Was war das für eine Begrüssung der Nummer neun im Kleinholz! Erst degradiert Jiri Polansky Winterthurs Samuel Keller zum Schulbuben. Bereits durch diese Szene an der blauen Linie ist der EHCO-Neuzuzug für ein erstes Raunen der Zuschauer in der neuen Heimat besorgt.

Die Highlights der Partie zwischen Olten und Winterthur

Doch dann vernascht der Tscheche auch Torhüter Remo Oehninger mit einem platzierten Handgelenkschuss über die Schulter. Für seinen ersten Streich benötigte der Heimdebütant gerade mal 90 Sekunden, ehe er für seinen ersten Vollerfolg im Oltner Dress besorgt war.
Nach dem Spiel wurde Polansky vom Publikum mehrere Minuten frenetisch gefeiert.

Der «Mann des Spiels» wusste so gar nicht damit umzugehen und winkte den Fans zurückhaltend zu, bis schliesslich Maskottchen Speedy dem Tschechen das Feiern mit den Fans beibrachte und mit ihm die Welle anstimmte.

Von Polanskys Abschlusseffizienz ganz offensichtlich beeindruckt, erhöhte Ueli Huber auf einen fantastischen Flippass von Romano Pargätzi mit der zweiten Chance des Spiels auf 2:0. Es sollte gegen die äusserst lethargisch aufspielenden Zürcher bereits die Vorentscheidung sein – nach weniger als sechs Minuten!

Dass die Winterthurer im Herbst nach neun Meisterschaftsspielen kurzzeitig von der Tabellenspitze grüssten, lässt die Hockeyfans angesichts der Leistung vom Sonntag mehr als erstaunen. Winterthur, das am 1. Oktober noch zwei Punkte aus Olten entführte, war am Sonntag nur zu meist harmlosen Konterattacken imstande. Der EHC Olten seinerseits vermochte diese Tatsache für einmal mit einer starken Abschlusseffizienz für sich auszunutzen.

Und so mauserte sich die Partie vor lediglich 3063 Zuschauern schon früh zu einem besseren Trainingsspielchen. Bezeichnend hierfür war eine Chance um Jiri Polansky, der vor dem quasi leerstehenden Tor noch Marco Truttmann suchte (36.). Besser machte es dieselbe Sturmreihe in der 50. Minute, als Philipp Wüst einen gefühlvollen Polansky-Pass – beinahe ohne Gegenwehr der Winterthurer – verwertete.

Hürlimann, der Verteidiger

Trainer Maurizio Mansi zeigte sich nach dem Spiel zufrieden, fand aber im überzeugenden 6:1-Kantersieg auch Negatives: «Wir verhielten uns teilweise etwas undiszipliniert und hätten mit einem fokussierteren Auftritt noch mehr Tore erzielen können. Aber ich bin erfreut, dass die Fans gesungen und gefeiert haben», bilanzierte er. Und auch Stefan Hürlimann befand: «Wir haben vor allem am Anfang aus wenigen Chancen unsere Tore geschossen und es anschliessend souverän nach Hause gebracht.»

Der Teamcaptain absolvierte die Partie als Verteidiger, weil sich bei den Dreitannenstädtern seit Freitag in der Defensive eine angespannte Situation ergeben hat. Simon Schnyders Verdacht auf einen Bruch des Handgelenks aus dem Derby hat sich bewahrheitet. Er wurde am Samstagmorgen erfolgreich operiert und wird dem EHCO rund zwei Monate fehlen.

Und weil mit Meister (Hüfte), Chuard (Rücken) und Bagnoud (krank) drei weitere Defensivarbeiter fehlten, konnten gleich sechs nominelle Verteidiger nicht eingesetzt werden. Mansi: «Unser Captain hat seinen Job gut gemacht. Er hilft damit dem Team ungemein.» Hürlimann selbst sieht etwa die Umfunktionierung zum Verteidiger keineswegs als Strafe an: «Das Team hat mich gut unterstützt. Es hat Spass gemacht», so der Center.

Am Dienstag erwartet den EHC Olten gegen die Rapperswil-Jona Lakers (Kleinholz, 20 Uhr) wieder ein Spiel auf höherem Niveau. Mit einem Sieg im Direktduell könnten die Powermäuse die St. Galler in der Tabelle überholen. Andererseits droht den Oltern, den Drittplatzierten aus den Augen zu verlieren. «Am Dienstag müssen wir in allen Belangen wieder zulegen», weiss Hürlimann einzuschätzen. 

Telegramm

EHC Olten - EHC Winterthur 6:1 (2:0, 2:0, 2:1)

3063 Zuschauer. - SR Kämpfer, Abegglen/Kehrli. -  Tore: 2. Polansky (Pargätzi, Marco Truttmann) 1:0. 6. Ueli Huber (Pargätzi, Ramon Diem) 2:0. 27. Mäder (Feser) 3:0. 40. (39:42) Leonelli (Ramon Diem) 4:0. 43. Hutchings (Beeler, Adrian Wichser) 4:1. 50. Ast (Hirt, Schneuwly) 5:1. 51. Wüst (Polansky, Hürlimann) 6:1. - Strafen: 4-mal 2 Minuten gegen Olten, 1-mal 2 Minuten gegen Winterthur.

Olten: Nyffeler; Hürlimann, Kobach; Pargätzi, Ast; Grieder, Aeschlimann; Huber, Schneuwly, Hirt; Wüst, Polansky, Truttmann; Mäder, Feser, Ulmer; Schwarzenbach, Diem, Leonelli.

Winterthur: Oehninger; Leu, Gähler; Büsser, Molina; Roos, Hurter; Steinauer, Zuber; Beeler, Wichser, Hutchings; Thöny, Keller, Ganz; Lemm, Theodoridis, Staiger; Schärer, Lemm.

Bemerkungen: Olten ohne Gedig (überzählig), Bagnoud (krank) sowie Schnyder, Meister, Rouiller, Chuard Sahli, Morini (alle verletzt).

Das Spiel zum Nachlesen im Liveticker: