Buchs
Älter, aber noch besser: Die Riverstreet Jazzband hat seit den 1970er-Jahren nicht mehr geprobt

Die legendäre Band aus dem Raum Aarau spielt am Sonntag vor dem Buchser Gemeindesaal. Es ist ihr wohl einziges öffentliches Konzert, das man dieses Jahr noch erleben kann – und es ist ein verspätetes Jubiläum.

Nadja Rohner
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Riverstrett Jazz Band spielt im August 2021 in Buchs.

Riverstrett Jazz Band spielt im August 2021 in Buchs.

Zvg / Aargauer Zeitung

Am Sonntag gibt es in Buchs eine grosse Portion Nostalgie zu erleben: Die legendäre «Riverstreet Jazzband» spielt auf Einladung von «Buchs Kultur» ein Jazzmatinee. Es ist ein ganz besonderer Anlass: Denn 2020, im Coronajahr, hat die Band ihr 60-Jahr-Jubiläum gefeiert. Oder besser: hätte. «Die Coronapandemie hat die Instrumente der Band zum Schweigen gebracht und ein umfangreiches Jahresprogramm mit abschliessendem Jubiläums-Festkonzert im Gemeindesaal Buchs, als Höhepunkt der Feierlichkeiten, in die Welt der Träume verbannt», schreibt Bandmitglied Peter Lüscher in einer Vorschau auf den Anlass.

2019 bei einem Auftritt in Schinznach Bad.

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Die Band wurde 1960 von René Karlen gegründet. «Die ersten Bandmitglieder waren 16- bis 20-jährige Schüler und Lehrlinge aus Suhr und Umgebung», schreibt die Band auf ihrer Website. Dazu gehörte auch Karlens kleiner Bruder Bernhard (Benny), und weil die Gruppe bei Karlens zu Hause an der Bachstrasse übte, war der Bandname Riverstreet nicht weit. Mitten in die Aufbruchstimmung der frühen 1960er hineingeboren, war die Riverstreet Jazzband rasch erfolgreich. Peter Lüscher schildert es so: «Die jungen, kaum der obligatorischen Schule entwachsenen Musiker, wurden von einer immer grösseren Fangemeinde heiss umjubelt. Die Bäume schienen in den Himmel zu wachsen. Neben Auftritten in volkstümlichen Sendungen brachte es die Band beim Schweizer Fernsehen sogar in die Tagesschau und in die damals noch verbreitete Kino-Filmwochenschau.»

Von den Gründungsmitgliedern lebt heute nur noch Peter Schmid, der seit 30 Jahren in den USA wohnt. Benny Karlen war 2011 kurz nach dem 50-Jahr-Jubiläum verstorben, sein Bruder René 2015. Beide hatten bis zum Schluss Musik gemacht; etwas, das auch andere Mitglieder auszeichnete. Peter Lüscher: «Jeder Musiker wird mit all seinen Ecken und Kanten so akzeptiert, wie er ist und wie er sich fühlt, was sich in seiner individuellen Spielweise spontan niederschlägt. Fehler werden kommentarlos weggelächelt. Es herrscht fast unbegrenzte musikalische Freiheit. Jedes gemeinsame Musizieren ist für uns ein grosses Vergnügen und Freude pur.»

Das 25-Jahr-Jubiläum wurde reissend gefeiert.

Das 25-Jahr-Jubiläum wurde reissend gefeiert.

zvg

Der Band gehört aktuell neben Peter Lüscher auch Peter «Kniri» Knaus an (international bekannt als Teil von «Pfuri, Gorps und Kniri», die 1979 am Eurovision Song Contest den respektablen 10. Platz machten). Ausserdem sind Hene Lehmann, Martin Meyer, Hans «Rougi» Rothenbühler, Roy Duncombe und Hansjörg Schaltenbrand Teil der Riverstreet Jazzband. «Wir sind dank eines Engländers, der am Bodensee wohnt und bei uns Klarinette spielt, nun international», scherzt Peter Lüscher, selber aus Erlinsbach. Er, der Trompeter, ist der Band seit 1963 treu. «Kniri» Knaus, an der Posaune, schon seit 1961.

Ein Bild der Riverstreet Jazzband aus früheren Zeiten.

Ein Bild der Riverstreet Jazzband aus früheren Zeiten.

zvg

Fast alle aktuellen Mitglieder sind zwischen 74 und 80 Jahre alt. Drummer Martin Meyer, seit 1985 dabei, ist mit 59 Jahren der Jüngste. Diese immense Erfahrung ist ein Grund, weshalb sich die Mitglieder der Riverstreet Jazzband fast nur während der Auftritte sehen und sich seit 1973 nie zum Proben treffen: Sie haben es nicht nötig. «Wir sind alte Routiniers und spielen ad hoc», erklärt Lüscher. «Jedes Stück wird also vor Ort komponiert, indem wir aufeinander achten und spontan miteinander interagieren.» Ausserdem habe sich der Musikstil über die Jahre immer mehr dem New Orleans Revival Jazz angenähert. «Einem Musikstil, welcher intuitiv den Seelenzustand der Akteure offenlegt und auf jegliche Perfektion verzichtet. Für die Gestaltung der einzelnen Songs im Konzertmodus reichen Chorusmelodie und Tonart vollständig aus. Gemeinsame Probearbeit und eingespielte Arrangements sind obsolet und bezüglich Spontanität und Gestaltungsfreiheit gar kontraproduktiv.»

Der Anlass am Sonntag, 15. August, beginnt um 11 Uhr auf dem Bärenplatz vor dem Gemeindesaal (Schlechtwetter: im Saal). Es hat keinen Vorverkauf, Tickets gibt es vor Ort. Ein Covid-Zertifikat ist nicht nötig. Es ist – Stand jetzt – die einzige Gelegenheit, die Riverstreet Jazzband 2021 live und öffentlich zu sehen. Ein nächster grosser Gig ist für 2022 geplant, wo die legendäre Band von der Bachstrasse an die Jazztage Lenk eingeladen ist.

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