Es gibt Leute, die Folgendes behaupten: «Wäre Giori bei den Ruderern gelandet, hätte er die Position des Schlag- und Steuermanns gleichzeitig übernommen.» Franco Giori (60) lacht über die Metapher. Er sagt nicht: «Der Satz ist gar nicht mal so daneben.» Nein, Giori sagt: «Hat was, der Satz trifft mein Wesen: den Takt angeben und gleichzeitig die Richtung bestimmen.» Der Mann steht gern an der Spitze, zumindest aber in der ersten Reihe. In hiesigen Breiten ist ein solches Bekenntnis nur selten so unverstellt zu hören. Und: «Ich habe gern mit Leuten zu tun», fährt er fort.

Halbes Leben beim Sportverein

Schlagzahl und Richtung angeben: Das hat der Mann, der in Dulliken aufwuchs und des Handball- und nicht des Faustballspiels wegen nach Olten kam, nun 35 Jahren machen können. Nicht bei den Ruderern, sondern beim 50-jährigen Sportverein Olten (SVO), wo er erst als Handballtorhüter agierte und später, als sich die Riege mehr und mehr auflöste, zum Faustballspiel wechselte.

«Ich glaube, der Kameradschaft wegen blieb ich im SVO», sagt er heute. Man rechne: Giori übernahm beim SVO das Ruder mit 25 Jahren. Die Frage nach seinem schönsten Präsidialerlebnis beantwortet er mit dem Hinweis auf die im Jahr 1999 durchgeführten Faustball-Weltmeisterschaften im Kleinholz.

Wichtiger aber scheint dem Zentralpräsidenten Swiss Faustball, dem Vizepräsidenten der International Fistball Association und dem Präsidenten der Europaen Fistball Association in Personalunion aber vor allem: «Ich habe als Präsident des SVO dazu beigetragen, dass es diesen Verein überhaupt noch gibt und er sich für Sportarten wie Indiaca oder Lacrosse geöffnet hat.» Natürlich gabs auch Schlappen: «Ich erinnere mich, dass wir einst das bekannte Tanzmusikensemble Hugo Strasser für eine Veranstaltung engagierten.

Der Publikumserfolg blieb aus und der Verein auf Schulden sitzen. Mitglieder mussten Anteilscheine zeichnen, um die Schulden decken zu können, erhielten aber im Lauf der Jahre das Geld wieder zurück.» Gioris Maxime «Es gibt immer eine Lösung» legt die Vermutung nahe, er sei Optimist? Er zögert. «Nicht unbedingt», sagt er. Eine gewisse Skepsis schwinge stets mit. «Ich glaube, ich bin ein skeptischer Optimist», bilanziert er.

Hoher Funktionär

Giori ist ein grosses Tier bei den Faustballern, national wie international und trotzdem «Berufsoltner», wie er sagt. «Ich glaube, das wird, wer wie ich 20 Jahre bei der Stadt in Lohn und Brot steht und sich sonst vielseitig engagiert», sagt er auch als Präsident des Vereins Kinderkrippe Olten. Immer wieder etwa hielt man ihm an der Fasnacht vor, er würde mehr Zeit für Faustball und allerlei andere Dinge aufwenden denn für seinen eigentlichen Job als Leiter Öffentliche Sicherheit.

«Zu Beginn hat mich das getroffen», sagt er. Irgendwann aber habe sich alles relativiert, stellt er fest. «Wer ein gewisses Engagement zeigt, der findet an der Fasnacht in irgendeiner Form auch Erwähnung. Meine beruflichen Aufgaben und Leistungen erfüllte ich immer. Sie wurden nie angezweifelt!» Und der Träger des kantonalen Sportverdienstpreises von 2014 verrät, dass er durchaus mal an einem Engagement in einer Fasnachtszunft herumstudiert habe. «Aber irgendwie schien mir das dann doch zu viel», resümiert er.

Die Attribute Gioris

Umtriebig, präsent, genau, bestimmt: Attribute Gioris. Und die Musse, Franco Giori, die Musse? «Hab ich», sagt er, und outet sich flugs als Genussmensch. «Geselligkeit, gutes Essen, ein gutes Glas Wein.» Dem wird er künftig mehr frönen können, auch wenn er sagt: «Ich arbeite weiterhin gerne für den SVO. Aber nur im Auftrag des neuen Präsidenten, ich bin ja nicht mehr im Vorstand.»

Dass mit Luis Geiser, ein Nachfolger gefunden wurde, der am Samstag das Amt übernimmt, bezeichnet Giori als ein Glücksfall. Klar: Solches widerfährt eben nur skeptischen Optimisten.