«2015 war ein tolles Jahr für unsere Gruppe», schwärmte Lorenz Wyss, CEO von Bell, am Donnerstag auf der Jahresmedienkonferenz des Schweizer Fleisch- und Convenience-Verarbeiters am Hauptsitz in Basel.

Die gut 8000 Mitarbeiter in 31 Betrieben und neun Ländern konnten den Nettogewinn um acht Prozent auf 94,8 Millionen Franken steigern. Der Bruttogewinn überschritt dabei erstmals eine Milliarde Franken.

Hohe Margen erreicht

Dabei zeigte sich das Unternehmen hochprofitabel. Aufgrund wertschöpfungsreicher Produkte, der Bereinigung des Sortiments und Fortschritten bei den internationalen Aktivitäten konnte der Ebitda, der Gewinn vor Zinsen, Steuern und allen Abschreibungen laut Finanzchef Marco Tschanz deutlich um 19,8 Prozent auf 235 Millionen Franken erhöht werden.

Die Aufhebung des Euro-Mindestkurses führte nur im Januar und Februar 2015 zu rückläufigen Absätzen in der Schweiz. Bereits im März und April konnten sie durch Verkaufsförderungsmassnahmen stabilisiert werden. Ab Mai kam es unter anderem aufgrund guter saisonaler Geschäftsentwicklung beim Grillieren und bei den Festtagen zu einem kontinuierlichen Wachstum.

Das ist umso überraschender, als der Einkaufstourismus der Schweizer bei Fleisch, Fisch und Charcuterie 2015 gleichzeitig um 9,8 Prozent zugenommen hat und die Summe von fast 500 Millionen Euro erreicht hat. «Riesensprünge wird es nicht mehr geben. Ich glaube, dass der Einkaufstourismus nur noch leicht zunehmen wird», gab sich Wyss überzeugt.

Schweiz soll gestärkt werden

In der Schweiz beschäftigt Bell an sechs Standorten 3415 Mitarbeiter. «Dieser Kernmarkt soll von 2016 bis 2025 gestärkt werden. Das ist auch ein Bekenntnis zum Arbeitsplatz Schweiz», betonte der CEO und kündigte Investitionen im dreistelligen Millionenbereich an. So sollen in Basel am Standort Neudorfstrasse, wo Bell über 80 000 Quadratmeter im Baurecht verfügt, neue Werke für Charcuterie, Seafood sowie ein Verwaltungsgebäude mit einem Parkhaus für 677 Parkings entstehen. Die Arbeiten könnten in zwei Jahren beginnen. Das Areal an der Elsässerstrasse wird mittelfristig verkauft oder umgenutzt.

In Oensingen SO sollen neue Werke für die Schweineverarbeitung sowie die Aufbereitung und Kommissionierung von Frisch- und Tiefkühlprodukten sowie ein Erweiterungsbau des bestehenden Betriebes realisiert werden. Die genaue Investitionssumme wollte Wyss nicht nennen – er präzisierte nur, die dreistellige Millionenzahl solle nicht vierstellig werden. Die Entscheidung für die Neubauten in Basel fiel auch, da Bell dort 70 Prozent Grenzgänger beschäftigt und diese wohl nicht bereit gewesen wären, nach Oensingen zu pendeln. Der Mindestgehalt bei Bell liegt laut Wyss bei 4050 Franken.

Gut hat sich die Situation auch bei Bell Deutschland wie auch bei Hilcona entwickelt, das seine Markstellung speziell bei vegetarischen Produkten ausgebaut hat. Mit dem Erwerb der Mehrheit wurde Hilcona per 1. Mai 2015 vollkonsolidiert und trug so mit zum Bruttogewinn bei. Bell International hat sich unterschiedlich entwickelt. Während die Aktivitäten in Frankreich und Tschechien unter den Erwartungen lagen, entwickelten sich die Geschäfte in Polen und Ungarn positiv.

Weitere Entwicklungsfelder eröffnen sich für Bell durch die Akquisitionen der Huber- und Eisberg-Gruppe. Huber ist auf Geflügelfleisch spezialisiert, Eisberg stärkt den Bereich für frische Convenience Salate innerhalb Hilcona.

Der Verwaltungsrat beantragt eine Erhöhung der Dividende um 5 Franken auf 70 Franken pro Aktie. Zudem empfiehlt er ein Aktiensplit im Verhältnis 1 zu 10. Statt 3500 Franken würde eine Aktie 350 Franken kosten und wäre so auch für die Mitarbeiter erschwinglich.