braucht es die Zustimmung der beiden Gemeindeversammlungen Erlinsbach AG (19. November) und Erlinsbach SO (22. November). Sie sollen das Land und die bestehenden Gebäulichkeiten in die Stiftung einbringen.

Alterszentrum ist schon 30 Jahre alt

Das Alterszentrum Mühlefeld ist vor 30 Jahren eröffnet worden. Die damals noch drei Erlinsbacher Gemeinden haben das Grundstück zur Verfügung gestellt und die Baukosten übernommen. Für den Betrieb war seither die Verein Alterszentrum Mühlefeld zuständig, der von Regina Wildi präsidiert wird. Ursprünglich hatte das Zentrum 46 Betten, heute sind es 56 – faktisch in den gleichen Räumlichkeiten.

«Der Betrieb läuft gut. Wir haben trotz den Corona-Effekten ein volles Haus», erklärt Regina Wildi. Das Personal freue sich auf die räumliche Erweiterung, mit der auch die Arbeitsprozesse optimiert werden:

«Man spürt Aufwind.»
Madeleine Neumann, Gemeindepräsidentin von Erlinsbach SO.

Madeleine Neumann, Gemeindepräsidentin von Erlinsbach SO.

Patrick Luethy

Die Zahl der Betten soll nach dem Ausbau praktisch gleich sein (neu 60 Betten). Aber die Infrastruktur soll auf ein zeitgemässes Niveau gebracht werden. «Es ist eine Sanierung mit einer Aufstockung, kein Bettenausbau», betont Madeleine Neumann, Gemeindepräsidentin von Erlinsbach SO.

«Rechtsform mit dem Verein ist nicht mehr zeitgemäss»

Was die Trägerschaft anbetrifft, sagt Gemeindepräsidentin Monika Schenker aus Erlinsbach AG: «Die Rechtsform mit dem Verein ist nicht mehr zeitgemäss.» Präsidentin Wildi ergänzt, die jetzige Organisation sei «für das Sanierungsprojekt viel zu kompliziert».

Monika Schenker, Gemeindepräsidentin von Erlinsbach AG.

Monika Schenker, Gemeindepräsidentin von Erlinsbach AG.

Sandra Ardizzone / AAR

Alle Beteiligten betonen: «Für die Bewohner und die Mitarbeiter ändert sich mit der neuen Trägerschaft nichts.» Die Stiftung wird einen festgeschriebenen Zweck haben, ist also ein relativ starres Gebilde. Dem Stiftungsrat werden die bisherigen sieben Vorstandsmitglieder des Vereins angehören (je zwei Vertreter der beiden Erlinsbach, davon mindestens je ein Gemeinderat). Durch die Übertragung der Liegenschaft inklusive Grundstücke wird die Stiftung in der Lage sein, die Mittel für das Erweiterungs- und Sanierungsprojekt auf dem Kapitalmarkt aufzunehmen.

Weiteres Geld von den Gemeinden wird nicht nötig sein. Im letzten November haben ihre Gemeindeversammlungen den finanziellen Anteil für die Projektierung genehmigt. Gibt es eine Stiftung, wird diese in Zukunft für das Gebäude inklusive Grundstücke zuständig sein und die Gemeindeversammlungen werden nie mehr Geschäfte, die das Alterszentrum betreffen, zu behandeln haben.

Verein hat ein Vermögen von gegen 6 Millionen Franken

Die finanzielle Ausgangslage für die Stiftung wird gut sein. Ihr werden nicht nur das Land und die bestehenden Bauten übertragen, sondern sie bekommt auch das Vereinsvermögen, gegen 6 Millionen Franken. Der Verein hat aktuell ein Eigenkapital von 1 Million Franken und Rückstellungen im Baufonds von 4,7 Millionen Franken. Dieser ist so hoch, weil gemäss solothurnischem Recht für jeden Heimtag eine Investitionskostenpauschale erhoben werden muss.

Was passiert, wenn sich der Verein nicht auflöst? «Dann erübrigen sich die Gemeindeversammlungsentscheide», erklärt Regina Wildi. Und die Finanzierung des Sanierungsprojektes wird massiv komplizierter.

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