Wie bereits kurz berichtet, hat der FC Fulgor an einer ausserordentlichen Generalversammlung beschlossen, Verhandlungen mit dem FC Grenchen 15 hinsichtlich einer Fusion aufzunehmen. Nach diversen Gesprächen wird jetzt klar: Präsident Peter Zumstein hat Mühe, sich mit diesen neuen Realitäten abzufinden. Protokoll eines Informations-Debakels.

Selbst die Informationen über die Vereinsversammlung, welche am 19. Januar die Fusion im Grundsatz beschloss, wollte FC-Fulgor-Präsident Peter Zumstein zunächst nur widerwillig herausrücken. Er lässt Termine platzen, er habe keine Zeit, er müsse zuerst das Hallenturnier organisieren, sagt er am Telefon. Und überhaupt wolle er Trainer Daniele Caroli dabei haben beim Gespräch.

Der Stimme enthalten

Als am Montag nach dem Turnier nach Feierabend endlich ein Gespräch im Restaurant Airport zustande kommt, sagt Caroli kaum ein Wort. Zumstein aber erzählt, er finde nach dem Ja in der Versammlung niemanden, der bereit sei, die Fusionsverhandlungen zu führen. Er wisse nicht, wie es weitergehe. Auch die Zukunft des Fulgor-Schülerturniers sei ja bei einer Fusion gefährdet. Konkret nach seiner persönlichen Meinung zur Fusion gefragt, sagt er, er und Caroli hätten sich der Stimme enthalten.

Im weiteren erzählt Zumstein die Geschichte eines abgesprungenen Sponsors, der, nachdem die Mannschaft im vergangenen Herbst Negativschlagzeilen gemacht hatte, kalte Füsse bekam. Dieser hätte laut Aussagen Zumsteins das regelmässige Erscheinen im Training finanziell belohnt, weil auch dieses zu wünschen übrig liess.

Die Spieler seien jetzt ohnehin auf dem Absprung, räumen er und Caroli schliesslich ein (vgl Kasten). «Schreiben Sie positiv», ruft er dem Journalisten nach der seltsamen Unterredung zu – an der etwa als einziges klar wurde, dass da jemand nicht über seinen Schatten zu springen vermag. 

Keine Leuchten bei der Fairness

Im Unterschied zum FC Wacker war der FC Fulgor, der letztes Jahr das 90-Jahre-Jubiläum begehen konnte, vor zwei Jahren nicht bereit, unter das Dach des neuen FC Grenchen 15 zu schlüpfen. Doch das selbstsichere Auftreten war das eine. Das andere waren Disziplin-Probleme mit den Spielern der 1. Mannschaft, welche besonders im Herbst 2016 ein Ausmass annahmen, die für den Verein ungesunde Folgen hatten. Von den 24 Mannschaften der dritten Liga rangierten die Grenchner am Schluss des Fairplay-Ratings hinsichtlich gelbe Karten und Platzverweise, was ihnen den Ruf einer «Pöbelmannschaft» einbrachte.

An einem Match in Lommiswil am 9. Oktober 2016 eskalierte die Situation, derart, dass der Schiedsrichter das Spiel abbrach. Die Negativschlagzeilen wirkten sich auch auf die Sponsoren aus (vgl. Hauptartikel).

Nach aussen sendet Zumstein dauernd widersprüchliche Signale. 2014 äusserte er sich gegenüber dieser Zeitung noch, er sei für die Fusion.

Eigentlich alles klar

Aber faktisch hintertreibt er sie, wo er kann. Die abenteuerliche Aussage Zumsteins, er finde keine Verhandlungsdelegation, stösst jedenfalls bei anderen Fulgor-Vorstandsmitgliedern auf Kopfschütteln. «Die Verhandlungen mit dem FC Grenchen haben eigentlich schon stattgefunden, einer Aufnahme des FC Fulgor steht dort nichts mehr im Wege», sagt Vorstandsmitglied und Junioren-Obfrau Susanne Saladin.

