Mit 19 Punkten in 13 Einsätzen ist Jiri Polansky Oltens bester Skorer in der Regular Season. Zumindest, was die Punkteausbeute pro Spiel betrifft. Der Tscheche, den der EHC Olten Ende Dezember verpflichtet hatte, traf bisher zehnmal ins Schwarze und lieferte neun Vorlagen. Damit kommt er auf fast anderthalb Punkte pro Partie (1.46).

Topskorer Justin Feser lieferte in der Qualifikation 1.16 Skorerpunkte pro Spiel, an dritter Stelle bei den Oltnern liegt Curtis Gedig mit 0.97. Der NLB-Spitzenreiter in dieser Statistik ist Philip-Michael Devos vom HC Ajoie mit beeindruckenden 40 Toren und 57 Assist. Das ergibt 2.02 Punkte pro Spiel.

Weiss auch auf internationalem Eis zu überzeugen: Jiri Polansky mit einem Traumtor in der Champions Hockey League

Jiri Polansky goes coast to coast, dangles through the whole defense of Stavanger Oilers and scores unbelievable goal. 2nd round of Champions Hockey League (CHL) Group E HC Ocelari Trinec - Stavanger Oilers 4:5

Zurück zum effizientesten Punktesammler des EHC Olten: Jiri Polansky beurteilt seine bisherigen Leistungen nicht anhand seiner Skorerpunkte, für ihn zählen die Siege. Die Bilanz des Centers ist knapp positiv: sieben Siege und sechs Niederlagen. Vor allem die zwei Pleiten gegen den Qualisieger Langenthal nerven ihn. Er wisse, was diese Spiele den Fans und den Mitspielern bedeuten, sagt der 35-Jährige.

«Mir wäre ein Sieg gegen Langenthal lieber gewesen als zwei Tore gegen den Tabellenletzten zu schiessen. Ich war enttäuscht, dass wir zweimal verloren haben. Ich will die Jungs diese Saison unbedingt noch schlagen.» Er habe vor dem Derby eine spezielle Stimmung wahrgenommen in der Garderobe. Die Mitspieler hätten zwar gestresster und wohl auch nervöser gewirkt, aber auch heisser auf den Sieg. «Jeder liebt diese Spiele. Genau für die arbeiten wir jeden Tag hart an uns», sagt Polansky.

13 Jahre beim gleichen Klub

Als Derbys galten für Jiri Polansky bisher immer die Spiele gegen Vitkovice. Vor dem Wechsel in die Schweiz lief er in seiner Heimat 13 Saisons in Serie für den HC Trinec auf. Seine produktivste Saison bestritt Polansky 2008/09 mit 50 Skorerpunkten.

Zwischen 2012 und 2015 schaffte er in drei Saisons in Folge über 40 Punkte. Seine Ausbeute aus insgesamt 687 Einsätzen in der höchsten tschechischen Liga sind 173 Tore und 254 Assists. Vor sechs Jahren gewann Polansky mit Trinec den tschechischen Meistertitel.

«Ich ging mit 16 Jahren nach Trinec und fand meine zweite Heimat», blickt er zurück. «Dort lernte ich meine Frau kennen, wurde Vater von zwei Töchtern und lebte in einem schönen Haus.» Aus sportlicher Sicht brauchte er aber zwei Anläufe, um in Trinec Fuss zu fassen.

1998 wechselte Polansky von seinem Jugendklub HC Brno zu den U20-Junioren des HC Trinec. Nach drei Saisons zog es ihn in die Slowakei zu Zilina. «Ich war noch sehr jung und hatte keinen Platz im Kader der ersten Mannschaft von Trinec», erklärt er.

«In der Slowakei ist es einfacher für junge Spieler. Ich sammelte Spielpraxis in der höchsten Liga und konnte mich deutlich verbessern. Doch ich vermisste Trinec sehr. Und weil ich unbedingt zurückkehren wollte, arbeitete ich in der Slowakei so hart an mir.» Zwei Saisons spielte er im Nachbarland, bis er 2003 den ersehnten Sprung in die erste Mannschaft von Trinec schaffte.

In den vergangenen über zehn Jahren erhielt Polansky immer wieder Offerten aus dem Ausland. Er zögert mit der Antwort, wieso er gerade jetzt den Weg nach Olten fand. Es scheint nicht mehr alles im Lot gewesen zu sein beim HC Trinec. Polansky sieht es positiv: «Jetzt kann ich auch mal das Leben ausserhalb von Tschechien kennenlernen.» Dies hat er nun während knapp anderthalb Monate in Olten getan.

Jiri Polansky sprach nach dem ersten Training über seine Ankunft in Olten:

Jiri Polansky heisst der neue Stürmer des EHC Olten. Nach seinem ersten Training für den EHCO stand der Tscheche kurz Red und Antwort.

Sein Fazit: nettes Land, nette Leute, eine schöne Wohnung in Trimbach sowie viele Fans und eine gute Atmosphäre im Stadion. «Es gefällt mir sehr gut, alles ist perfekt.» Zumindest fast alles. Etwas stört ihn: «Das klingt vielleicht ein bisschen böse. Aber alles ist ein bisschen teuer in der Schweiz. Wenn man hier länger lebt, ist es wahrscheinlich normal. Ich kann auch nicht gut vergleichen, aber es ist mir aufgefallen.»

