Der Schauraum wirkt leer und licht an diesem sonnigen Wintertag. Allerdings nur auf den ersten Blick. Die rund dreissig grossformatigen Fotografien an den Wänden nehmen das geräumige Ausstellungslokal in der Oltner Innenstadt ein: markige Porträts und raue Landschaftsbilder des Niedergösger Fotografen Remo Buess.

Buess bringt erst einmal Espresso, vergisst auch das Beutelchen Zucker und den Kaffeelöffel nicht. «Möchtest du noch ein Glas Wasser?», fragt er nach. Eine unspektakuläre Geste, die aber bezeichnend ist für den 38-Jährigen. Aufmerksamkeit scheint die Stärke des Fotografen zu sein, im doppelten Wortsinn.

«Ein grosser Anteil beim Fotografieren ist der Umgang mit den Leuten», sagt Buess. Auf sie eingehen können, dafür sorgen, dass sie sich wohlfühlen, das sei extrem wichtig. «Man sollte schon ein Menschenfreund sein», meint er lachend. Zumindest, wenn man sich wie er auf Porträtfotografie spezialisiert hat.

Aufs Wesentliche reduziert

Die Fotografien an den Wänden zeigen Antlitze bildender Künstler aus der Region, Franz Hohler, den Oltner Fahnder Max Durrer, Schwinger am Schwingfest 2015 in Seedorf. Die meisten der Bilder sind dunkel gehalten, «reduziert auf das Wesentliche», sagt Buess. Und sie sind kaum retuschiert, er möchte seine Sujets möglichst natürlich darstellen.

Woher kommt seine Faszination für Gesichter? «Sie erzählen Geschichten, und sie können nicht lügen. Ich glaube sogar, man kann aus ihnen den Charakter der Person herauslesen», ist Buess überzeugt. Der übrigens zugeben muss: Privat gehe er nicht so sehr auf die Leute zu. «Am liebsten sitze ich im Café und beobachte die Menschen.»

Seine ersten fotografischen Schritte machte Buess jedoch in der Landschaftsfotografie. Als er im Alter von 20 Jahren ein halbes Jahr in Australien verbrachte, nahm es ihm den Ärmel rein. Später hatte er das Glück, dem international erfolgreichen Oltner Fotografen Marco Grob als Assistent behilflich sein zu können – weil er mit ihm befreundet war.

Bei einem Shooting mit Roger Federer oder einer Aufnahme des französischen Präsidenten im Élysée-Palast in Paris etwa. Die «talentiertesten Leute auf der Welt» hatte er schon vor der Linse. Ob man da nicht abhebe? «Nein, weil die meisten selbst total am Boden geblieben sind», seine Erfahrung. Aber sie inspirieren ihn, öffnen Horizonte.

Buess, der auch für das Oltner Kulturmagazin «Kolt» und das Kundenmagazin der «Jura» Fotos schiesst, ist erst seit rund drei Jahren als professioneller Fotograf tätig. Nach wie vor arbeitet er 80 Prozent in seinem erlernten Beruf, den er aber nicht in der Zeitung lesen möchte: «Ich will als Fotograf wahrgenommen werden.»

Denn für die Fotografie wende er gut ebenso viel Zeit auf. Und wenn er wollte, könnte er inzwischen allein von der Fotografie leben. So aber ist er in der komfortablen Position, nicht jeden Auftrag annehmen zu müssen. Und Zeit für eigene künstlerische Arbeiten zu haben. Einige davon sind im Schauraum zu sehen.

Schauraum, Ringstrasse 26, Olten. 18./19./25./26. Februar, 10 bis 16 Uhr.