Mittwochabend im Solothurner Landhaus: Regierungsrat Peter Gomm präsentiert den Gewinner des siebten Solothurner Sozialsterns: Es ist die Kappeler Firma Marti AG, Schreinerei und Schliesstechnik, die für ihr Engagement für psychisch beeinträchtigte Menschen ausgezeichnet wird. «Ich war ziemlich überrascht, als ich davon erfahren habe», erzählt Geschäftsführer Hans Marti, der die Firma im Jahr 1979 zusammen mit seiner Frau Kathrin gegründet hat. «Wir haben nicht damit gerechnet, weil unser Engagement für uns selbstverständlich ist.» 

Vier Betriebe nominiert

Regierungsrat Peter Gomm, Vorsteher des Departements für Inneres, würdigte dabei den ausgezeichneten Familienbetrieb als Firma, «die sich besonders vorbildlich für Menschen mit einer psychischen Beeinträchtigung engagiert». Weitere für die diesjährige Preisvergabe nominierte Betriebe waren die Firmen Bargetzi, Gartenunterhalt & Produktion, Solothurn; das Hotel Restaurant Baseltor, Solothurn und die GAG, Genossenschaft für Altersbetreuung und Pflege Gäu, Egerkingen. (szr)

Der Sozialstern wird an Institutionen oder Firmen verliehen, die sich speziell für Menschen mit einer psychischen Beeinträchtigung einsetzen und ihnen Arbeitsmöglichkeiten anbieten. Neben der Schreinerei Marti waren in diesem Jahr noch drei weitere Firmen nominiert.

Wunsch: «Selbstständigen Leben»

Die Schreinerei, die sich auf Reparaturen spezialisiert hat und einen Schlüsselservice betreibt, beschäftigt 27 Mitarbeiter. Fünf davon mit einer psychischen Beeinträchtigung. «Zwei Akutfälle, zwei leichtere Fälle und einen Spezialfall», wie Hans Marti ausführt. Ein Mitarbeiter, der schon seit elf Jahren für die Schreinerei tätig ist, ist durch seine Angstzustände beeinträchtigt und kann dadurch auch mal ausfallen.

Der andere akute Fall, ein Mann anfangs 30, der IV bezieht, arbeitet seit zwei Jahren im Betrieb. Anfangs sei er sehr zurückhaltend gewesen, erzählt Marti, aber stets anständig und pünktlich. «Es war sein Wunsch, ein selbstständiges Leben führen zu können», weiss Marti. Dies sei nun der Fall: Zusammen mit der IV, Ergänzungsleistungen und dem Lohn kann er sich seinen Lebensunterhalt finanzieren.

Zudem beschäftigt die Firma zwei Mitarbeiter, die sich in psychiatrischer Behandlung befinden und einen 27-jährigen KV-Lehrling, der nach der Oberstufe nichts mit seinem Leben anzufangen wusste und keinen Sinn mehr sah. Erst nach einem Krankheitsfall in der Familie fand bei ihm ein Umdenken statt. Der junge Mann begann im Rahmen des Berufslernverbundes Thal-Mittelland eine kaufmännische Lehre, die er im nächsten Sommer abschliessen wird.

Die richtige Balance finden

«Wir behandeln alle unsere Mitarbeiter gleich», erklärt Marti. «Manchmal braucht es halt einfach ein paar Worte mehr», weiss der 62-Jährige aus seiner langjährigen Erfahrung. «Und vor allem Fingerspitzengefühl.» Wichtig ist dem Geschäftsführer auch der menschliche Aspekt in seinem Unternehmen: «Wir führen den Betrieb wie eine Familie.» Trotzdem müsse man wirtschaftlich arbeiten und die Balance zwischen Humanität und Leistungsdruck finden. «Im Moment stimmt sie», ist sich Hans Marti sicher.

Für den Solothurner Sozialstern angemeldet hat er seine Firma selber, wenn auch nicht ganz ohne Fremdeinwirkung, wie der Geschäftsführer schmunzelnd hinzufügt. «Nur schon, dass wir nominiert wurden, bereitete uns grosse Freude», blickt er zurück. «Dass wir nun gewonnen haben, bedeutet enorm viel», gibt Hans Marti sichtlich gerührt zu. «Es zeigt, dass unsere Arbeit anerkannt und geschätzt wird.» Der Chef möchte den Preis seinen Mitarbeitern widmen: «Denn sie sind es, die sich tagtäglich mit allem auseinandersetzen.»