Aarau
Blumenduft, grosse Kunstwerke und etwas Nervosität: Hier entsteht eine ganz besondere Ausstellung

Sie ist jedes Jahr wieder ein Publikumsmagnet: die Ausstellung «Blumen für die Kunst» im Aargauer Kunsthaus. Heute wird die sechste Ausgabe eröffnet. Die AZ war beim Aufbau am Montag dabei.

Alice Guldimann, Simone Morger
Drucken
Teilen

Dunkelrot leuchten die Helikonien vor dem schwarz-weissen Kunstwerk. Sie sind genauso haarig wie die Männerbeine auf den Fotografien von Balthasar Burkhard. Für den Meisterfloristen Marcus Forster war die Blumenauswahl schon klar, als er das Kunstwerk «Les Jambes/Teil 1» zugeteilt bekam. Die Ambivalenz zwischen Abstossung und Faszination faszinierte ihn. Forster ist einer von 14 Floristen und Floristinnen, die in der sechsten Ausgabe von «Blumen für die Kunst» ihr Können zeigen dürfen. «Damit geht für mich ein grosser Wunsch in Erfüllung», erzählt er, während er die letzten Helikonien an der roten Vorrichtung befestigt.

Am Montagmorgen vor der Vernissage ist das Aargauer Kunsthaus voller Leben. Von 8 bis 15 Uhr haben die Floristinnen und Floristen Zeit, ihre Kunstwerke zu arrangieren. Nun gilt es, die Ideen vom Papier oder aus dem Kopf in den Ausstellungsraum zu überführen. Erst jetzt zeigt sich das Zusammenspiel der Blumen-Arrangements mit den Kunstwerken und mit den Begebenheiten des Museums.

Blumen für die Kunst 2019 Im Aargauer Kunsthaus blüht es wieder: 14 Floristinnen und Floristen haben am Montag ihre Werke aufgebaut. Die AZ war dabei.
20 Bilder
Angela Kaspar, Olten Angela Kaspar arbeitet bei von Arx Blumen & Garten in Olten. Die Meisterfloristin hat das Bild „Renversement“ (1950) von Leo Leuppi mit kräftigen Farben interpretiert.
Katrin Keller, Appenzell Die Floristin arbeitet in der "Floralen Werkstatt" in Appenzell. Ihr Werk ist an das Gemälde „Der Friedensapostel Max Daetwyler“ (1974), von Varlin (Willy Guggenheim) angelehnt.
Peter Hintermann, Zürich Peter Hintermann mit seiner floralen Interpretation zu „Im Kaffee“ (ohne Jahr) von Karl Otto Hügin.
Larissa Kopp, Sursee Das Jungtalent vom Blumengeschäft Viridis in Sursee mit ihrer floralen Interpretation zu „Portrait des Malers Traugott Senn“ (1944) von Walter Clénin.
Den Unterbau und die Gefässe ihrer schwebenden Wiese hat sie selbst gebaut.
Rémy Jaggi, Trélex Der Florist hat das Bild „Der Mäher“ (um 1912) von Ferdinand Hodler interpretiert.
Simone Serra-Helbling Die Meisterfloristin mit ihrer Interpretation zu „Ohne Titel“ (1998) von Andreas Christen. In einem aufwendig hergestellten Rahmen hängen 300 Nelken.
Marcus Forster, Winterthur Die roten Helikonien springen einem sofort ins Auge. Sie sind genauso haarig wie die Männerbeine auf dem Kunstwerk „Les Jambes/Teil 1“ (1986) von Balthasar Burkhard.
Luzia Blessner, Bronschhofen Die Meisterfloristin hat das Werk „Ohne Titel“ (2000) von Markus Döbeli mit Pflanzen aus dem Wald interpretiert.
Peter Schwitter, Buochs Seine florale Interpretation zu „Hémisphère“ (1993) von Silvie und Chérif Defraouib besteht aus zwei schwebenden Kuppeln, in die Anemonen eingesetzt werden.
Am Montag war das Aargauer Kunsthaus voller Blumen.

Blumen für die Kunst 2019 Im Aargauer Kunsthaus blüht es wieder: 14 Floristinnen und Floristen haben am Montag ihre Werke aufgebaut. Die AZ war dabei.

SEVERIN BIGLER

Larissa Kopp ist zufrieden. Kurz vor Mittag ist die junge Floristin schon fast fertig. Das Kunstwerk, das ihr zugeteilt wurde, zeigt einen älteren Herrn in einem Liegestuhl, inmitten eines grünen Gartens. Maler Walter Clénin hat in dieser Szene seinen Freund Traugott Senn verewigt, der ebenfalls Maler war. «Das Bild strahlt eine unglaubliche Ruhe und Gelassenheit aus», findet Larissa Kopp. Sie hat einen ganzen Nachmittag im Kunsthaus verbracht, um sich mit dem Gemälde vertraut zu machen.

In ihrer floristischen Umsetzung hat sie sich schliesslich den wilden Garten aus dem Gemälde zum Vorbild genommen. Entstanden ist eine grüne Wiese, die mitten im Raum zu schweben scheint. Den Unterbau und die Blumenschalen hat Kopp selbst gebaut. Hinter den floralen Kunstwerken steckt eine Menge Vorarbeit und Handwerkskunst. Peter Schwitter aus Buochs hat zwei schwebende Halbkugeln kreiert, in die unzählige kleine Reagenzgläser eingelassen sind. Das Werk von Simone Serra-Helbling besteht aus einem aufwendig hergestellten Metallrahmen, in dem 300 Nelken hängen – jede Blume in einem kleinen Säckchen, das die Meisterfloristin selbst genäht hat. Klassische Blumen-Bouquets sind in der Ausstellung dieses Jahr kaum anzutreffen.

Florist Peter Hintermann aus Zürich hat sich derweil intensiv mit Künstler Karl Otto Hügin befasst und sein Blumen-Arrangement stark an sein Werk «im Kaffee» angelehnt. «Hügin waren die einzelnen Personen wichtig», erklärt Hintermann. «Deshalb habe ich verschiedene Blumengefässe verwendet, die gemeinsam ein grosses Ganzes bilden.» Hintermann überprüft noch einmal jedes Gefäss, jede einzelne Blume. Er erzählt dabei vom Sonntagabend, als er, wahnsinnig aufgeregt, nochmals sein ganzes Konzept hinterfragt hat.

Starflorist hat Verspätung

Die Teilnahme an «Blumen für die Kunst» entspricht für die Floristen einem Ritterschlag, die meisten haben die beliebte Ausstellung schon mehrmals besucht. «Ich fühle mich sehr geehrt», sagt auch Peter Hintermann. Die Nervosität sei von ihm abgefallen, als er am Morgen mit der Arbeit angefangen habe. So geht es den meisten. «Die Stimmung ist sehr angenehm, uns wird alles abgenommen», erzählt Marcus Forster. Von Hektik gibt es auch um die Mittagszeit noch keine Spur.

Nur einer fehlt in der Betriebsamkeit des Aufbaus: der gross angekündigte Meisterflorist Solomon Leong aus Hongkong. Wegen schlechten Wetters wurde sein Flug verschoben. Zur Erleichterung der Organisatoren ist seine Assistentin bereits in der Schweiz. Sie kümmert sich um einen Teil des Arrangements und der Platz vor Markus Raetz’ «Porträt von Monika» wird bei der Eröffnung nicht leer sein.

Blumen für die Kunst 5. bis 10. März 2019, Aargauer Kunsthaus, Aarau

Aktuelle Nachrichten