Aarau
Drei Chefs in 32 Jahren: Helen Baldenweg managt das Aarauer Stadtpräsidium

Seit 32 Jahren ist Helen Baldenweg die rechte Hand der Aarauer Stadtpräsidenten. In all den Jahren hat sie noch nie verschlafen. Sie berichtet über brenzlige Situationen mit wütenden Bürgern und die unerlässliche Diskretion in ihrem Job.

Hermann Rauber
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Helen Baldenweg bleibt ihrer Stelle als Vertrauensperson auch bei der neuen Stadtpräsidentin treu. Emanuel Freudiger

Helen Baldenweg bleibt ihrer Stelle als Vertrauensperson auch bei der neuen Stadtpräsidentin treu. Emanuel Freudiger

Als Helen Baldenweg zu Beginn der Adventszeit 1982 das Vorzimmer des damaligen Stadtammanns Markus Meyer bezog, war Aarau noch eine verschlafene Kleinstadt. Die 28-jährige Kauffrau bewarb sich nach Lehr- und Wanderjahren für diese Sekretariatsstelle, weil sie «eine neue Perspektive suchte». Dass daraus ein über 30-jähriges Engagement würde, hätte sich Helen Baldenweg nicht träumen lassen. Nicht ganz unschuldig an diesem beruflichen «Marathon» war ihr zweiter «Chef», Stadtammann Marcel Guignard, mit dem sie ganze 26 Jahre ausgezeichnet zusammenarbeitete.

Weniger Stress trotz mehr Pflichten

An ihrem Arbeitsplatz im zweiten Stock des Unteren Rathauses sah sie bei ihrem Stellenantritt auf die Rathausgasse, die damals noch stark befahren war, heute aber verkehrsberuhigt ist. Das Pflichtenheft als «rechte Hand des Stadtammanns» war 1982 umfangreicher als heute, es umfasste neben dem Kerngeschäft auch noch die Verwaltung der Ratsbibliothek, Schreibarbeiten für das Divisions-Gericht 5 oder die Organisation von Sühneverhandlungen, die längst abgeschafft worden sind.

Trotzdem waren die ersten Jahre als Sekretärin des Stadtammanns noch bedeutend beschaulicher als heute.

Geblieben sind die Verarbeitung der täglichen Post, das Führen der präsidialen Agenda, die Bereitstellung von Unterlagen, die Vorbereitungen von Sitzungen, administrative Schreibarbeiten, die Entgegennahme von Telefonanrufen und der Empfang von Besucherinnen und Besuchern. Denn wer im Rathaus das Stadtoberhaupt verlangt, kommt praktisch nicht um Helen Baldenweg als erste Anlaufstelle herum.

Ab und zu stürmten auch empörte Bürgerinnen oder Bürger unangemeldet ins Vorzimmer und luden ihren Ärger oder ihre Sorgen vorerst bei der Sekretärin ab. «Attackiert worden bin ich persönlich nie, doch es gab hin und wieder brenzlige Situationen», hält Baldenweg in der Rückschau fest. Sie konnte sich dabei auf ihr diplomatisches Geschick und auf die wachsende Erfahrung mit den «Pappenheimern» verlassen. Und auf die Binsenwahrheit, dass «Hunde, die bellen, nicht beissen».

Diskretion ist unerlässlich

Diskretion und Verschwiegenheit gehören zu den Anforderungen an eine solche Vertrauensperson. Das gilt noch heute für die oftmals heikle Vorbereitung der Gästeliste am Maienzug, «eine Aufgabe, die mich seit mehr als drei Jahrzehnten begleitet». Auch hier ist nicht selten die vermittelnde Art von Helen Baldenweg gefragt. Gepaart mit einem gesunden Humor, der in den immer hektischer werdenden Zeiten für Entspannung sorgt.

Das gilt auch für die Freizeit, in der Helen Baldenweg ihren kulturellen und sportlichen Neigungen nachgeht. Sie singt gerne in einem Chor und engagierte sich auch schon als Walking-Leiterin bei der Stiftung «Aarau eusi gsund Stadt». Erholsame Stunden erlebt die «Managerin» des Stadtpräsidiums im Garten ihres Eigenheims, wobei ihr besonderes Augenmerk ihren Rosen gilt. Als junge Frau war sie in der Tourismusbranche im In- und Ausland tätig, deshalb zählt auch das Reisen heute noch zu den Hobbys.

In 32 Jahren noch nie verschlafen

«Mein Arbeitsbeginn im Rathaus ist werktags Punkt 7 Uhr am Morgen», erklärt Baldenweg und fügt hinzu, dass sie sich in den mehr als 32 Jahren «noch nie verschlafen hat». Sie ist eingefleischte Schönenwerderin und Ersatzmitglied im dortigen Bürgerrat. Diese Herkunft verbindet sie auf besondere Art mit der neuen Stadtpräsidentin, denn auch Jolanda Urech hat ihre Wurzeln im Bally-Dorf.

Beide sind in der Entbindungsstation der legendären Hebamme Moll auf die Welt gekommen und haben zur gleichen Zeit die Primarschule in Schönenwerd besucht. «Nicht zuletzt deshalb bin ich zuversichtlich, dass wir ein gutes Gespann werden», betont Urech, die im weiteren «die offene, konstruktive und fröhliche Art» ihrer neuen Assistentin schätzt.