Ja, ohne das erste «Winterchen» seit Ende Februar 2013, dem Wintereinbruch am 27. Dezember, wäre das Jahr 2014 wohl das wärmste seit Beginn unserer Aufzeichnungen 1999 geworden. So aber hält das Jahr 2000 mit einem Jahresmittel von 11,3 Grad weiterhin die Spitze vor dem letzten Jahr, das mit ebenfalls sehr warmen 11,2 und damit gut einem Grad zu warm geendet hat. Verantwortlich dafür waren neun zu warme Monate, unter denen vor allem die Winter und Herbstmonate mit deutlichen Ausschlägen gegen oben herausragten. Das kälteste Jahr seit 1999 war mit 9,7 Grad 2010. Nicht ans fast rekordwarme letzte Jahr heran kam dagegen 2003 mit seinem «Jahrtausendsommer»: Jeder Sommermonat war damals 3 bis 4 Grad zu warm gewesen – in der Jahresbilanz blieb damals aber ein Mittel von «nur» 10,8 Grad.

Regen im Mass

Das Sechsjahresmittel an Regen von 1250 Litern pro Quadratmeter wurde im Wallierhof Riedholz mit 1232 Litern nicht ganz erreicht, in Solothurn mit nur gut 1000 Litern deutlich verfehlt. Insgesamt 160 Regentage sorgten für diese Bilanz. Die trockensten Monate waren der März und der September mit deutlich weniger als der Hälfte des Monatsdurchschnitts von gut 100 Litern im Wallierhof. Einsame Spitze dagegen blieb von der Regenmenge her ausgerechnet der Juli mit 268 Litern im Wallierhof und über 200 in Solothurn.

Ganz zuletzt kam der Winter

Auch wenn das Monatsende weiss und kalt ausfiel: Der Dezember 2014 reihte sich nahtlos in die Reihe der viel zu warmen Monate im letzten Jahr ein. Mit einem Monatsdurchschnitt von 3,5 Grad blieb er ebenfalls 2,7 Grad über dem langjährigen Temperaturmittel in unserer Region. Den gleichen Wärmeüberschuss verzeichnete der Februar – der Januar, Oktober und November übertrafen gar die 3-Grad-Marke an überdurchschnittlicher Wärme (vgl. oben). Besonders nass war der vergangene Dezember nicht: Die 91,9 Liter pro Quadratmeter im Wallierhof Riedholz und 70 in Solothurn fielen zu rund einem Drittel in der Form von Schnee.

Der erste Wintermonat begann so düster, wie der November aufgehört hatte: Hochnebel, Wolken und etwas Regen bei durchweg Plustemperaturen waren bis zum 8. Dezember eine Konstante. Insgesamt musste Solothurn geschlagene 14 Tage am Stück ohne einen Sonnenstrahl unter der grauen Decke ausharren. Am 10. Dezember gabs erstmals im Herbst und Frühwinter 2014 Morgenfrost. Insgesamt blieb aber der milde, wechselhafte Wettercharakter erhalten, und so wurde grüne Weihnachten einmal mehr Realität – nach einer Serie sehr sonniger, trockener Tage, die auch die Eröffnung der Seilbahn Weissenstein am 20. Dezember begünstigten.

72 Stunden zu spät für Weihnachten folgte dann endlich der in den Bergen heiss ersehnte grössere Wintereinbruch: Am 27. Dezember fielen nach Regen um die Mittagszeit zusammengesackte 15 cm Neuschnee, bei kälteren Temperaturen wuchs die Schneedecke in Solothurn bis Silvester gar auf 21 cm an. Der Wärmeeinbruch nach dem Jahreswechsel akzentuiert sich allerdings noch aufs kommende Wochenende hin. Chancen auf eine Rückkehr des Winters bestehen erst in den letzten zwei Januarwochen. Vorher bleibts tendenziell mild. (ww)

Überhaupt kein Winter

Für das viel zu warme Jahr sorgten bereits einmal die beiden Wintermonate Januar und Februar. Sie allein «erarbeiteten» bereits einen Temperaturüberschuss von 3,1 Grad pro Monat gegenüber dem langjährigen Mittel. Der Januar brachte geradezu erstaunliche Phänomene: So gabs den ganzen Monat über nicht einen einzigen Eistag und ausser am 24. keine einzige müde Schneeflocke bis ins Mittellland.

In den letzten Jahren hatte sich jeweils der Februar als härtester Wintermonat mit Dauerfrost und einer wochenlangen Schneedecke erwiesen. Wer aber geglaubt habe, der Monat spiele diese Rolle im bisher nicht gehabten Winter 2013/14 wieder, der hatte sich gründlich getäuscht: Der Februar war noch fast ein Grad wärmer als der Januar, brachte es ebenfalls auf keinen Eistag und von Schnee gabs nie auch nur eine Spur. Ähnliche Verhältnisse hatte es zuletzt allerdings erst im Januar und Februar 2008 gegeben.

Frühling liess sich nicht lumpen

Im Gegensatz zum Vorjahr, als sich der Frühling 2013 zum permanenten Spätwinter ausgewachsen hatte, liess der Lenz 2014 vorläufig keine Wünsche offen. Der März verlief ausgesprochen trocken, sonnig und mild; der ausgebliebene Winter meldete sich nur zweimal für einen Tag zurück. Der April geizte ebenfalls nicht mit Sonne, war auch zu warm und trübte sein Gesamtbild nur mit dem kältesten Tag ausgerechnet am Vortag von Ostern, als der Weissenstein am 19. April nochmals Schnee sah. Der Mai dagegen brachte als erster Monat des Jahres keinen Wärmeüberschuss und war mit 18 Regentagen ein Wonnemonat der eher feuchteren Sorte.

Der Pleite-Sommer

Der Juni liess es gleich einmal krachen: Am 8./9., dem Pfingstwochenende, wurde die 30-Grad-Marke erstmals geknackt. Niemand ahnte damals, dass die drei, vier Tage der Badi schon den Rekordaufmarsch dieses Sommers beschert hatten. Die zweite Junihälfte fiel gewittrig aus, doch der Monat sollte immerhin der Wärmste des Jahres werden. Denn mit 20 Regentagen, Hochwasser und der eingestellten Aareschifffahrt sorgte der Juli nur für negative Sommerschlagzeilen. Deshalb fand im August auch kein Aareschwimmen statt. Der letzte Sommermonat war zwar viel trockener als sein Vorgänger, aber wechselhaft und kühl.

Dafür ein goldener Herbst

Als schämte sich der Herbst für seinen saumseligen Kollegen Sommer, zeigte der September, was er drauf hatte: Mit nur sechs Regentagen und viel Sonnenschein blieb er deutlich sonniger und wärmer als üblich. Naturgemäss fiel der Oktober etwas nebliger und feuchter aus, doch auch er lag von den Temperaturen her stets im Bereich eines zweistelligen Tagesmaximums. Ja noch nach der Monatsmitte gabs mittags fast 20 Grad und am Landhausquai herrschte noch Spätsommerstimmung. Der November machte ebenfalls keine Anstalten, den Winter anzukünden: Den ganzen Monat über wurde kein Morgenfrost registriert, und auch der sonst übliche erste Schnee bis ins Flachland blieb völlig aus –, wie es 2014 eben Trend war.