Buchs
Sie lernt Griechisch, ist Sterbebegleiterin und ärgert sich über Littering: Christine Knüsel wird höchste Buchserin

Konkurrenzlos kandidiert Christine Knüsel-Bachofer («Die Mitte») am Dienstag für das Präsidium des Buchser Gemeindeparlaments. Sie freut sich ganz besonders auf das Dorffest im kommenden Sommer.

Nadja Rohner
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Für die nächsten zwei Jahre wird Christine Knüsel Präsidentin des Einwohnerrats sein. Gegenkandidaturen gibt es keine. Die AZ hat die bald höchste Buchserin bei ihr zu Hause an der Brummelstrasse besucht.

Für die nächsten zwei Jahre wird Christine Knüsel Präsidentin des Einwohnerrats sein. Gegenkandidaturen gibt es keine. Die AZ hat die bald höchste Buchserin bei ihr zu Hause an der Brummelstrasse besucht.

Sandra Ardizzone

Zwar hat Buchs keine einzige Frau im Gemeinderat, aber immerhin zwei Jahre lang eine Frau an der Spitze des Parlaments: Am Dienstag kandidiert Christine Knüsel-Bachofer (50) für das Amt der Einwohnerratspräsidentin. Die bisherige Vizepräsidentin gehört der «Mitte» an. Als grosse Wortführerin ist sie im Rat nicht aufgefallen. «Meine Energie setze ich seit vier Jahren vor allem in der Finanz- und Geschäftsprüfungskommission ein; in der Fraktion und in der Ortsgruppe ziehe ich im Hintergrund die organisatorischen Fäden», sagt sie.

Knüsel sagt von sich selber, sie sei «ein richtiges Zukunftsraum-Kind». Aufgewachsen in Unterentfelden als Jüngste von sieben Mädchen, wohnte sie stets in verschiedenen Gemeinden der Region. Ihren Mann, der in Küttigen auf einem Landwirtschaftsbetrieb aufgewachsen ist, hat sie bei einer Weiterbildung kennen gelernt. Vor 25 Jahren zog das Paar nach Buchs, weil sie das Einfamilienhaus an der Brummelstrasse «gleich angesprungen hat». Knüsels haben drei teils schon erwachsene Kinder. Die älteste, Alice, ist in der neuen Legislatur auf dem ersten Ersatzplatz der «Mitte» für den Einwohnerrat.

Früher Bankerin, heute Energietherapeutin

Nach dem KV bei der Kantonalbank machte Christine Knüsel den Finanzplaner-Fachausweis. Bis 2010 arbeitete sie wie ihr Mann im Bankensektor; als die Kinder kamen nur noch in einem kleinen Pensum. «Damals gab es noch wenig ausserschulische Betreuungsangebote», erinnert sie sich. Als 2010 ihre Mutter schwer krank wurde und so eine weitere Betreuungsperson der Kinder wegfiel, konzentrierte sich Knüsel auf die Pflege und letztlich die Sterbebegleitung für ihre Eltern. Dafür gab sie sowohl ihren Job als auch ihr Amt als Kirchenpflegerin auf.

Christine Knüsel wurde im Dezember 50 Jahre alt.

Christine Knüsel wurde im Dezember 50 Jahre alt.

Sandra Ardizzone

In dieser Phase erwachte ihre spirituelle Seite. Ihren aktuellen Job bezeichnet Knüsel als «Energietherapeutin», und das ist nichts, das sich mit wenigen Worten gut erklären liesse. «Es geht um geistige Heilung, um die Linderung seelischer und sozialer Schmerzen, und das ist eine Teamarbeit», sagt sie. Die coronabedingt in den Dornröschenschlaf gefallene Praxis in Küttigen will sie bald wieder aufleben lassen.

Sie unterstützt ausserdem einen Bekannten bei dessen neugegründetem Online-Versandhandel für insektenbasiertes Tierfutter und hat kürzlich die anspruchsvolle Ausbildung «Spiritual und Palliative Care» der Landeskirchen absolviert, was «kein Sonntagsspaziergang war». Seither kümmert sie sich auch als Sterbebegleiterin um Menschen in ihrem allerletzten Lebensabschnitt, etwa im Alterszentrum Suhrhard oder im Lindenfeld. Wenn Knüsel davon erzählt, merkt man, wie sehr ihr die Arbeit am Herzen liegt. «Ich bin wirklich mit Herzblut dabei, auch wenn es nicht immer einfach ist», sagt sie. Und: «Die Ruhe, die ich dort in mir habe, wünschte ich mir manchmal auch in anderen Lebenssituationen.»

