Die Berglandschaft ist ein Traum, die junge Frau am Fenster schlecht gelaunt. «Der Bus ist noch nicht einmal in Zernez», klagt sie in ihr Handy. «Ich bin noch gaaaanze zwei Stunden unterwegs.» Hinter ihr sitze ich. Grinsend. Nicht wegen der Landschaft, wegen ihr, wegen der Ironie ihres Klagelieds. Wenn sie in zwei Stunden bei ihrer Verabredung oder bei sich zu Hause ankommt, ist mein Ziel noch Tage entfernt. Erst vor 10 Minuten bin ich in Mals (Südtirol) ins Postauto gestiegen – der Beginn meiner selbst auferlegten Odyssee.

Meine Schnapsidee in einem Satz: Nur mit Linienbussen die Schweiz durchqueren, von Ost nach West, von Landesgrenze zu Landesgrenze, vom Bündnerland in die Romandie. Gemäss meinem selbst herausgeschriebenen Fahrplan werde ich dazu 4 Tage brauchen, muss 64-mal umsteigen, werde von 65 Busfahrern chauffiert, sitze 28 Stunden und 11 Minuten im Bus und warte 20 Stunden und 4 Minuten an Bushaltestellen (Übernachtungen nicht einberechnet). Warum ich dies tue? Weil es möglich ist. Und sowieso: Ich liebe Busfahren. Erst recht während meiner Arbeitszeit.

Von Mals bis nach Chancy - die genaue Route

1. Tag: Mals bis St. Gallen

«Das war knapp», sagt mein allererster Schofför, blickt nach rechts, auf das noch immer leere Zuggleis in Zernez. Vier Minuten Verspätung hatte sein Postauto zeitweise, die Anspannung sah man ihm während der Fahrt über den Ofenpass nicht an. Gelassen steuerte er den Bus im Kriechtempo durch den Engpass bei der Baustelle, nahm sich Zeit für einen Seniorenwunsch: «Können sie uns bereits beim Wanderweg rauslassen?» «Kein Problem», so der Schofför, der sich sogleich per Durchsage an all seine Fahrgäste wandte: «Wir halten ausserordentlich. Dies ist noch nicht die Passhöhe.»

Der erste Bus war überfüllt wie ein Stadtbus zur Stosszeit, die Platzverhältnisse im zweiten Bus erinnern mehr an die letzte Fahrt an Heiligabend. Zu viert geht es zum viertletzten Mal dieses Jahr über den Flüelapass, bevor die kurvenreiche Strasse über den Winter gesperrt wird. Die Passagiere: Drei allein reisende Frauen und der bussüchtige Reporter. Statt uns im beinahe leeren Postauto zu verteilen, suchen wir einander wie eine Schafherde, nehmen alle innerhalb der ersten zwei Sitzreihen Platz. Der Bus kurvt hinauf, wir kommen ins Gespräch. Die jüngste der drei Frauen ist die Ehefrau des Busfahrers. Will sie Händchen halten mit ihrem Mann, der meist auf dem Bürostuhl und nur noch selten am Steuer sitzt? «Ich bin dieses Jahr noch nie über den Flüela gefahren», erklärt die Schofför-Gattin. «Jetzt nütze ich die letzte Gelegenheit.»

Ein Paarausflug, bei dem einer der beiden erst noch Geld verdient. Niemand will zu unseren kleinen Reisegrüppchen dazusteigen. Die Folge: Wir liegen (zu) gut in der Zeit. Zwangsstopp auf der Passhöhe. Ich steige aus, knipse einige Fotos. Den glitzernden See, die schneeverhangenen Bergen, das gelbe Postauto. Danach gehts hinab, Richtung Davos. «Haben wir jetzt den Reporter vergessen?», ruft die älteste Passagierin entsetzt, ohne ihren Kopf nach hinten zu drehen, wo ich gerade dabei bin, meine Kamera einzupacken. Bei ihrem Aufschrei schrecke ich auf. «Ich bin hier», japse ich. Im Innenspiegel lächelt das Spiegelbild des Schofförs.

«Bitte alle Ausweise vorweisen», schallt die überernste Stimme meines Schofförs durch den beinahe leeren Kleinbus, als wir die Landesgrenze überfahren. Der einzige Fahrgast macht dennoch keine Anstalten aus der Tasche seine Identitätskarte hervorzukramen. Denn ich weiss – er macht nur Spass. Der Fahrer des Heidibusses ist ein Sprücheklopfer, der coolste aller meiner Schofföre. Auf seiner Nase sitzt eine stark spiegelnde Sonnenbrille, seine rabenschwarzen Haare sind keck aufgestellt. Ein Showman, dessen Art an einen Skilehrer erinnert. Der Per-Du-Schofför steuert leger den Kleinbus über die Luziensteig, durch enge Strässchen, den Weinreben entlang über die Grenze zwischen der Schweiz und Liechtenstein.

