Aarau
Der Tierpfleger des Tierparks Roggenhausen musste gehen

Der Tierpfleger Hans Döbeli war 24 Jahre lang das Gesicht des Roggenhausens. Auf Anfang Monat wurde er freigestellt. Aus unbegreiflichen Gründen, wie Döbeli meint. Stadtoberförster Christoph Fischer spricht von «grösseren und kleineren Vorkommnissen»

Sabine Kuster
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Tierpfleger Hans Döbeli muss eine neue Stelle suchen. kus

Tierpfleger Hans Döbeli muss eine neue Stelle suchen. kus

Hans Döbeli war 24 Jahre lang Tierpfleger im Tierpark Roggenhausen. Er wurde eingestellt, als der Roggenhausenwirt die Tierhaltung 1987 abgab. Zuerst sorgte er nur mit einer Aushilfe für die Hirsche, Wildschweine, Ponys und anderen Tiere. Der Tierpark entwickelte sich: Schneehasen kamen hinzu, Marder, Murmeltiere, Mufflons und neue Gehege. Nun war neben Döbeli ein weiterer Mitarbeiter im 100-Prozent-Pensum angestellt, eine Mitarbeiterin zu 30 Prozent, zudem drei Aushilfen.

Seit dem 1. Dezember gehört Hans Döbeli nicht mehr dazu, er wurde freigestellt. «Ich begreife es nicht», sagt er, «die Begründung lautete ‹Umstrukturierung›.»

Differenzen mit Christoph Fischer

Das Roggenhausen gehört zwar dem Verein Wildpark Roggenhausen, die Mitarbeiter sind jedoch der Ortsbürgergemeinde der Stadt Aarau unterstellt, welche die Löhne bezahlt. Vereinspräsident Silvio Bircher will den Entscheid denn auch nicht kommentieren. Leiter des Tierparks seitens der Ortsbürgergemeinde ist Stadtoberförster Christoph Fischer.

Er hat den Entlassungsentscheid gefällt. «Wir haben nicht mehr dieselbe Sprache geredet», sagt Fischer. Döbeli sei ein Einzelkämpfer und es liege ihm nicht, Leute zu führen. Ein guter Leiter sei mit der heutigen Vielfalt des Tierparks aber nötig, auch für die Administration.

Geschirrspüler und Teerstrasse

Dies war laut Fischer jedoch nicht der Hauptgrund für die Kündigung. «Es gab über Jahre hinweg grössere und kleinere Vorkommnisse, die zum Entscheid geführt haben.» Einige davon seien «massiv» und «ziemlich krass» gewesen. Nach mehreren Verweisen sei «das Fass nun überlaufen».

Auf die Verweise angesprochen, sagt Hans Döbeli: «Beim ersten Verweis 2003 ging es um die Teerung der Zufahrtsstrasse zum Wildpark. Christoph Fischer war dafür, ich dagegen. Beim zweiten Verweis 2006 ging es um die Beschaffung eines Geschirrspülers für die Reinigung der Futtergeschirre. Meinungsverschiedenheiten gibt es einfach, das ist doch noch kein Grund für eine Kündigung.» Er habe stets umgesetzt, was Fischer verlangt habe. Dass er kein «Bürohengst» sei, sei klar, aber er habe nie die Übersicht verloren.

Sehr kompetent in der Tierpflege

Bezüglich der Tiermeldungen bestätigt dies Kantonstierärztin Erika Wunderlin. «Die Zusammenarbeit war sehr gut und kompetent», sagt sie. Dass die Verfehlungen nicht die Tiere betrafen, bestätigt auch Fischer: «Hans Döbeli versteht viel von Tieren.»

Im Umfeld des Tierparks zweifeln einige daran, dass Döbelis Verfehlungen wirklich gravierend waren und nicht bloss auf zwischenmenschlichen Differenzen beruhten. Ein ehemaliges Vereinsmitglied sagt, es habe schon früher Spannungen gegeben wegen unterschiedlicher Auffassungen von Verwaltung, das sei nichts Neues. Christoph Fischer will aus Gründen des Datenschutzes nicht konkreter werden, er sagt bloss: «Der Stadtammann, der Stadtschreiber und ich fanden die Gründe sehr wohl gravierend genug.»

Tierpfleger Döbeli wusste seit einigen Monaten, dass für ihn im Roggenhausen kein Platz mehr ist. Zweimal musste er in dieser Zeit notfallmässig wegen zu schwachen Blutdrucks ins Spital gefahren werden. «Man fand nichts», sagt Döbeli. Er habe lange schlecht geschlafen. Der 52-Jährige wollte dennoch nicht von sich aus kündigen.

Die geplante Umstrukturierung ist offenbar vor allem eine neue Aufgabenverteilung. Laut Christoph Fischer wird der zweite Mitarbeiter im 100-Prozent-Pensum, Ruedi Lindenmann, weiter für die Bauten zuständig sein, aber neu statt für die Haus- und Kleintiere für die Wildtiere sorgen. Dies war zuvor Döbelis Aufgabe. Lindenmann sorgt in Seengen für ein Gehege mit Hirschen, ist aber nicht ausgebildeter Tierpfleger. Er ist seit vier Jahren im Roggenhausen. Der neue Tierpfleger, der nun gesucht wird, soll sich um die Administration und die Haus- und Kleintiere kümmern.

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