Suhr
Brauche Grips und folge deinem Plan

Das Musical «luca@aisha» in der katholischen Kirche in Suhr erzählt, wie zwei junge Menschen nicht nur den Schutzraum sondern auch ihr bisheriges Leben verlassen.

Sibylle Haltiner
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Luca wird im Bunker nachdenklich: Er hinterfragt sein Leben. ZVG

Luca wird im Bunker nachdenklich: Er hinterfragt sein Leben. ZVG

Die Szene ist düster: Menschen treffen im Schutzraum ein, mit Baby im Arm oder am Rollator gehend, Businessmenschen und Ausgeflippte. Ein Atomunfall zwingt alle in den Bunker, sie erhalten eine Decke und machen es sich so gemütlich wie möglich. «Nirgendwo steht, wohin der Wind uns dreht» singen sie. Für sie hat der Aufbruch aus der Komfortzone bereits begonnen.

Konflikt auf verschiedenen Ebenen

Luca hingegen lümmelt noch auf dem Sofa herum, chattet mit Freunden im Internet und ist überhaupt nicht empfänglich für die Ansprüche, die sein Vater an ihn stellt.

Doch auch den jungen Burschen holt der atomare GAU ein und reisst ihn aus seiner Lethargie: Die Katastrophe lässt Aisha in seinem Keller Zuflucht suchen. Die blitzgescheite junge Türkin nimmt kein Blatt vor den Mund und lässt Luca schon bald sein Leben hinterfragen. Umgekehrt bestärkt Luca Aisha in ihrem Wunsch, ein selbstbestimmtes Leben zu führen.

Das Musical «luca@aisha – Aufbruch aus der Komfortzone», das ab heute Mittwoch zehn Mal in der katholischen Kirche Suhr aufgeführt wird, widmet sich dem aktuellen Thema der verschiedenen Kulturen und Religionen genauso wie dem Generationenkonflikt.

Luca will zwar nur seinen Spass haben, eigentlich wünscht er sich jedoch eine funktionierende Familie und Kinder. Der Muslima Aisha hingegen steht eine arrangierte Ehe bevor. Sie aber möchte lieber studieren und sich später selbst ihren Ehemann suchen. Bestärkt werden die beiden von der schillernden Gripskönigin. «Benutzt euren Grips und folgt euren eigenen Plänen», rät sie.

Kirche als Bühne

Bernd Stromberger hat den Text des Musicals geschrieben. Die Musik, die Ohrwurmpotenzial hat, stammt von Balz Burch. Als Bühne dient der Chorraum der Kirche, der mit Treppe und Kanzel eine abwechslungsreiche Inszenierung ermöglicht. Wände und Decke der Kirche bieten für die Lichteffekte einen prachtvollen Hintergrund.

Im Chor wirken rund 30 Sängerinnen und Sänger aus der Region mit. Etwa 70 Helfer sorgen für einen reibungslosen Ablauf der Vorstellungen. Für viele Chormitglieder bot «luca@aisha» einen einmaligen Einblick in die Musicalwelt. «Es war sehr interessant zu sehen, wie eine solche Produktion aufgezogen wird», erklärte der Gränicher Herbert Waser, der im Schutzraum einen Geschäftsmann mimt. Auch puncto Gesang wurden die Ensemblemitglieder gefordert. «Man muss gleichzeitig singen und etwas darstellen. Ausserdem singen die rechts und links nicht immer die gleichen Stimmen», meint Rita Rüegger. Die Suhrerin hat im schnellen Lied «Rushhour» eine kleine Sprechrolle.

Die fünf Hauptfiguren werden von Profis dargestellt. Bruno Curty, der Lucas Vater spielt, stammt ebenfalls aus der Region. Marisa Jüni spielt Fatma, Aishas Begleiterin. Franca Basoli gibt die exzentrische Gripskönigin überzeugend.

Spannendes auf Nebenschauplatz

Auch Luca und Aisha sind hervorragend besetzt. Samuel Weiss fühlt sich sichtlich wohl in seiner Rolle. «Lucas Leben hat Ähnlichkeiten mit meinem eigenen», erklärt der Sänger. Valeria Solla kennt als Italienerin auch kulturelle Unterschiede. «Aber was Aisha erlebt, ist extrem.»

Auch wenn sich die Haupthandlung im Keller bei Luca und Aisha abspielt, lohnt es sich, ab und zu auf die Seitenschauplätze zu achten. Dort nämlich zeigen die Ensemblemitglieder ohne Worte das spannende Zusammenleben im Bunker. Übrigens gibt es auch für Zuschauer eine Komfortzone. Zwei Sofas laden zu einem besonders gemütlichen Musicalgenuss ein. Die Plätze werden an den Vorstellungen verlost.

Die Premiere des Musicals findet heute Mittwoch um 19.30 Uhr in der katholischen Kirche Suhr statt. Weitere Aufführungen bis 27. Januar , jeweils Mittwoch bis Sonntag. www.musical-suhr.ch.

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