Wunderschön ist die Strecke zwischen Maienfeld und Balzers. Noch fährt der Bus aber meist halb leer durch die Gegend. Vielleicht einfach, weil man ihn noch nicht so kennt. Früher war der Heidibus nur ein Shuttlebus zum Heididorf. Erst im letzten Mai wurde die Strecke nach Balzers verlängert. Eine Fahrplanänderung von historischen Bedeutung: Der Heidibus ist die erste Busverbindung zwischen Liechtenstein und Graubünden. Auch nicht zu verdenken: Nur dank dieser Änderung klappt meine Durchquerung der Schweiz auf dieser Route überhaupt. «Und durchs erste Tor», johlt mein Schofför, als wir unter dem steinernen Torbogen durchfahren, der zum Militärmusem St. Luziensteig gehört. «Und durch das zweite.» Mein Schofför zeigt mit der rechten Hand aus dem linken Fenster, auf einen Landgasthof. «Falls du einmal mehr Zeit hast, hier isst man wunderbar.» «Was kannst du empfehlen?» «Das Cordon bleu.»

2. Tag: St. Gallen bis Zofingen

Der Bus fährt los, ich kehre vom Gespräch mit dem Schofför auf meinen Platz zurück, als ich von der Frau im Abteil neben mir angesprochen werde. Sie hat gelauscht. «Sie schreiben einen Zeitungsartikel über das Busfahren?» «Ehm, ja.» «Dann will ich Ihnen etwas sagen: Die Busse sind viel zu hoch. Für uns Ältere ist dies extrem mühsam – nur mit Müh und Not können wir überhaupt einsteigen. Die Folge: Wir bleiben zu Hause, vereinsamen. Darüber müssen Sie schreiben! Von welcher Zeitung sind Sie überhaupt? Vom ‹Rheintaler›? » «Nein. Von der ‹Nordwestschweiz›». «Ach.» Sie schweigt.

«Zuerst dachte ich an die ‹Versteckte Kamera›», sagt meine Schofförin und beginnt zu erzählen: «Eine Grossmutter stieg in Pfäffikon zusammen mit zwei Enkeln in meinen Bus ein und fragte mich, ob ich ins Alpamare fahre.» Sie lacht. «Ich schaute sie nur ungläubig an, dachte zuerst, sie erlaube sich einen Scherz. Jetzt ist die Familie tatsächlich ins falsche Pfäffikon gefahren, in den Kanton Zürich statt nach Schwyz.» Die aufgestellte Geschichtenerzählerin ist die erste Schofförin auf meiner ganzen Busreise (Spoiler: Am Ende sind es zwei). «Warum wollen so wenige Frauen Bus fahren?», frage ich sie. Sie zuckt mit ihren Schultern, weiss auf die Frage keine Antwort, dafür eine weitere Anekdote: «Einmal fragte mich eine Mutter: ‹Können Sie einmal «Tütato» für meinen Sohn machen?› ‹Leider nein. Das können nur Bergpostautos›, habe ich ihr geantwortet. ‹Aber wenn sie wollen, kann ich einmal hupen.›»

Er würde es nicht zugeben, aber ein wenig Stolz schwingt in der Stimme meines Schofförs mit. «Vor ein paar Wochen hat eine 91-Jährige mir das Du angeboten.» Kurz darauf hätte ihn deren Nachbarin angesprochen und ihn voller Neid gefragt: «Wie hast du das gemacht? Ich wohne seit zwanzig Jahren neben ihr und wir siezen uns noch immer.» Mein Schofför schaut kurz zu mir, bevor er seinen Blick wieder auf die Strasse richtet. «Ich war nur freundlich», sagt er, beinahe entschuldigend.

«Letzte Woche hat wieder einer in den Bus gekotzt», sagt mein Schofför und verzieht angewidert sein Gesicht. Es ist spätabends. Ich und mein Schofför sind wieder einmal alleine. «Direkt auf meine Kasse. Mich hat er zum Glück nicht getroffen.» Betrunkene Partygänger herumzukutschieren, es gibt Lustigers im Leben meines Schofförs. An den Abenden am Wochenende wird sein Bus immer begleitet von Sicherheitspersonal. «Nur so kann ich mich aufs Busfahren konzentrieren.» Die zunehmende Gewalt gegen Busfahrer gibt ihm zu denken. Er spricht über den Vorfall in Stein am Rhein, wo ein Busfahrer Anfang Oktober von einem Mann mit Steinen attackiert wurde. Seither wird diskutiert, ob man die Fahrerkabine zukünftig mit Plexiglas abschirmen soll. Dem Vorschlag steht mein Schofför skeptisch gegenüber: «Dann ginge unser grösster Trumpf verloren», sagt er. «Der direkte Kundenkontakt.»