Dies bestätigt auch FCG-Präsident Michael Rüetschli. «Die Türen für den FC Fulgor stehen offen. Wir stellen keine Bedingungen, ausser dass wir keine Schulden übernehmen möchten.» Zumindest informelle Kontakte hätten bereits stattgefunden, es brauche aber beiderseits noch den offiziellen Fusionsbeschluss.

Die Stadt Grenchen würde eine Fusion ebenfalls unterstützen und den FC Fulgor auch in rechtlicher Hinsicht beraten, stellt seinerseits Stadtpräsident François Scheidegger in Aussicht.

Lilo Dellsperger, als administrative Leiterin ein weiteres Vorstandsmitglied im FC Fulgor, hofft, dass eine Fusion sogar noch vor dem 28. Februar definitiv beschlossen werden kann. Denn dann sei wegen der Spielertransfers organisatorisch Deadline für die Rückrunde. Dieser Zeitplan wäre allerdings sehr sportlich.

«Mehrheit klar dafür»

Dellsperger glaubt auch nicht, dass das Ganze an einer (angeblich) fehlenden Verhandlungsdelegation scheitern wird. Das Problem liege vielmehr bei Vereins- und Vorstandsmitgliedern, welche sich innerlich der Fusion widersetzten und die auch nicht mehr motiviert seien. «Die Mehrheit im Vorstand ist aber klar dafür». Die Disziplinprobleme im vergangenen Herbst seien jedenfalls nicht der Grund für die jetzt nötige Fusion. Man habe vielmehr ein Führungsproblem.

Dellsperger glaubt schliesslich auch nicht, dass das Fulgor-Schülerturnier verschwinden werde. «Das Wacker-Turnier im Sommer konnte ja im FC Grenchen weiterbestehen, sogar unter diesem Namen.»

Kaum vernimmt Zumstein, dass wir mit anderen Vorstandsmitgliedern gesprochen haben, ruft er wieder an. Es bestehe keine Erlaubnis, mit anderen Vorstandsmitgliedern zu reden – ausser mit Susanne Saladin. Diese sagt aber, Dellsperger sei die Auskunftsperson hinsichtlich Fusion.

Verzögerungstaktik

Egal. Der Vereinspräsident, eigentlich ein verdienter Mann, der den Verein schon acht Jahre leitet und schon von 1975 bis 1978 Präsident war, versuchte in den letzten Tagen, weiter in Verzögerungstaktik zu machen. Einmal ruft er an, lediglich um zu beklagen, dass es ja schon komisch sei, dass es in Solothurn mit mehreren Fussballclubs funktioniere, in Grenchen aber nicht. Mehr hatte er in diesem Gespräch nicht zu sagen.

Aber Anrufen tut er immer wieder. Sogar am Wochenende und privat. Ein andermal schildert er ein schlimmes Erlebnis am Schülerturnier (das er inzwischen allein organisieren muss), als ihm ein Vater frech vorbeikam, weil das Spiel nicht gleich unterbrochen wurde, als der Sohn wehklagend am Boden lag. Ja ja. Das sind auch schlimme Dinge, die man heute als Organisator (leider) einstecken muss. Aber zur Fusion sagte Zumstein auch diesmal nichts.

Als wir ein letztes Mal auf einen seiner Anrufe zurückrufen, versucht der Vereinspräsident schliesslich, das Erscheinen des Artikels über die eingefädelte Fulgor-Fusion ganz zu verhindern. Er wolle ihn zuerst lesen, fordert er ultimativ. Schreibe man nicht in seinem Sinn, werde er sich an andere Journalisten wenden. Und ja, er sei gegen eine Fusion, schiesst es jetzt aus ihm hinaus. Im Übrigen habe er immer gesagt, dass eine Delegation am Verhandeln sei.