Buchs
Bombenentschärfung durch Feuerwehr: «Am Anfang hatte ich schon ein mulmiges Gefühl»

Der Buchser Feuerwehrkommandant Thomas Moretton verrät Details des Einsatzes vom Mittwoch. Dieser sei für die Einsatzkräfte nicht alltäglich gewesen. Er lobt jedoch die Zusammenarbeit zwischen allen Beteiligten.

Janine Gloor
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Inmitten dieser Säcke, gefüllt mit 1,3 Tonnen Glassplittergranulat, ist die Bombe mit einer Explosion entschärft worden.

Inmitten dieser Säcke, gefüllt mit 1,3 Tonnen Glassplittergranulat, ist die Bombe mit einer Explosion entschärft worden.

Janine Gloor

Der Einsatz vom Mittwoch war für die Feuerwehr Buchs ein ungewöhnlicher. An diesem Tag wurde in Buchs beim Standort der Kantonspolizei Aargau am Amsleracherweg eine Bombe aus dem Zweiten Weltkrieg entschärft. «Um 10.22 Uhr kam der Alarm rein», sagt Kommandant Thomas Moretton (45).

Thomas Moretton war bei der Bombenentschärfung in Buchs als Feuerwehrkommandant im Einsatz. Thomas Moretton war bei der Bombenentschärfung in Buchs als Feuerwehrkommandant im Einsatz.

Thomas Moretton war bei der Bombenentschärfung in Buchs als Feuerwehrkommandant im Einsatz. Thomas Moretton war bei der Bombenentschärfung in Buchs als Feuerwehrkommandant im Einsatz.

Janine Gloor

Nach einer Telefonkonferenz mit der Alarmstelle haben sich fünf Kader der Feuerwehr im Magazin getroffen und Gebäudepläne sowie die Wasserversorgung am Schadensplatz studiert, bevor die restlichen Feuerwehrleute aufgeboten wurden.

Die Polizei hat unterdessen das Gebiet abgesperrt und Geschäfts- und Wohnhäuser evakuiert. Spezialisten des Forensischen Instituts aus Zürich und der Armee trafen ein, um die Bombe zu entschärfen. «Das war für uns nicht alltäglich», sagt Moretton, seit zwölf Jahren Feuerwehrkommandant. «Wir sind es uns gewohnt, die Einsatzleitung zu übernehmen.»

Feuerwehr baute ein Häuschen für die Bombe

In Buchs waren die Feuerwehrleute «Zubringer von Material und Wissen». Heisst: Die Feuerwehr war vor Ort in Buchs für viele Dinge zuständig, von der ständigen Bereitschaft für die Bekämpfung eines möglichen Feuers bis hin zur Organisation von Verpflegung und Toiletten für die Einsatzkräfte.

19 Personen und sechs Fahrzeuge der Feuerwehr Buchs waren im Einsatz. Eine Aufgabe der Feuerwehr war das Bauen eines Verschlags, in dem die Bombe entschärft werden sollte. Die Bombe selber sollte nicht detonieren. Die Spezialisten wollten mit einer Explosion neben der Bombe deren Zünder inaktiv machen.

Damit die Wucht der Explosion – geplant und ungeplant – abgefangen werden konnte, baute die Feuerwehr Buchs nach den Vorgaben des Forensischen Instituts ein Häuschen für die Bombe. Ein kleiner Verschlag aus Holz wurde mit Sandsäcken verstärkt. «Wir haben 1,3 Tonnen Sand organisiert», sagt Moretton. Er sei nicht nervöser gewesen als bei anderen Einsätzen. «Am Anfang hatte ich schon ein mulmiges Gefühl. Als wir noch nicht genau wussten, womit wir es zu tun haben», sagt der Feuerwehrkommandant. Doch als der Sprengkörper identifiziert war und die Feuerwehrleute merkten, dass die Spezialisten genau wussten, was sie taten, habe sich dieses Gefühl gelegt.

Bewohner mussten in ihren Häusern bleiben

Thomas Moretton spricht von einer löblichen Zusammenarbeit. «Wir wurden immer bestens über alle Schritte informiert.» Zwei Autos der Feuerwehr waren mit Lautsprechern in Buchs unterwegs, um die Leute aufzufordern, in ihren Häusern zu bleiben.

Wie bei anderen Einsätzen, erlebten die Feuerwehrleute auch Nachbarn, die am liebsten noch ein bisschen näher dran gewesen wären. «Die Neugierde oder der Drang, ein Foto zu schiessen, kann für uns ein Problem sein», sagt Moretton. Doch mit dem richtigen Ton lasse sich meistens ein Kompromiss finden.

