Oben im Himmel ziehen sie weite Kreise und dann plötzlich, stürzen sie sich blitzschnell in die Tiefe und ergreifen mit den Krallen ihre Beute. Auch die Lüfte in der Region sind durchaus von Greifvögeln bewohnt. Hauptsächlich seien Mäusebussarde und Milane vertreten, erklärt Heinz Keiser, Gründungsmitglied des Natur- und Vogelschutzvereines Subingen, der nun seit über sechzig Jahren besteht. Besorgt stelle er fest, dass im Kanton keine Winterfütterung für Greifvögel stattfindet. Der kantonale Vogelschutzverband und das Amt für Wald, Jagd und Fischerei ziehen den gleichen Schluss.

Die Greifer litten unter der winterlichen Witterung, welche die letzten Wochen die Region beherrschte. Die Schneedecke behinderte die Sichtung von Mäusen und anderen Kleintieren. Sie kann den Greifern zum Verhängnis werden. Eine Fütterung der Greifvögel, die im Allgemeinen sehr umstritten ist, sei grundsätzlich nur bei Dauerfrost, Eisregen oder bei einer geschlossenen Schneedecke angebracht, teilt Keiser mit.

Abgesehen davon, dass die Fütterung ein genaues Beobachten der wilden Lufttiere ermögliche, könnten bei andauernden schlechten Verhältnissen die extremen Tierverluste durch eine gezielte Fütterung etwas eingeschränkt werden: «Survival of the fittest mit ein bisschen Nachhilfe», sagt Keiser und schmunzelt.

Direkt oder indirekt füttern

Für die Winterfütterung der Greifvögel können Futterbretter eingesetzt werden. In der Luft kann das Fleisch an Brettern befestigt werden, sodass es nicht hinunterfällt und anderen Tieren als Futter dient. Futterbretter sollten auf Feldern, am Waldrand oder an einem ruhigen Ort installiert sein.

Auf dem Fütterungsbrett sollte möglichst rohes, mageres Muskelfleisch und frische Kleintier-Kadaver (etwa Unfallopfer) serviert werden. Obwohl die Vogelwarte der Schweiz davon abrät, Fleischabfälle, Fett und Innereien auszulegen, scheinen gerade Schlachtabfälle beliebtes Futter zu sein, wenn es überhaupt zu einer Fütterung kommt. Teilweise könne auch Hundefutter benutzt werden, erklärt Keiser.

Bei einer korrekten Fütterung sollte auf den Zustand des Fleisches geachtet werden, gefrorenes Fleisch ist für die Vögel nicht geeignet. «Verboten ist die private Winterfütterung von Greifvögeln unsererseits nicht», unterstreicht Marcel Tschan, Abteilungsleiter für Jagd und Fischerei im Amt für Wald, Jagd und Fischerei. Es sei aber immer heikel, Fleisch auszulegen. Dies könne zur Übertragung und Verbreitung von Seuchen führen.

Mäusebussarde und Milane fressen bereits totes Fleisch, sie müssen ihre Beute nicht zwingend selbst töten. Schleiereulen, Waldkauze und Turmfalken hingegen fressen nur lebendige Beute. Um auch diese Greifer zu unterstützen, könnten am Wald oder an Hecken entlang an den schneefreien Stellen Körner und Getreide ausgesät werden – so seien die Kleinnager aus dem Schnee hervorzulocken, erklärt Keiser. Darüber hinaus sei es wichtig, Scheunen offen zu halten «und nicht immer alles abzudichten», so Keiser. Auf diese Weise bestehen für die Greifer auch im Winter genügend Jagdmöglichkeiten.

Eine Aufgabe der Landwirte?

Die Fütterungsbretter sind nicht mit den sogenannten Krücken zu verwechseln. «Krücken können eine Unterstützung der Greifvögel sein», erklärt Keiser. Dabei handelt es sich um Sitzstangen. Diese seien für Greifvögel ideal, um eine kräfteschonende Jagd vorzunehmen. Von hoch hinaus können sie nach Beute Ausschau halten und dann zugreifen. «Diese einfachen Vorrichtungen sind eigentlich schnell aufgebaut und werden von den Vögeln sehr gerne benutzt», erklärt Keiser.

Es wurden jedoch nicht ausschliesslich positive Erfahrungen gesammelt. Wenn die Stangen in der Nähe einer Autobahn oder einer stark befahrenen Strasse hingestellt werden, kann es für die Vögel tödlich enden. Essensreste, welche die Menschen unachtsam aus den Autos werfen, locken Mäuse an – die Greifvögel stürzen sich auf die Kleintiere hinab und vergessen dabei die Autos. «Am besten wäre es, die Krücken tief in den Feldern zu installieren», betont Keiser.

Sicherlich sei es auch eine Aufgabe der Landwirte, für den Erhalt der (Greif)vögel zu sorgen, meint Keiser. Schliesslich seien diese Tiere gerade für sie essenziell, um unerwünschte, tierische Gäste zu vertreiben. Diese Vorteile seien für einige Bauern wahrscheinlich nicht ersichtlich. Doch der stetige Rückgang des Vogelbestandes hat, gemäss Keiser, auch noch weitere Gründe. So beispielsweise die weite Verbreitung von Monokulturen: «Heute gibt es kaum Bäume und viel weniger Hecken, diese Vegetation fehlt den Vögeln», stellt Keiser betrübt fest.