Wenn der EHC Olten heute Abend (20 Uhr) im Kleinholz auf die Rapperswil-Jona Lakers trifft, dann wird es – wenn alles nach Plan läuft – auch zu einem Torhüter-Bruderduell kommen. Im Tor der Powermäuse wird Dominic Nyffeler (24) stehen, in jenem der Gäste dessen Bruder Melvin (22).

Dass es überhaupt so weit kommen wird, zeigt, wie schnelllebig das Sportbusiness oft ist. Noch im September war Melvin Nyffeler arbeitslos. Der EHC Kloten nahm ihn nach der Verletzung von Stammgoalie Martin Gerber schliesslich für total vier Monate unter Vertrag.

Über die Weihnachtstage wurde er dann an den HC Davos ausgeliehen, um den an der U20-WM weilenden Joren van Pottelberghe zu ersetzen. Er verstärkte den Rekordmeister somit auch am Spengler Cup und feierte im gelbblauen Dress sogar einen Sieg.

Im neuen Jahr folgte schliesslich die Ausleihe zu den Lakers, die ihn voraussichtlich bis Ende der laufenden Saison behalten werden.

Womit sich für Melvin Nyffeler der Kreis wieder schliesst. Er stand noch in der letzten Saison im Tor der Rapperswiler, konnte sich im Sommer aber nicht auf einen neuen Vertrag einigen und stand letztlich mit leeren Händen da.

Erinnerungen an die letzten Playoffs

Mit den Lakers war Melvin Nyffeler im letzten NLB-Playoff-Final am HC Ajoie gescheitert. Auf dem Weg in die Endspielserie traf er im Viertelfinal unter anderem auch auf den HC Thurgau, in dessen Tor damals noch. . . sein Bruder Dominic stand.

Und der hat selbstredend schlechte Erinnerungen an jene dramatische Serie, in welcher der grosse Aussenseiter Thurgau den Qualifikationssieger Rapperswil an den Rand des Ausscheidens gedrängt hatte.

Die Thurgauer führten bereits mit 3:1-Siegen, mussten sich dann aber doch noch nach sieben Spielen geschlagen geben. «Deshalb habe ich mit meinem Bruder immer noch eine Rechnung offen», sagt Dominic Nyffeler lachend. Nur, dass er jetzt nicht mehr das Dress des HCT trägt, sondern jenes des EHC Olten.

Dominic blickt dem Bruderduell mit grosser Vorfreude entgegen. Primär deshalb, weil er weiss, dass Melvin nach Monaten der Unsicherheit und Temporärjobs nun in Rapperswil wieder eine Bleibe mit Perspektive gefunden hat. Die persönliche Rivalität zwischen den Beiden hält sich indes in engen Grenzen.

«Es ist letztlich ein Spiel wie jedes andere, welches man gewinnen will. Ob jetzt im Tor des Gegners der Bruder steht, macht für mich keinen grossen Unterschied. Es wäre noch etwas spezieller, wenn Melvin Stürmer wäre und so gegen mich ein Tor erzielen müsste», sagt Dominic Nyffeler.

Der brüderliche Umgang ist gemäss des Oltner Goalies seit je her sehr entspannt und freundschaftlich. Während des Spengler Cups fieberte Dominic mit Melvin mit, als dieser mitten im medialen Rampenlicht das Davoser Tor hütete.

Schon die besagte Playoff-Serie zwischen Rapperswil und Thurgau verlief aller sportlichen Dramatik zum Trotz fast frei von intrafamiliären Emotionen.

«Vor dem Spiel schauen beide für sich selbst. Wir sind nicht die Typen, die sich gegenseitig noch per SMS oder am Telefon hochnehmen», erzählt Dominic Nyffeler, der ganz am Schluss aber doch einen kleinen verbalen Haken gegen seinen Bruder schlägt: «Wir freuen uns zwar immer füreinander, wenn der andere ein gutes Spiel gemacht hat. Aber ich bin sicher nicht böse, wenn er heute Abend gegen uns auch mal daneben greift.»

Dem EHC Olten wäre das in diesem wichtigen Spiel im Kampf um Platz vier sicher auch nicht unrecht.