Es war die erste Medienkonferenz für Mark Schneider als CEO von Nestlé. An der Präsentation des Geschäftsjahrs 2016 am Donnerstag war er bemüht, als Garant für Kontinuität und Nachhaltigkeit aufzutreten. Das mochte ihm gelungen sein. Ein brillantes Resultat konnte er indes nicht präsentieren.

Der Umsatz stieg im Vergleich zum Vorjahr um 0,8 Prozent auf 89,5 Milliarden Franken, der Gewinn sank um 5,9 Prozent auf 8,5 Milliarden. Nicht nur gemessen an den Analystenerwartungen, sondern auch an den eigenen Zielen ist das enttäuschend. Mittelfristig will man in Vevey ein organisches Wachstum (also ohne Akquisitionen) von 5 bis 6 Prozent. Dieses Ziel wurde das vierte Jahr in Folge verfehlt.

Börse enttäuscht

Der Supertanker Nestlé ist in den Augen des Kapitäns dennoch auf Kurs. Er teilt die Sorgen der Konkurrenz: Noch immer deflationäre Tendenzen in vielen Regionen erschweren die Durchsetzung höherer Preise und Margen. Das organische Wachstum sei mit 3,2 Prozent im Industrievergleich erfreulich. Die meisten Analysten stimmen der relativen Stärke zu, etwa die Zürcher Kantonalbank (ZKB): Das organische Umsatzwachstum liege zwar leicht unter den Erwartungen, lasse sich aber im Branchenvergleich sehen. Beim Mengenwachstum habe Nestlé weiterhin die Nase klar vorn.

Insgesamt seien die Zahlen für 2016 minim unter den Erwartungen, resümiert die Neue Helvetische Bank. Positiv sei aber, dass der neue CEO den Tanker fit mache für die nächsten Jahre, wozu nochmals deutlich mehr Investitionen und Restrukturierungskosten notwendig seien. Für potenzielle Akquisitionen lasse die grundsolide Bilanz finanziellen Spielraum. Nebst der eher geringen Nettoverschuldung sollten die Beteiligungen nicht vergessen werden, etwa die 23,2 Prozent, die Nestlé an L’Oréal hält (Marktwert: 24 Milliarden Franken). Nestlé gehöre nach wie vor in jedes diversifizierte Aktienportfolio.

Weniger nachsichtig reagierte die Börse. Die Nestlé-Aktie sank nach Bekanntgabe der Zahlen, das SMI-Schwergewicht zog den ganzen Markt ins Minus. Gegen Abend erholte sich der Titel etwas auf Fr. 72.45 und ging mit knapp –1 Prozent aus dem Handel: Schlechter schnitten im Swiss Market Index (SMI) nur noch die Grossbanken ab.

Das Wachstum der verkauften Volumen nahm in allen Segmenten ab – ein industrieweiter Trend, wie Schneider versicherte. Die Durchsetzung höherer Preise gelang erst im zweiten Halbjahr, später als erhofft. Preisaufschläge konnten in Brasilien, Indonesien, Grossbritannien und Teilen der Eurozone durchgesetzt werden.

Die Gewinnmargen verbesserten sich leicht, im Mittel um 0,2 Prozentpunkte, im Kerngeschäft «Nahrungsmittel und Getränke» gar um 0,5 Prozentpunkte. Dabei eingerechnet sind höhere Restrukturierungskosten von rund 300 Millionen Franken (etwa das Doppelte von 2015). Gemäss Finanzchef François-Xavier Roger hat Nestlé vor, bis 2020 weitere 2 Prozent der Kostensumme einzusparen. Allein 2017 sollen 500 Millionen Franken Restrukturierungskosten anfallen, mehr als 2015 und 2016 zusammen.

«Wir wollen keine Schlagzeilen»

Schneider dämpfte Hoffnungen auf eine rasche Rückkehr zu akquisitionsgetriebenen Wachstumszahlen. Organisches Wachstum werde langfristiger Antriebsmotor bleiben. Dass Nestlé der Branchenprimus sei, sei auch mutigen Übernahmen in der Vergangenheit zu verdanken. Übernahmen müssten strategisch richtig sein, aber nicht als Selbstzweck oder nur, weil man länger keine getätigt habe: «Wir wollen keine Schlagzeilen.»

Aufgrund der hohen Preise am Markt ist der Zeitpunkt zudem schlecht. Gerade wo Nestlé Marktleader sei, etwa bei Wasser und noch mehr bei Kaffee, seien die eigenen Wachstumschancen enorm. «Mit Nescafé verfügen wir über eine Marken-Ikone, mit Nespresso über den exklusivsten Brand bei Kapsel-Kaffee». Das sei nicht nur Stolz, sondern auch Geschäftssinn. Der Kaffeemarkt wachse am stärksten.

Es habe zu viele Spekulationen gegeben, ob sein Amtsantritt einen Strategiewechsel bedeute, beklagt sich Schneider. Doch er sei überzeugt vom Ausbau des Kerngeschäfts von innen. Dazu gehöre auch die weitere Teilnahme am Gesundheitstrend. Ausdruck davon ist etwa die Zuckerreduktion bei Nahrungsmitteln und Getränken, aber auch die Festigung der Standbeine im Gesundheitsbereich (Nestlé Health Science und Nestlé Skin Health). Gute Ernährung sei immer mehr anerkannt als Grundlage für Gesundheit.

Zur nachhaltigen Strategie gehört für Schneider auch die Weiterführung der Dividendenpolitik. Die Aktionäre sollen eine höhere Dividende von Fr. 2.30 je Aktie erhalten (Vorjahr: Fr. 2.25).