«Ich bin kein Tourist»

Seine Freizeit geniesst Polansky am liebsten mit seiner Frau und seinen Kindern. «Ich habe am Nachmittag zwischen den Trainings frei. Wir spazieren dann oft durch die Stadt. Meine Frau liebt die Holzbrücke.» Er wolle Olten unbedingt noch besser erkunden. «Ich muss nicht nach Bern oder Zürich, schliesslich lebe ich hier in Olten. Und ich bin ja auch kein Tourist, sondern zum Hockeyspielen hier», sagt er.

Nach den frappantesten Unterschieden zwischen seiner Heimat und der Schweiz befragt, antwortet Polansky: «Da gibt es natürlich sehr viele. Das würde zu lange dauern. Was mir an Olten aufgefallen ist, hier grüsst sich jeder beim Vorbeigehen.»

Und die Unterschiede, die das Eishockey betreffen? «Auch da gibt es viele», setzt er erneut ein Pokerface auf. Auf jeden Fall kam es so, wie er es erwartet hatte. Er holte sich Informationen bei Tschechen, die schon in der Schweiz spielten oder noch hier spielen. «Die wichtigste Information war für mich, dass in der NLB nur zwei Ausländer spielen dürfen. Ein durchschnittliches Spiel könne sich ein Ausländer deshalb praktisch nicht leisten. Er muss in jedem Match gut sein.»

Da der EHCO mit Justin Feser und Curtis Gedig zwei weiter Ausländer hat, muss immer einer in den sauren Apfel beissen. Polansky war bislang dreimal zum Zuschauen verdammt. «Das ist der Entscheid des Trainers und der hängt auch von der Taktik ab. Damit habe ich überhaupt keine Probleme», sagt er diplomatisch.

Laute Fans sind wichtig

Die zweite Information, die er im Vorfeld seines Transfers einholte, betraf die Zuschauerzahlen. «Das ist mir wichtig. In einem leeren Stadion zu spielen, macht keinen Spass», so Polansky.

Zu den Heimspielen des HC Trinec kamen etwa 5000 bis 6000 Zuschauer. Wie bei grossen Spielen oder Playoff-Partien im Kleinholz also. «Mein erstes Spiel für Olten war im Januar auswärts in Langenthal», erinnert er sich. «Beide Fangruppen waren sehr laut, wie ich es von zu Hause gewohnt bin.»

Polansky kommt nach 13 Einsätzen auf fast anderthalb Punkte pro Partie (1.46).

Dass es in der NLB aber nicht überall so ist, hat Polansky auch schon erfahren: «Wir hatten Spiele ohne Stimmung in der Halle. Ich kenne die Namen dieser Gegner nicht, aber da ist es schwer, sich voll zu motivieren.» Die Namen, die ihm verständlicherweise entfallen sind, wären zum Beispiel die GCK Lions mit 184, EVZ Academy mit 270 oder auch die Ticino Rockets mit 421 Zuschauern. «Da sind mir unsere Heimspiele definitiv lieber.»

Der Name von Oltens Playoff-Viertelfinal-Gegner ist dem Tschechen natürlich bekannt. «Ich habe noch nie in Rapperswil gespielt, das wird eine neue Erfahrung für mich», so Polansky. Im Kleinholz verlor er Mitte Januar das letzte Aufeinandertreffen gegen die Lakers mit 3:5. «Mit den Playoffs beginnt ein neues Kapitel, alles ist möglich», beurteilt er die Chancen des EHCO.

Dass Rapperswil Heimrecht geniesse, sei kein grosser Nachteil für die Oltner: «Ich hätte natürlich gerne zu Hause begonnen. Aber so ist es auch nicht tragisch. Das Heimteam hat vor allem in den ersten Spielen viel mehr Druck, wir können nur gewinnen.»

Und was liegt für die Powermäuse in den Playoffs im besten Fall drin? Das Team habe viel Potenzial, lobt Polansky. «Wenn wir an den grundlegenden Dingen arbeiten, können wir noch viel besser werden. Ich bin auf jeden Fall nicht hergekommen, um in der ersten Playoff-Runde rauszufallen. Die Saison soll nicht schon im März zu Ende sein.»

Fünf Jahre gibt er sich noch

Jaromir Jagr, der erfolgreichste tschechische Eishockeyspieler, ist mittlerweile 45 Jahre alt und spielt immer noch in der NHL. Wie lange Polansky gedenkt zu spielen? «Bis 40 auf einem hohen Niveau zu spielen, ist möglich», wägt er ab. «Zum Glück wurde mir schon früh von genau diesen älteren Spielern beigebracht, gut auf den Körper zu achten.»

Dies und natürlich auch eine Portion Glück hätten ihn bisher vor Verletzungen verschont. Vielleicht haben auch die Glücksbringer ihren Teil beigetragen. Polansky hat einen von seiner Frau im Spind, zudem malen seine Töchter vor jedem Spiel ein Bild für ihn. «Ich soll die Bilder immer mit in die Garderobe nehmen, sagen sie. Das gibt mir ein gutes Gefühl.»

Und eine Prise Aberglaube sorgt ebenfalls dafür, dass er den Körper eines zehn Jahre Jüngeren hat: «Ich starte beim Anziehen immer mit der rechten Seite. Auch das gibt mir ein gutes Gefühl. Ich könnte aber auch mit der linken Seite beginnen. Beim Training, aber nicht am Matchtag.»