«Das war zu meiner Schulzeit das Schwänzcafé», erinnert sich Daniel Hellmann, während wir ein unspektakuläres Café in Zürich betreten. Der 28-Jährige ist in Zürich aufgewachsen und eben aus Berlin angereist.

Er erzählt, wie er im Alter von drei Jahren eine Zauberflöten-Verfilmung gesehen hat. «Daraufhin wollte ich Sänger werden.» Da er wusste, dass Solisten im Opernhaus «Die Drei Knaben» singen dürfen, meldete er sich bei den Sängerknaben, «ohne meine Eltern zu fragen, die das damals nicht so lustig fanden.»

Gleichzeitig besuchte er als einziger Bub unter Mädchen Ausdruckstanz für Kinder. Nach drei Jahren gingen Tanzen und Singen nicht mehr aneinander vorbei. «Ich entschied mich fürs Singen.» Mit dem Ziel, Sänger zu werden, «der in den grössten Opernhäusern der Welt auftritt», studierte der Vielbegabte zunächst Gesang. Ernüchtert stellte er jedoch fest: «Gesang verlangt unglaublich viel Fokus. Es ist aber nur ein Ausdrucksmittel von vielen, die mich interessieren.»

(Quelle: youtube/3art3Company)

3art3 Company tanzt «K»

Das Dilemma bestand für ihn darin, wohin er sich beruflich entwickeln sollte. «Nachdem ich in Bern (den Master of Arts in Theater, Anm. d. Red.) angefangen hatte, fand ich: Super! Fertig mit der Oper.»

Sobald ihn aber Opernwerke – «meist solche aus dem 20. Jahrhundert» – beeindrucken, meldet sich sein Sänger-Herz: «Wow! Dieses Musiktheater mit dem ganzen Apparat haut mich um!» Der Bass-Bariton bewirbt sich dann zum Vorsingen. Kriegt er den Job, denkt er: «O Gott!» Wieder und wieder. «Jetzt lach ich nur noch über mich, wenn wieder so eine geile Oper kommt.» Das Hin und Her kann er sich jetzt nicht mehr leisten.

Selbstironie als Strategie

«Ich habe eine fröhliche, offenherzige Seite. Innen drin bin ich aber ein scheuer, verletzlicher Junge, der düstere Fantasien hat, die sich in den Projekten zeigen.» Man kann sich kaum vorstellen, dass der aufgeweckte Mann ein Aussenseiter war. «Ich traute mich nicht zu reden in der Schule. Immer so mit der Hand auf dem Kopf.» Er duckt sich, versteckt seinen schwarzen Haarschopf unter der Hand und blickt ängstlich zwischen seinen Fingern hindurch. «Ich flüsterte in der Schule – und gleichzeitig wollte ich die Zauberflöte singen.»

Hellmann lacht ob diesem Widerspruch. «Es wurde eine Strategie für mich, diese Seite wegzuschieben und der verrückte, lustige Künstler zu werden. Aber gleichzeitig nehme ich mich ernst, fast zu sehr.» So erinnert er sich, wie nervös alle waren an der Premiere von «K.». Seither sind zehn Vorstellungen über die Bühne. «Dadurch, dass wir nicht regelmässig zusammenarbeiten, mussten wir Adaptionen machen.»

Die letzte Vorstellung war im April. «Ich bin gespannt, wie sich die Gruppe in Olten wieder zusammenfindet.» Im Tanzhaus Zürich gabs dreimal Standing Ovations.

Trotz dieses Erfolgs ist Hellmann enttäuscht: Der Sprung ins Ausland ist noch nicht geschafft. «Es war hart, so Erfolg zu haben und zu sehen, wie es dennoch schwierig ist.» Gastspieleinladungen musste er ablehnen: «Weil wir teuer sind für einen noch unbekannten Namen.» Doch er lässt sich nicht bremsen. Die Proben fürs zweite Stück laufen. «Ich bin im Kopf eh schon am dritten», lacht er, packt seine Jacke und rennt los.