Die erste Runde der Schweizer Informatik-Olympiade (SOI) ist geschafft, mittendrin der Schönenwerder Jan Schär (17). Am Samstagnachmittag fand an der ETH Zürich der SOI-Tag statt, an dem sich der Kantischüler auf dem Podium wiederfand.

Dass er in den Aufgaben der ersten Runde (siehe Kontext) gut abgeschnitten hatte, wusste er bereits im Vorfeld: «Direkt nach dem Einsenden der Aufgaben, erhielt ich die Auswertung.» Er wusste aber noch nicht, dass er auf dem zweiten Platz gelandet ist.

«Ich bin sehr froh. Vermute aber, dass sich viele in der ersten Runde noch nicht sehr angestrengt haben. Die geben dann in der zweiten Runde Vollgas», so der Zweitplatzierte.

Der Programmierwettbewerb SOI ermöglicht es, die Schweiz an der Internationalen Informatik-Olympiade zu vertreten.

Die SOI ist ein Programmierwettbewerb, der im Jahre 1992 ins Leben gerufen wurde, um computerbegeisterten Jugendlichen unter 20 Jahren eine Plattform zu bieten, wo sie ihre Programmierfähigkeiten unter Beweis stellen und sich austauschen können. Die Teilnehmer durchlaufen zwei Runden. In der ersten Runde müssen die Teilnehmer innerhalb von zwei Monaten selbstständig Aufgaben lösen. Die zweite Runde, besteht aus zwei Teilen (Online Contest und theoretische Prüfung) die an verschiedenen Daten im März vor Ort gelöst werden müssen. Die zwölf Besten der zweiten Runde werden nach Zürich an die Finalrunde im April eingeladen, welche an zwei Wochenenden in Zürich stattfinden wird. Dort entscheidet sich, welche vier Finalisten diesen Sommer nach Russland an die 28. Internationale Informatik-Olympiade (IOI) reisen dürfen, um die Schweiz zu repräsentieren. Es handelt sich bei der IOI um eine der fünf Wissenschaftsolympiaden, die von der UNESCO unterstützt werden. Jedes Jahr treten knapp 300 Programmiertalente aus über 80 verschiedenen Ländern gegeneinander am. (LM)

Sechs Aufgaben

Drei praktische, zwei theoretische und eine kreative Aufgabe, waren die Hürden der ersten Runde, die es innerhalb von zwei Monaten (1. Oktober bis 30. November) selbstständig zu bewältigen und einzureichen galt.

Für die kreative Aufgabe, beziehungsweise Strategieaufgabe, musste Schär eine Programmierlösung finden, welche ein Fahrzeug auf schnellstem und sicherstem Weg ins Ziel steuert. Die Programme wurden in Anwendung vor Ort in einem Turnier gegeneinander ausgetestet.

«Die Kreativitätsaufgabe war umfangreich. Es gab viele Faktoren, die man berücksichtigen musste. Unter anderem gab es Extras, die erlaubten die anderen Mitspieler zu stören. Auch dafür musste man gewappnet sein», erklärt der Nachwuchsinformatiker, der auch in dieser Kategorie den zweiten Platz holte.

Von den über 70 Teilnehmern reichten aufgrund der Schwierigkeitsstufe gerade mal sieben eine Lösung für die Rennenaufgabe ein.

Der 17-Jährige löste am liebsten die praktischen Aufgaben. «Beim Programmieren finde ich interessant, eine Lösung für ein Problem zu finden, die dann tatsächlich umsetzbar ist und auch funktioniert. Am Schluss hat man etwas geschaffen, das einen Nutzen hat.»

Passion Informatik

Dass Jan Schär das naturwissenschaftliche Profil der Kantonsschule Olten besucht ist nicht verwunderlich. Mit Schwerpunkt Mathematik und Physik ist er auf der sicheren Seite.

Mit dem Programmieren begann er bereits während der Primarschule: «Das, was ich während der Primarschule geschrieben habe, war noch nicht wirklich gut. ‹Spaghetticode› nennt man das unter den Informatikern.

Zum Beispiel, wenn der Programmierer einfach Codes kopiert oder das Wissen fehlt, wie man ein Problem schlauer lösen könnte.» Er sei neugierig gewesen, wie Websites funktionieren, was passieren würde, wenn er etwas an der Quelltext-Funktion verändert.

Er suchte die benötigten Informationen im Internet, verfolgte Tutorials auf Deutsch und Englisch, tauschte sich online aus. So rutschte er in die Programmierwelt: durch eigenes Ausprobieren.

An der SOI teilzunehmen hatte Schär nicht beabsichtigt: «Ein Kumpel aus der Parallelklasse machte mich darauf aufmerksam.» Und so habe er sich angemeldet, was er jederzeit wieder tun würde.

Die Herausforderungen der ersten Runde gefielen ihm. Er freut sich auf die zweite Runde. Es werde schwieriger, weil die Anzahl der wählbaren Programmiersprachen eingeschränkt wird.

Ob er es wirklich in der Finalrunde unter die Top Vier schafft und somit an der Internationale Informatikolympiade (IOI) für die Schweiz antreten darf, kann er nicht abschätzen.

Eines ist aber sicher: «Beim Trainingslager in Davos bin ich dabei.» Auch sein Kumpel aus der Parallelklasse hat es unter die ersten 24 geschafft und erhielt ein Ticket für nach Davos. Dort werden speziell IOI-ähnliche Aufgaben trainiert und Vorträge zu Themen der Informatik gehalten.

Eigene App: Kantiplan

Einen Erfolg darf der Nachwuchsinformatiker bereits feiern: seine vor zirka zwei Jahren selbst programmierte Stundenplan-App Kantiplan. «Die Website der Kanti Olten ist nicht mobiltauglich. Deshalb kreierte ich innerhalb von ein paar Tagen diese App, um besseren Zugriff auf die aktuellen Stundenpläne zu haben.»

Konrektor Patrick Heller verwies auf der Kanti-Homepage mit einem Link auf Schärs App. Schär wisse nicht, wie viele Leute sie heruntergeladen haben. Er zumindest benutze seine eigene App.