Auslöser für die Überlegungen ist der Oltner Energiekonzern Alpiq. Dieser kündigte Mitte November an, unter anderem den Verkauf ihrer Beteiligung von 38,7 Prozent an der AEK Energie AG in Solothurn zu prüfen.

Der Reihe nach:

Regio Energie Solothurn: Eine Übernahme der Beteiligung wäre «eine Option», sagte Felix Strässle, Direktor der Regio Energie, bei der Bekanntgabe der Verkaufspläne.

«Es gehört zu unseren Aufgaben, solche Opportunitäten zu prüfen», schiebt er heute nach. Fragen nach Kontakten zur Alpiq, Teil- oder Vollübernahme des Aktienpaketes, mögliche Annäherung von Regio Energie und AEK sowie über die nächsten Schritte könne derzeit keine Auskunft gegeben werden.

«Zu vieles käme in der derzeitigen Phase als ‹Spekulation› daher.» Regio Energie befindet sich vollständig im Besitz der Einwohnergemeinde Solothurn und versorgt das Stadtgebiet mit Strom.

Bereits bis 2008 war die Regio Energie «Kleinaktionärin» der Konkurrentin AEK, die ihrerseits viele Gemeinden im Grossraum Solothurn mit Strom versorgt. Damals verkauften die Solothurner die Beteiligung von 4 Prozent für 12 Millionen Franken an die BKW.

Damit wurde der Berner Energiekonzern mit 39,5 Prozent zum grössten Aktionär der AEK. 

BKW Bern: Dabei ist es gebleiben, die Berner BKW-Gruppe besitzt aktuell einen unveränderten Anteil an der AEK.

«Angesichts der Tatsache, dass die BKW selber an der AEK beteiligt ist, ist es naheliegend, ein Angebot genau zu prüfen», sagte bei der Bekanntgabe der Alpiq-Pläne BKW-Sprecherin Sabrina Schellenberg.

Bei einem Zuschlag an die Berner würde sich die Frage stellen, wie die Strombeschaffung dann geregelt sein würde. Laut AEK-Geschäftsbericht 2014 beziehen die Solothurner die Energie zu 97 Prozent bei den Hauptaktionären Alpiq und BKW. 

EBM Münchenstein: Auch beim Energieversorger EBM (Genossenschaft Elektra Birseck in Münchenstein) sind die Pläne des Alpiq-Konzerns zum Thema geworden.

Auf die Frage, ob EBM an einem Kauf der ganzen AEK-Beteiligung oder eines Teiles davon interessiert ist, erklärt Joachim Krebs, Leiter der EBM-Unternehmenskommunikation: «Wir prüfen intern mögliche Optionen, ein Entscheid ist aber noch nicht getroffen.»

EBM hält bereits seit 2008 eine Beteiligung von 4,13 Prozent an der AEK Energie AG. Der damalige EBM-Chef Hans Büttiker kündigte an, «eine substanzielle Beteiligung aufbauen zu wollen».

Doch an der Höhe der Beteiligung hat sich bislang nichts verändert. Interessant ist, dass die EBM auch mit 13,6 Prozent an der Alpiq beteiligt ist. EBM ist im Grossraum Basel und im grenznahen Elsass aktiv, versorgt aber gleichzeitig auch 23 Solothurner Gemeinden in den Bezirken Thierstein und Dorneck mit Strom.

Elektra Baselland Liestal (EBL): Gedanken machen sich auch die Verantwortlichen der Genossenschaft Elektra Baselland.

Die EBL ist ebenfalls seit 2008 an der AEK Solothurn beteiligt – und zwar mit 2,7 Prozent. Diese Beteiligung sei im Rahmen einer strategischen Zusammenarbeit zwischen AEK und EBL im Geschäftsbereich «Wärme» erfolgt, sagt CEO Urs Steiner. «Mit der Prüfung des Verkaufes des AEK-Aktienpaketes der Alpiq ergibt sich für uns eine neue Ausgangslage, die wir am Analysieren sind.»

Zurzeit würden alle Optionen geprüft. Wurde EBL von der Alpiq kontaktiert? Er habe als Alpiq-Verwaltungsrat Kenntnis von der Prüfung des Verkaufes – aber nur im Rahmen der Medienmitteilung des Stromkonzerns, sagt Steiner.

«Um einem Interessenkonflikt auszuweichen, war ich bei diesem Geschäft im Ausstand.» Ausdruck der erwähnten Zusammenarbeit ist beispielsweise das Grossprojekt des Wärmeverbundes Roggwil BE, welches von AEK und EBL gemeinsam realisiert wurde und 2012 «ans Netz» ging.

Zudem war die EBL bis 2012 mit 15 Prozent an der AEK Pellet AG beteiligt. Interessant ist auch hier, dass die EBL einen Anteil von 7,1 Prozent an der Alpiq besitzt. 

AEK Energie AG Solothurn: Das Unternehmen selbst, dessen Anteil möglicherweise zum Verkauf kommt, will sich nicht detailliert äussern.

Der AEK sei nicht bekannt, wer Interesse angemeldet habe, erklärt Verwaltungsratspräsident Pirmin Bischof. «Die AEK hat keinen Wunschkandidaten.»

Die bestehende Strategie – starke Positionierung in der Region Solothurn – sollte gestützt und für die weiteren Herausforderungen weiterentwickelt werden.

Man wolle auch in Zukunft für die Kunden ein verlässlicher Partner sein. Nach den Einflussmöglichkeiten der AEK bei den Verkaufsabsichten der Alpiq gefragt, spricht Bischof von den rechtlich vorgesehenen Möglichkeiten.

«Zudem werden wir sicher in die Überlegungen und Entscheidungen miteinbezogen.» Eine Aussage zu einem möglichen Zusammenschluss von AEK und Regio Energie wäre «reine Spekulation». Wichtig sei, dass die Kunden auch künftig eine Wahl hätten und so vom Wettbewerb profitieren könnten.

Keine Reaktion bei den Investoren

Die Ankündigung des Alpiq-Konzerns, den Verkauf ihrer Beteiligung an der Solothurner AEK zu prüfen, löste bei der Anlegerschaft keine Kursfantasien aus.

Der letzte Abschluss mit dem Titel des Solothurner Versorgers erfolgte im vergangenen August.

Die Aktie wird auf der Handelsplattform OTC-X der Berner Kantonalbank gehandelt. Das AEK-Aktienkapital ist in 6000 Namenaktien mit einem Nominalwert von 1000 Franken eingeteilt.

Der Börsenkurs liegt aktuell bei rund 25 000 Franken. Das möglicherweise zum Verkauf stehende Paket von 38,7 Prozent oder 2322 Titeln hat demnach einen Marktwert von rund 58 Millionen Franken. (fs)