Ausgleich findet Knüsel beim Spazieren mit der Hündin, das gehört zu ihrer Selbstfürsorge, gleich wie ein gelegentliches Glas Wein. Seit vier Jahren lernt sie Griechisch. «Wir haben in den Ferien auf Kreta eine sehr liebe alte Frau kennen gelernt, mit der wir uns gerne besser verständigt hätten. Also beschloss ich, für die nächsten Ferien Griechisch zu lernen.» Zwar habe ihr das einige graue Haare beschert, erzählt sie lachend. Aber mittlerweile kann sie einfache Konversation halten. «Unser Traum ist, nach der Pensionierung einen Teil des Jahres in Griechenland zu leben.»

Sie wollte das Dorf aktiv mitgestalten

2013 kandidierte Christine Knüsel erstmals für den Einwohnerrat, nachdem sie dafür angefragt wurde. «Ich fand die Vorstellung gut, nicht nur Steuern zu zahlen, sondern in einer Familienpartei das Dorf aktiv mitgestalten zu können.» Sie ist nicht in einem besonders politischen Haushalt gross geworden, aber: «Mein Vater, im Zweiten Weltkrieg im Fricktal an der Grenze aufgewachsen, war immer sehr am Weltgeschehen interessiert. Ich weiss noch, wie wir in der Stadtbibliothek immer stossweise Geschichtsbücher geholt haben.» Als Fricktaler sei dem Vater auch die CVP nahe gewesen. «Und meine Mutter wuchs in Baden mit dem späteren CVP-Nationalrat Anton Keller auf. Darauf war sie immer stolz.»

Ende 2014 rutschte Knüsel für Andre Rotzetter in den Einwohnerrat nach. Und jetzt, sieben Jahre später, wird sie das Gremium präsidieren.

Littering stört sie besonders

In ihren zwei Amtsjahren will sie das Miteinander im Rat fördern. «Wir wollen ja alle dasselbe: Eine attraktive Gemeinde mit guter Infrastruktur, in der man sich wohl und zu Hause fühlt.»

Obschon sie findet, Buchs sei ein toller Ort zum Leben, gibt es noch ein paar Punkte, die aus Knüsels Sicht Verbesserungspotenzial haben. Wichtig ist ihr, dass die Neugestaltung des Bärenranks dieses Mal zu einem befriedigenden Abschluss kommt. Dass das Projekt «Betreutes Wohnen plus» planmässig realisiert und dass die Schulanlage Gysimatte auf den neuesten Stand gebracht wird. Und als Mitglied des Kreisschul-Kontrollgremiums plädiert sie dafür, «nicht immer die Lupe auf Kleinigkeiten zu richten, die noch nicht funktionieren», sondern die neue Schule arbeiten und sich weiterentwickeln zu lassen.

Richtig energisch wird die künftige Einwohnerratspräsidentin, wenn sie darüber spricht, wie Littering und Sachbeschädigungen auch in Buchs zugenommen haben. «Man hat den Respekt verloren vor dem Eigentum anderer. Beim Spazierengehen sehe ich manchmal Sachen, da stehen mir die Haare zu Berge. Was ich aber sagen muss: Der Werkhof macht einen sehr guten Job, das schätze ich.»

Zu einem guten Miteinander gehören Begegnungen. Durch das Lädelisterben, welches sich in der Gemeinde nicht erst seit Corona bemerkbar macht, und ein verändertes Einkaufsverhalten sind, so findet Knüsel, spontane Alltagskontakte in der Buchser Bevölkerung etwas verloren gegangen. Früher war ein Schwatz auf der Strasse nach «dem Posten» gang und gäbe. Deshalb erhofft sie sich, dass unter anderem durch das anstehende Jugendfest wieder mehr Schwung in das Dorfleben zurückkehrt.

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