Unterentfelden
Der Pfarrer lässt die OL-Läufer die beste Route suchen

Christian Bieri ist am Aargauer Dreitage-OL vom 10. bis 12. August Bahnleger für die Wettkämpfe des zweiten Tags. Rund 700 Teilnehmer und Teilnehmerinnen werden erwartet.

Jörg Greb
Drucken
Teilen
Der Unterentfelder Pfarrer Christian Bieri ist Mitglied der OLG Suhr.

Der Unterentfelder Pfarrer Christian Bieri ist Mitglied der OLG Suhr.

Jörg Greb

Ob er sich hier am Waldrand mit seinem Gegenüber über die nächste Predigt unterhalte, fragen etliche Spaziergänger am Montagnachmittag. «Nein», antwortet der Unterentfelder Dorfpfarrer Christian Bieri (41). Es ist sein freier Tag, und nicht zuletzt seine Kleidung deutet auf einen andern Wirkungskreis hin: OL-Schuhe und der Dress der OLG Suhr.

Ohne Mission aber ist Pfarrer Bieri nicht im Wald unterwegs. Er befasst sich mit seiner Aufgabe am Aargauer Dreitage-OL. Bieri ist Bahnleger am zweiten Tag dieses bedeutenden Breitensportanlasses Mitte August mit rund 700 Teilnehmerinnen und Teilnehmern. Einen Grossteil seiner Arbeit hat Bieri bereits erledigt. Stunden, ja Tage hat er sich in den letzten Monaten am Computer und vor Ort im Wald mit dem Event und seiner Aufgabe befasst. «Es geht darum, den Orientierungsläufern mit ihrem völlig unterschiedlichen Hintergrund das Passende bereitzustellen», sagt Bieri. Er denkt an die Eliteläufer, die Zehnjährigen, die Senioren der Kategorien H80, D75 oder die Einsteiger und Familien.

75 Standorte für Kontrollposten

45 Kategorien wird es geben. Nicht für jede einzelne kreiert Bieri eine Abfolge von Kontrollposten. «Einige Kategorien laufen auf denselben Bahnen», sagt er. Um 19 verschiedene Bahnlegungen handelt es sich dennoch. Die längste und anspruchsvollste der Kategorie HAL umfasst voraussichtlich 9,2 km mit 250 Höhenmetern und 16 Kontrollposten, die kürzeste und einfachste 1,4 km, mit 15 Höhenmetern und 7 Posten. Der Anspruch hier: «Diese Bahn soll familiengerecht sein und mit dem Kinderwagen bewältigt werden können.» Insgesamt hat Bieri im Waldstück Dägermoos (zwischen Gretzenbach und Unterentfelden) nicht weniger als 75 Postenstandorte festgelegt. Mit roten Holzpflöcken sind sie vormarkiert.

Mit dieser Aufgabe hat Christian Bieri Neuland betreten. «Einen OL von dieser Grösse und dieser Bedeutung plante ich noch nie», sagt er. Trainingsläufe im Klub spielten auf einer einfacheren Ebene. Der Reiz ist für Bieri gross. Seine OL-Begeisterung trägt ihn. Eine Begeisterung, die er einst im Schulsport entdeckte. Allerdings ging diese später wieder verloren. Während des Theologiestudiums konzentrierte er sich ausschliesslich aufs Laufen. In der Ostschweiz, wo er anschliessend die ersten acht Jahre arbeitete, fand er über den Rheintaler-OL-Cup zurück zum OL – und wurde, wie er sagt, «immer ein wenig besser und ambitionierter».

Und nun also die Herausforderung als Bahnleger. Ein «Bahnkonzept» bildete den Auftakt: Start-/Zielbereich festlegen, die Laufgebiete definieren, die wichtigsten Routenwahlen, die Verpflegungsstellen. Und dann die Absprache mit den Behörden, dem Forstamt, den Jägern. Das geschah schon letzten Sommer und Herbst. Zusätzliche Arbeit, ein Umplanen und Überdenken erforderte der Sturm Burglind Anfang Jahr mit seinen Folgen und Veränderungen im Wald.

Frühe Knacknüsse

Bieri versuchte, Grundsätze und persönliche Ideen umzusetzen. Zahlreiche unterschiedliche Posten unmittelbar nach dem Start sollen schnell für erste Knacknüsse sorgen. Die Läufer erwartet ein abrupter Wechsel mit einer langen Distanz zum Folgeposten, verbunden mit diversen Routenmöglichkeiten und dem zwingend nötigen Entscheid für eine Variante. Die Bahnlegung erlebte Bieri als kreative, spannende Aufgabe. Und wichtig ist für ihn das Feedback von Kontrolleur Dieter Eichenberger, einem erfahrenen OL-Fachmann.

Einen Grossteil der Arbeit im Hinblick auf den Aargauer Dreitage-OL hat Christian Bieri mittlerweile getätigt. Abgeschlossen sein wird sie indessen bis zum Renntag, dem 11. August, nicht. Der Pfarrer wird auch fortan am Waldrand und im Wald anzutreffen sein – damit die Teilnehmer auf ihre Rechnung kommen und «nach dem Rennen mit strahlenden Augen aus dem Wald kommen und von ihren vielseitigen Erlebnissen erzählen können».

Aktuelle Nachrichten