Aarau
Stadtmuseum hofft nun auf den Befreiungsschlag – sonst wird es zäh

Ein Besuchereinbruch um rund zwei Drittel und eine schwarze Null, das war das Jahr 2020 für das Aarauer Stadtmuseum. Jetzt setzt das Team auf eine Lockerung und freut sich auf grossen Zirkus.

Katja Schlegel
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Das Stadtmuseum Aarau, wiedereröffnet im April 2015.

Das Stadtmuseum Aarau, wiedereröffnet im April 2015.

Britta Gut

2020, ein Jahr zum Vergessen? Das sei eine Frage der Perspektive, sagt Marc Griesshammer, Leiter des Stadtmuseums: «Als Publikumsort war es ein äusserst schwieriges Jahr, aber als Gedächtnisspeicher haben wir einiges aufarbeiten können, wofür die letzten Jahre weniger Zeit geblieben ist.»

In Zahlen bedeutet das Corona-Jahr ein deutliches Minus bei den Besucherzahlen (10'000 statt 30'000) und eine schwarze Null bei der Rechnung. Dies, weil der Verlust bei den Eintritten und Verkäufen mit Einsparungen und einem Anstellungsstopp aufgefangen werden konnte.

Eine Eigenproduktion ohne viel Publikum, das schmerzt

Eine schwarze Null, immerhin; doch der Einbruch bei den Besucherzahlen schmerzt das Team umso mehr: Im Februar 2020 war die Ausstellung «Robozän» eröffnet worden, eine Eigenproduktion. Vor einer Woche wurde sie geschlossen, mit deutlich weniger Publikum als erhofft. Dabei war das Interesse an der Ausstellung gross: Im September beispielsweise bewegten sich die Besucherzahlen auf Vorjahresniveau.

Marc Griesshammer, Leiter Stadtmuseum Aarau.

Marc Griesshammer, Leiter Stadtmuseum Aarau.

Katja Schlegel / Aargauer Zeitung

Doch just in den besucherstärksten Monaten Mai/Juni (Schulreisen) und November/Dezember (Geschäftsausflüge) machten dem Museum die Unsicherheit beziehungsweise die Einschränkungen einen Strich durch die Rechnung.

Profitiert hat das Stadtmuseum hinsichtlich der Arbeiten hinter den Kulissen: Nicht nur, was das Aufarbeiten anbelangt. Sondern auch, weil Zeit zum Reflektieren blieb, so Griesshammer: «Gut fünf Jahre nach der Wiederöffnung und nach dem Leitungswechsel Anfang 2020 war es ein guter Moment für eine Auslegeordnung und eine Standortbestimmung.»

Wären Gruppenführungen wieder möglich, wäre das der Befreiungsschlag

Wie blickt das Team in die Zukunft? Mit Freude, was beispielsweise die Zusammenarbeit mit «cirqu’», dem Festival für aktuelle Zirkuskunst, anbelangt, das von Mai bis Juli das Stadtmuseum ­bespielen wird. Begleitet wird das Programm seitens Museum durch eine Ausstellung mit Zirkus-Fotos aus dem Ringier Bildarchiv.

Aber das ist noch ein paar Tage weit weg. Davor kommt der Bundesratsentscheid vom Donnerstag, den Griesshammer mit gemischten Gefühlen erwartet: Würden wieder (Klein-)Gruppenführungen möglich, wäre das der Befreiungsschlag. Bleibt vorläufig alles beim Alten oder wird gar zurückbuchstabiert, dann wird es zäh für das Stadtmuseum.

«Die Gesundheit der Menschen geht absolut vor, entsprechend unterstützen wir alle Massnahmen. Schaut man auf die Finanzen, sind Gruppen für uns aber entscheidend», so Griesshammer. Und fehlen diese Besucher weiterhin, ist das deutlich spürbar. «Das Wohlwollen seitens Politik und Stadt war 2020 gross. Aber dieses aussergewöhnliche Jahr ist um und alle wünschen sich eine Rückkehr in eine gesunde Normalität, in jeder Hinsicht.»