Bombenfund in Buchs (04.09.19)
22 Bilder
Hier wurde die Bombe entschärft.
Gebiet, auf welchem die Bombe entschärft wurde.
Mit Sandsäcken wurde die Bombe abgedämmt.
Mit Sandsäcken wurde die Bombe abgedämmt.
Die Einsatzkräfte vor Ort.
Einsatzkräfte der Polizei am Einsatzort.
Das Gebiet wurde grossräumig abgesperrt.
Das ist der Polizeiposten an der Laurenzenvorstadt in Aarau. Hier wurde die Bombe von einem Zivilisten abgegeben.
Die Absperrung führt zu grossem Rückstau.
Bombenfund in Buchs.
Feuerwehr, Polizei, Rettungsdienst und Militär sind vor Ort.
Strassen wurden abgesperrt.
Bombenfund in Buchs.
Gesperrte Strassen.
Gesperrte Strassen.
Gesperrte Strassen.
Gesperrte Strassen.
Hier wurde die Bombe entschärft.
Das ist der Polizeiposten an der Laurenzenvorstadt in Aarau. Hier wurde die Bombe von einem Zivilisten abgegeben.
Der Ort der Entschärfung.
Mit Sandsäcken wurde die Bombe abgedämmt.

Bombenfund in Buchs (04.09.19)

Daniel Arnold/Tele M1

«Mit der maximal schlechtesten Situation gerechnet»

Während des gesamten Einsatzes waren die Feuerwehrleute in Alarmbereitschaft. Die Einsatzleitung wurde auf der Nordseite des Gebäudes, in dem die Kantonspolizei untergebracht ist, aufgebaut. Die Bombe wurde am anderen Ende des Gebäudes entschärft. Dorthin begaben sich die Feuerwehrleute nur, wenn es nötig war. Aber auch bei der Einsatzzentrale trugen sie ihre Brandschutzanzüge.

Die Alarmstufe blieb während des gesamten Einsatzes gleich hoch. «Wir rechneten mit der maximal schlechtesten Situation.» Das gehe von einer viel grösseren Explosion als erwartet bis zum Brand einer unbekannten Substanz. Aufgrund der Temperaturen durften die Feuerwehrleute ihre bis zu 20 Kilogramm schwere Ausrüstung ab und zu wieder ausziehen.

Kurz nach 17 Uhr konnten sie die schweren Kleider und Geräte zum letzten Mal ablegen. Die Entschärfung war gelungen. Nachdem die Bombe abtransportiert worden war, sammelten die Feuerwehrleute die 1,3 Tonnen Sand wieder ein. Zum Teil waren die Säcke aufgerissen und der Inhalt auf der Rampe verstreut. Eigentlich waren es keine Sandsäcke, sondern die moderne Version davon: «In den Säcken war Glassplittergranulat», sagt Thomas Moretton. Säcke mit diesem Füllgut können mehrfach verwendet werden. Sand muss, wenn nass wird, getrocknet werden, sonst fault er.

Um 19 Uhr verliessen die Feuerwehrleute ihr Magazin in Buchs. Einsatz beendet. «Das war ein sehr spannender und nicht alltäglicher Einsatz», sagt Moretton rückblickend. Die Feuerwehrleute hätten viel gelernt. Die Bombenentschärfung zeigt auch, wie vielfältig die Feuerwehr einsetzbar sei. «Unsere Einsätze sind mittlerweile mehrheitlich technischer Natur», sagt Moretton und scherzt: «Manchmal fragen wir uns, ob das ‹Feuer› im Namen noch passt.»

Lag die Nazi-Bombe zehn Tage lang mitten in der Stadt?

Ermittlungen Noch immer kann oder will die Polizei nichts über die Hintergründe der Abgabe der Nazi-Bombe auf dem Posten in Aarau, ihrer dortigen Einlagerung und des Transports nach Buchs bekannt geben. Darum gibt es auch keine Bestätigung für das Gerücht, die kleine Bombe sei zehn Tage lang auf dem Posten deponiert gewesen. Diese Angabe stammt von Personen, die es aufgrund ihrer Nähe zum Fall eigentlich wissen müssten.

Fest steht: Im Gebäude Laurenzenvorstadt 1 arbeiten etwa dreissig Angestellte der Kantonspolizei. Am dortigen Schalter ist die Nazi-Bombe an einem der Öffentlichkeit nicht bekannten Termin abgegeben worden. Hätte der Polizeiangestellte (uniformiert oder zivil?) die Gefährlichkeit der Fracht erkannt, hätte er sofort Alarm schlagen müssen. Es wäre im Prinzip das Gleiche passiert wie am Mittwoch in Buchs: Evakuation des Gebäudes (inklusive der Etage mit den Untersuchungshäftlingen), allenfalls Evakuation von Nachbarliegenschaften, Sperrung der Strassen, Unschädlichmachung der Bombe vor Ort. All das mitten in der Stadt.

Spannend wäre es auch, mehr über den Lieferanten der Nazi-Bombe zu erfahren: Eine jüngere Person, die den Estrich des verstorbenen Vaters geräumt hat? Eine Person, die wusste, dass es sich bei der rostigen Büchse um eine Bombe handeln könnte (auch wenn sie für Laien nicht als solche zu erkennen ist)? Hat die Polizei zwischenzeitlich den Lieferanten überprüft? Vor Ort abgeklärt, ob er allenfalls ein ganzes Arsenal von solchen Sprengkörpern besitzt? Die polizeiinternen Ermittlungen laufen – sie werden Licht ins Dunkel bringen. (uhg)