Aarau
Antennen-Gegner aus dem Scheibenschachen blitzen in Lausanne ab

Das Bundesgericht gibt grünes Licht für eine Mobilfunkantenne in der Herzbergsiedlung. Dies, obwohl für die Siedlung in Aarau ein Antennenverbot besteht. Nun darf Sunrise dort eine Antenne aufstellen.

Urs-Peter Inderbitzin
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Am Rande der denkmalgeschützen Herzbergsiedlung darf die Antenne nun aufgestellt werden.

Am Rande der denkmalgeschützen Herzbergsiedlung darf die Antenne nun aufgestellt werden.

kus

Seit etwas mehr als drei Jahren plant die Sunrise Communications AG auf dem Dach eines am Aarmattweg gelegenen Mehrfamilienhauses eine Mobilfunkantenne zu bauen.

Der Aarauer Stadtrat wies das Baugesuch im Mai 2010 ab, da die geplante Antenne nicht mit dem Ensembleschutz der Herzbergsiedlung vereinbar sei. Der Regierungsrat des Kantons Aargau hob diesen Entscheid jedoch auf und befahl dem Stadtrat, die Bewilligung für die Mobilfunkantenne zu erteilen. Eine dagegen eingereichte Beschwerde der Anwohner ans Aargauer Verwaltungsgericht blieb erfolglos.

Nun hat auch das Bundesgericht grünes Licht für die Sunrise-Antenne erteilt und die Beschwerde von 24 Antennengegnern abgewiesen. Unbestritten war in Lausanne, dass die geplante Anlage die bundesrechtlichen Anforderungen gemäss der Verordnung über den Schutz von nichtionisierenden Strahlen einhält. Strittig war in Lausanne jedoch, ob die Mobilfunkantenne mit dem Ensembleschutzzone der Herzbergsiedlung vereinbar ist. In dieser Zone gilt grundsätzlich ein Verbot von Aussenantennen.

«Quartier nicht beeinträchtigt»

Das Verwaltungsgericht war zum Schluss gelangt, dass dieses Antennenverbot nur für die eigentliche Ensembleschutzzone gilt, für die in den Jahre 1942 bis 1945 erstellte Wohnüberbauung mit 86 Reiheneinfamilienhäusern.

Das Gebäude, auf dessen Dach die Mobilfunkantenne erstellt werden soll, bilde demgegenüber nicht direkt Teil der Herzbergsiedlung, sondern liege mit drei weiteren grossen Mehrfamilienhäusern inmitten der Herzbergsiedlung.

Da die Antenne zudem ummantelt werde und deshalb wie ein Dachaufbau wirke, befürchtet das Verwaltungsgericht keine Beeinträchtigung des Quartierbildes. Dieser Argumentation hat sich nun das Bundesgericht angeschlossen und den Vorwurf der Antennengegner, der Entscheid des Verwaltungsgerichts sei willkürlich, verworfen.

Zwar räumt das Bundesgericht in seinem Entscheid ein, dass die ummantelte Antenne nach aussen in Erscheinung tritt und die Ästhetik der Dachlandschaft im Quartier verändert. Gleichwohl lasse sich die Auffassung des Verwaltungsgerichts auf sachliche Gründe stützen und erscheine nicht als willkürlich. Denn die Dachlandschaft dieser später errichteten Wohnhäuser seien – anders als jene der Reihenhauszeilen – nicht schützenswert.

Bauliche Einschränkungen in diesem Zwischenbereich wären laut Bundesgericht nur verhältnismässig, wenn sie zum Schutz des Quartierbildes erforderlich wären. Dies sei hier nicht der Fall. Die unterlegenen Anwohner müssen die Gerichtskosten von 4000 Franken bezahlen und der Sunrise Communications AG eine Parteientschädigung von 3500 Franken überweisen.

Bedauern bei den Anwohnern

«Wir bedauern den Entscheid des Bundesgerichts sehr», sagt Patrik Widmer, der sich mit dem Verein Omega-Scheibenschachen gegen die Antenne zur Wehr gesetzt hat. Nach wie vor bleibe es stossend, dass Mobilfunkantennen inmitten bestehender Wohnquartiere erstellt werden können, wenn ein Immobilienbesitzer dazu sein Einverständnis gebe und damit auch noch viel Geld verdiene, erklärt Widmer.

«Dem Verein ist es gelungen, die Quartierbewohner zu solidarischem Handeln und zur finanziellen Mitbeteiligung zu bewegen.» Gerade wegen des grossen Engagements und der Solidarität sei und bleibe der Scheibenschachen ein attraktives Wohnquartier, sagt Widmer weiter. Das zu betonen, sei ihm wichtig. Der Verein werde mit einem Fachmann besprechen, welche baulichen Massnahmen im Quartier zum Schutz vor der Strahlung nötig seien.

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