1,3 Millionen Quadratmeter. Das entspricht etwa der Fläche von 180 Fussballfeldern. So viele Storen und Rollläden produziert Schenker Storen – jedes Jahr.

Damit ist die Firma Marktführer in der Schweiz. Über ein Viertel aller Storen und Rollläden kommt von der Nordwestschweizer Firma. Werner Held, der CEO, ist sichtlich stolz auf das Unternehmen, das er seit 10 Jahren führt: «Wir konnten kontinuierlich wachsen und beschäftigen heute über 1400 Mitarbeiter in der ganzen Gruppe, über die Hälfte davon in der Schweiz.»

Held ist seit bald vier Jahrzehnten dabei. Der gelernte Schlosser fing als Betriebstechniker an, hat dann das Service-Geschäft aufgebaut und 2005 die Führung übernommen.

«Wir haben immer in den Betrieb investiert, 70 Millionen Franken waren es in den letzten 10 Jahren», sagt Held. Das Geld floss vor allem in neue Produktionsanlagen.

In den Werkshallen in Schönenwerd formen Maschinen aufgerolltes Aluminiumblech in Elemente für Rollläden, welche dann in Handarbeit zusammengesetzt werden.

Die Produkte werden anschliessend an einen von 38 Standorten in der Schweiz gebracht und schliesslich auf Baustellen im ganzen Land verbaut. Die Firma setzt heute stolze 250 Millionen Franken um.

Schenker Storen ist eine Erfolgsgeschichte. Doch das Geschäft ist schwieriger geworden. Die Firma steht derzeit gleich vor mehreren Herausforderungen: Fachkräftemangel, nachlassende Baukonjunktur, Frankenstärke.

Wobei der starke Franken klar die grösste Herausforderung darstellt. «Seit dem 15. Januar haben wir ein Problem», sagt Held.

Swissness allein reicht nicht

Anders als bei vielen anderen KMU im Industriebereich, wie etwa den Autozulieferern, ist nicht das Export-Geschäft unter Druck. Schenker produziert in den wichtigsten Auslandsmärkten Deutschland und Frankreich selber vor Ort.

Das Problem ist vielmehr, dass auf dem Schweizer Heimmarkt zunehmend ausländische Anbieter auftreten, die deutlich günstiger produzieren können. «Firmen aus dem benachbarten Ausland, die in Osteuropa produzieren, haben Preisvorteile und können deutlich günstiger offerieren», sagt Held.

Und weiter: «Swissness ist ‹nice to have›, spielt aber allenfalls bei Eigenheimen noch eine Rolle. Bei Grossaufträgen entscheidet allein der Preis.»

Für Schenker Storen ist das ein Dilemma. Die Firma hat sich trotz starkem Franken offensiv zum Werkplatz Schweiz bekannt und entsprechend investiert. Noch 2012 wurde hier in Schönenwerd ein neues Gebäude eröffnet, neue Anlagen wurden in Betrieb genommen.

Seit dem 15. Januar 2015 ist dieses Bekenntnis zum hiesigen Werkplatz aber nicht mehr sakrosankt. «Einen Euro-Kurs von Fr. 1.20 haben wir mit Effizienzsteigerungen noch auffangen können, darunter geht das nicht mehr», so Held.

Um Entlassungen zu vermeiden, hat Schenker im Februar die Wochenarbeitszeit auf 43 Stunden erhöht und den Arbeitnehmervertretern im Gegenzug garantiert, bis im Sommer 2016 keine Entlassungen vorzunehmen.

Die Verlängerung der Arbeitszeit funktioniert aber nur, solange die Auftragsbücher voll sind. Mit der nachlassenden Baukonjunktur wird das zunehmend schwierig.

Der Preiskampf mit günstigen Anbietern aus dem Ausland nimmt zu. Um die Auslastung hochzuhalten, müsste die Firma Aufträge annehmen, die nicht mehr kostendeckend sind. «Auf Dauer ist das kein Rezept», so Held.

Asien als Wachstumschance

Bleibt der Franken stark, sieht er sich zum Handeln gezwungen: «Wenn sich nichts ändert, müssen wir darüber nachdenken, zumindest Teile der Produktion nach Osteuropa zu verlagern.»

Das eine solche Massnahme ihn persönlich schmerzen würde, merkt man Held an. Um weniger von der Schweiz abhängig zu sein, will er zudem das Geschäft in Asien weiter vorantreiben. Konkret ist geplant, in Hongkong und China eigene Fabriken zu bauen. «In Asien gibt es noch Wachstumschancen.»

Allen Herausforderungen zum Trotz stellt Held klar: «Wir wollen die Erfolgsgeschichte fortschreiben und auch ein Schweizer Unternehmen bleiben.» Welcher Anteil der zukünftigen Wertschöpfung allerdings tatsächlich in der Schweiz stattfinden wird, steht zunehmend infrage.

Für die Schweizer Industrie ist CEO Held wenig optimistisch: «Vielen KMU geht es gleich wie uns. Die Schweiz befindet sich auf dem Weg der Deindustrialisierung.»