In der Viertelfinalserie gegen Visp war der EHC Olten bislang jene Mannschaft mit mehr Möglichkeiten. Das behaupten nicht nur die Oltner selber, das bestätigen auch die Visper. «Olten ist spielerisch besser», sagt zum Beispiel Captain Tim Bucher, und Trainer Scott Beattie hakt nach: «Wir können Olten nur mit unseren kämpferischen Qualitäten besiegen.» Für ihn seien die ersten Minuten im heutigen fünften Aufeinandertreffen ganz besonders wichtig. «Die ersten Einsätze sind für uns überlebenswichtig. Wenn die Mannschaft sofort ins Spiel findet, dann ziehen wir das meistens über die ganze Distanz durch.» Dass beim Gegner allenfalls Zweifel aufkommen nach den zwei Niederlagen in Serie, davon will Beattie hingegen nichts wissen.

<p>«Olten ist spielerisch besser»</p>

Tim Bucher, Captain EHC Visp

«Olten ist spielerisch besser»

Auch bei den Powermäusen, welche ihrem Beinamen vor allem in den letzten beiden Partien nicht so richtig gerecht werden konnten, herrscht keinesfalls eine gedämpfte Stimmung. «Jetzt fängt es erst richtig an», schickt Sami El Assaoui eine Kampfansage ins Wallis, «jetzt wird es noch emotionaler. Wenn wir den Halbfinal erreichen wollen, müssen wir zu unserem Spiel aus den ersten beiden Viertelfinals zurückfinden, uns ganz auf unser Spiel konzentrieren.»

Stichwort Emotionen: Da schlägt das Herz des gebürtigen Wallisers sofort ein paar Takte schneller. Der Verteidiger ist der Aggressiv-Leader schlechthin beim EHC Olten und hat im letzten Spiel vor allem offensiv ein paar wichtige Akzente setzen können. «Bisher bin ich ruhig geblieben», lächelt er, «aber ich weiss, dass genau das mein Job ist und ich versuchen muss, an die Grenze zu gehen, Strafen zu provozieren, selber aber keine zu fassen.» Gerade in diesem Bereich fordert El Assaoui auch von seinen Mitspielern eine Reaktion auf die zwei letzten Partien. «Klar, das tut manchmal weh»; andererseits werde die Mannschaft als Ganzes weniger berechenbar, wenn sämtliche Linien über ein gewisses Aggressivitätspotenzial verfügten.

<p>«Wir müssen mit allen Mitteln versuchen, den Gegner müde zu machen. In jedem Drittel, in jedem Shift.»<br /><br /></p>

Sami El Assaoui

«Wir müssen mit allen Mitteln versuchen, den Gegner müde zu machen. In jedem Drittel, in jedem Shift.»

Wieder mehr Gefahr in Überzahl?

In eine ähnliche Richtung geht die Analyse von Trainer Heikki Leime. Sein Team habe bislang keinesfalls schlecht gespielt, betont der Finne, der vom Spiel in und aus der eigenen Zone – zu Recht – angetan ist. «Wir spielen es über die ersten zwei Zonen wirklich gut, doch dann fehlt uns ein wenig die Aggressivität im gegnerischen Drittel. Da agieren wir zu wenig aktiv.»

Der Schlüssel zum dritten Sieg in der Serie wird darüber führen, ob es die Oltner schaffen, nach der blauen Linie den Schalter umzulegen. Sprich, vom sehr souveränen und überlegten Aufbau in den «Aggressions-Modus» zu wechseln. Da der direkte Weg aufs Tor vor allem in den Playoffs praktisch uneinnehmbar ist, muss sich die Energie in den Ecken entladen. Und da zeigten die Oltner zuletzt die grössten Defizite in ihrem Spiel.

<p>«Er kann uns ganz sicher helfen»</p>

Heikki Leime

«Er kann uns ganz sicher helfen»

Auffallend war auch die fehlende Effizienz im Powerplay. Seit beinahe acht Dritteln wartet der EHCO mittlerweile auf ein Erfolgserlebnis, doch Besserung zeichnet sich ab – dank der Rückkehr von Fabian Ganz. Am Montag trainierte der punktebeste Verteidiger der Liga erstmals nach seiner Schulterverletzung auf dem Eis, heute gibt er also sein Comeback. «Er kann uns ganz sicher helfen», ist Leime froh um eine Alternative speziell im Powerplay. Somit ist wieder in beiden Formationen die so wichtige Position des Blueliners besetzt, wodurch Sami El Assaoui wieder in der zweiten Powerplay-Linie entscheidende Impulse geben kann.

«In jedem Einsatz ans Limit»

El Assaoui spricht denn auch vom Überraschungsmoment, welches jetzt vielleicht wieder besser zum Tragen komme. So oder so sieht er die Vorteile in diesem fünften, womöglich wegweisenden Spiel aufseiten des EHCO. «Zum einen spielen wir zu Hause, zum anderen verfügen wir über das breitere Kader. Je länger die Serie also dauert, desto besser für uns.» Für seine Mannschaft müsse das heissen, den Gegner mit allen Mitteln versuchen, müde zu machen, «in jedem Drittel, in jedem Shift. Bezüglich Aggressivität müssen wir ans Limit gehen, damit sie merken, dass die Serie hart wird.»

Die Oltner Mannschaft der Saison 2015/2016

Bereits jetzt steht aufseiten des EHC Visp fest, dass die Serie gegen Olten zumindest finanziell ein Erfolg wird.

Das dritte Heimspiel am Sonntag spült sehr willkommene zusätzliche Einnahmen in die Kassen der Oberwalliser, welche mit ihrem auf 3,5 Millionen Franken veranschlagten Budget deutlich hinter dem EHCO her hinken – wenngleich, so Geschäftsführer Sébastien Pico, im Moment der sportliche Aspekt klar im Vordergrund stehe. Und zu was die Visper in dieser Phase der Meisterschaft imstande sind, wenn sie einmal Fahrt aufgenommen haben, ist hinlänglich bekannt.