Kunstraum
Durch den Blick zweier Künstlerinnen: So haben Sie Aarau noch nie gesehen

Im jungen Kunstraum Beletage gibt es Neues zu entdecken: Zum Beispiel Aarau, wie es Edward Hopper malen würde.

Anna Raymann
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Das passt: Die Plastiken von Rosmarie Vogt-Rippmann und die Fotografien von Rachel Bühlmann.

Das passt: Die Plastiken von Rosmarie Vogt-Rippmann und die Fotografien von Rachel Bühlmann.

Rachel Bühlmann

Im gleissenden Licht wird die Tankstelle zum Szenenbild. Das Absperrband, an dem der Wind zerrt, flirrt quer über die Einfahrt. Die wenigen Schatten sehen aus wie gemeisselt, die Farben an Tor und Schildern spielen Pingpong. In diesem Winkel erinnert eine banale Ecke in Aaraus Industriegebiet an ein Gemälde von Edward Hopper. Die Fotografin, die den Blick so präzise ausrichtet, ist Rachel Bühlmann. «Ich warte gezielt auf den perfekten Lichteinfall, dazu führe ich Listen mit Orten und Tageszeiten,» erzählt sie. Die Tankstelle fotografierte sie über mehrere Monate. Drei dieser Bilder sind nun zu sehen in der Ausstellung in der Beletage im Kiff. Gemeinsam mit der Künstlerin Rosmarie Vogt-Rippmann bespielt sie den Raum im Duett zwischen Bild und Plastik.

Ein junger Ausstellungsraum entdeckt Neues

Es ist erst die fünfte Ausstellung im noch jungen Ausstellungsraum Beletage im Aarauer Kulturhaus. Kaum war die Idee dazu entstanden, machte auch hier Corona ein Strich durch die Rechnung. So muss sich das Format noch finden. Doch der Raum im Turm, in dem sich auch mehrere Ateliers befinden, eignet sich gut für Werkschauen. Und so verstehen in auch die Initianten, als «Labor, in dem Neues entstehen kann und Altes neu entdeckt wird», wie es auf der Webseite heisst.

Das liefert das Stichwort. Rosmarie Vogt-Rippmann, inzwischen 82jährig hat ihr Atelier in eben diesem Turm. Die Fenster darin sind Oblichter, für einen Blick nach draussen bräuchte es mindestens einen Stuhl, wenn nicht gar eine Leiter.

Hoffen, das die Statik funktioniert. Rosmarie Vogt-Rippmann beim Aufbau ihrer «Lehrer».

Hoffen, das die Statik funktioniert. Rosmarie Vogt-Rippmann beim Aufbau ihrer «Lehrer».

Was gäbe es dahinter nur zu sehen? «Ich mache diese Dinge, wenn sie mich wundernehmen», sagt Vogt-Rippmann. Und so baute sie aus schmalen Latten und Gewindestangen langhalsige Wesen – «Vögel oder Lehrer sind es. Schauen sie nicht lehrmeisterlich aus dem Fenster?», fragt die Künstlerin. Was sie baut, war vorher meist etwas anderes. Das Holz, das sie hier zusammengesetzt hat, kroch zuletzt als «Tausendfüssler» durch das Zimmermannhaus in Brugg. Alles ist provisorisch, bereit abgebaut und neu zusammengesetzt zu werden. «Ich arbeite mit Strukturen, die in der Architektur nie funktionieren würden. Das ist das Schöne an der Kunst», so Vogt-Rippmann. Und was sehen sie nun, die Lehrer, die ihre Köpfe recken?

Munteres Wechselspiel zwischen Künstlerinnen

Gar nicht weit ist eine Tankstelle – eine andere als auf Bühlmanns Fotografie zwar, aber doch ähnlich. Im Wechsel ergänzen sich die Arbeiten der beiden Künstlerinnen auf heitere Weise. «Wir wussten sofort, dass es passt: Rosmaries Holzstrukturen und meine gebauten Bilder», sagt Rachel Bühlmann. Beton ist das Leitthema, das sich durch ihre Serie zieht. «Ich inszeniere die Architektur als Stillleben», sagt die Fotografin, der das mitunter nahezu filmisch gelingt. Die Pferderennbahn, spätestens das Schwimmbad in Zentralperspektive lassen nicht nur an Edward Hopper, sondern auch an Filmemacher Wes Anderson denken. So entdeckt man Stadtmomente, wie man sie vorher nie gesehen hat.

Mit einem filmischen Blick hält Rachel Bühlmann die Umgebung fest.

Mit einem filmischen Blick hält Rachel Bühlmann die Umgebung fest.

Rachel Bühlmann

Beletage (Kiff): Ausstellung: 6.8.-5-9. Werkgespräch: 15.8.

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