Küttigen
Die Schönheit der Natur treibt sie an – jetzt stellt Sabina Schwaar im Spittel aus

Der Kulturkreis Küttigen Rombach zeigt Werke der Küttiger Künstlerin. Für die Betrachter der Exponate lohnt es sich, genau hinzuschauen.

Nadja Rohner
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Sabina Schwaar diese Woche beim Einrichten.

Sabina Schwaar diese Woche beim Einrichten.

Nadja Rohner

Eben erst ist der Küttiger Spittel nach umfangreichen Renovationsarbeiten – sie kosteten fast eine Viertelmillion Franken – fertig geworden, da steht schon die zweite Ausstellung an: Der Kulturkreis Küttigen Rombach zeigt ab heute, 8. 11., bis 24. 11. Werke von Sabina Schwaar.

Der frisch aufgehübschte Spittel bereitete der Künstlerin beim Einrichten der Ausstellung allerdings nicht nur Freude: «Es ist eine Herausforderung, den Spittel spannend zu bespielen, weil er sehr unterschiedliche Wände hat, die teilweise auch noch unter Denkmalschutz stehen – da darf man nicht nageln», sagt Schwaar und lacht. Fast 500 Jahre alt ist das historisch wertvolle Gebäude.

Bei Sabina Schwaar beginnt das Kunstschaffen bereits bei der Herstellung der Werkmaterialien, beim Tüfteln und Pröbeln. Die Farben kauft sie nicht in der Tube, sondern mischt sie selber, aus Pigment, manchmal aus Erden. Rohstoffe findet sie in der Natur.

11 Bilder

zVg

Schwaar sammelt Pflanzen, kocht sie in Laugen, reduziert sie auf die Zellulose, schöpft Papier daraus. Sie verklopft Bananenblätter mit dem Fleischhammer, bis sich die Fasern ineinander verschlingen – wie beim Filzen – und grosse Gewebestücke entstehen, die sie dann wiederum mit anderen Materialien verbindet.

Die Natur erleben, sie neu zusammensetzen, ihre Schönheit zeigen – das treibt die Künstlerin an. In Schwaars Bildern finden sich beim näheren Hinsehen Hortensien (gekocht, gebleicht und wieder gefärbt), Ginkgo, Japanpapier, Physalis, Papier aus Spargelschalen – kein Witz. Ab und zu blitzt ein Stück Landkarte oder Zeitung hervor, eine Ecke mit Siebdruck. Genau hinschauen lohnt sich für den Betrachter.

Herstellung von Papierarbeiten: Sabina Schwaar gibt Einblick in ihre Arbeit im alten Atelier:

Schon im früheren Beruf brauchte sie Geduld

Sabina Schwaar (52) ist in Muntelier am Murtensee aufgewachsen («Das älteste Dorf Europas!»), wohnt aber seit über 20 Jahren in Küttigen. Ihr Atelier befindet sich in der Alten Bürsti in Oberentfelden. Ab und zu arbeitet sie als Aufsicht im Aargauer Kunsthaus, ansonsten widmet sie sich mit voller Leidenschaft ihren eigenen Werken.

Ursprünglich war die Künstlerin Kinderkrankenschwester. «Meine Geduld und meine Handfertigkeit für ganz kleine Sachen halfen mir damals wie heute», sagt sie. Ihre Kunst braucht Zeit. Viel Zeit. «Die Herstellung des Materials ist extrem aufwendig», sagt sie. «Wenn ich es an einem Tag schaffe, zwanzig Efeublätter auszuwaschen, bin ich gut. Wer hätte gedacht, wie fein das Gerippe eines Efeublattes ist?»

Einige Werke – filigrane Stahlkonstruktionen mit papiernen Segeln – hat sie zusammen mit der Künstlerin Andrea Stahl geschaffen. Die Frauen arbeiten in der Alten Bürsti Tür an Tür. Apropos Alte Bürsti – Schwaar verarbeitet auch alte Bürstenköpfe der Walther-Bürstenfabrik zu Kunst, bestückt sie etwa mit Bändeli aus der Küttiger Bandfabrik Kuny.

Ihr aktuelles Portfolio steht unter dem Motto «Farbe, Fasern und Faden». «Faden ist das Neuste in meinem Leben», sagt sie. Erst im Sommer hat sie angefangen, mit der Nähmaschine auf Papier und Fasern zu nähen. Inspiriert durch – Broccoli.

«Beim Spaziergang mit meinem Hund bin ich einem abgeernteten Broccolifeld begegnet. Wie die Strunke da in der Erde standen und aussahen wie ein Teleskop, das hat mich inspiriert.» Die verholzten Strunke sind, ausgekocht, mittlerweile auch zu Kunstobjekten geworden.

Vernissage

Freitag, 8. 11., 19 Uhr, Spittel Küttigen. Laudatio: Kulturjournalistin Madeleine Schüpfer; Musik: Elian Zeitel. Details: www.kkkr.ch

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