Wer sich die Reise mit Bussen durch die Schweiz als einen einzigen Spass vorstellt, den muss ich enttäuschen. Teils ist es schlicht äääätzend. Kaum eingestiegen, muss man nach vier Minuten bzw. zwei Bushaltestellen schon wieder umsteigen, um dann eine Viertelstunde an der Haltestelle zu warten. Auf den nächsten Bus, mit dem man wiederum nur wenige Minuten fährt. Die bis zu 14-Stunden-Reisetage sind auch nicht ohne. Und dann fährt noch sie mit, die Angst: Ich könnte den Anschluss verpassen, was den in stundenlanger Arbeit aufgestellten Fahrplan so durcheinanderwirbeln könnte, dass er wertlos würde, ich alles komplett neu planen müsste. Oder noch schlimmer: Ich es nicht mehr ins gebuchte Hotel schaffe. Oder noch einmal schlimmer: Die Reise innerhalb von vier Tagen gar nicht mehr möglich ist. Bis jetzt ging es gut, ich hoffe, das bleibt so.

Kaum gedacht, ist es schon passiert. Feierabendverkehr. Stau. Bus verpasst. Warten. Anderthalb Stunden. Mist. Cappuccino. Hilft nichts. Wieso tue ich mir das an?

3. Tag: Zofingen bis Lausanne

«Ganz vorne links, das ist der sicherste Platz», sagt mir mein Schofför. Da besteht keine Gefahr, dass man bei einem Bremsmanöver oder Aufprall in hohen Bogen durch den Bus fliegt. Im Bus haben nicht nur Sicherheitsfanatiker einen Lieblingsplatz – eine meiner Erkenntnisse aus 28 Stunden und 11 Minuten Bus fahren. Die Plätze zuhinterst sind reserviert für die «Coolen». Sprich: Für Kinder und Teenager jeden Alters. Hier sitzt man wie auf einem Thron.

Der ideale Ort, um Sprüche zu klopfen, Witze zu reissen. Wer mehr Beinfreiheit schätzt und trotzdem sich in einer grösseren Gruppe unterhalten will, der wählt ein Viererabteil, sofern einem das rückwärtsfahren keine Mühe macht. Und ich, ich sitze meist auf dem Schwaffli-Sitz - der Einzelsitz vorne rechts. Er ist das, was in einer Beiz der Stammtisch ist. Nur von hier aus kann man sich mit dem Schofför unterhalten. Dieser erzählt gerade von seinem früheren Chef, zitiert eine von dessen Schofför-Weisheiten: «Es gibt für einen Busfahrer nur einen Grund Zähne zu zeigen. Beim Lachen.»

Zuerst steht sie ruhig da, als der Bus nicht abbremst, wird die Frau in der roten Jacke langsam unruhig, letztlich fuchtelt sie wild mit ihren Armen. Im letzten Moment fährt mein Schofför an den rechten Strassenrand, ein paar Meter nach der offiziellen Bushaltestelle. Mit energisch schnellen Schritten kommt die Frau zum Postauto. Kaum hat sich die Tür mit einem tiefen Zischen geöffnet, hört man das Keuchen der beinahe Stehengelassenen. «Wären Sie jetzt einfach an mir vorbei gefahren?» «Hinter mir fährt noch ein zweiter Bus», besänftigt mein Schofför schroff. Sein Plan war es, die Passagierin seinem Schofför-Kollegen zu überlassen. Beim Anblick ihres Gefuchtels machte er sich aber wohl Sorgen um ihn.

«Wenn Du mich fotografierst, geht der Apparat kaputt», sagt der Scherzbold von Schofför und lacht über seinen absoluten Lieblingsspruch. Von mir gibts ein grossmütiges «HAHAHA» beim ersten Mal, beim dritten Hören noch ein müdes «ha». Mein Wunsch nach einem Foto bringt meinen Schofför jeweils in Fahrt. Auch beliebt: «Hätte ich das gewusst, hätte ich mich heute Morgen noch rasiert.» Vor allem in Riggisberg. Hier sagt es der Schofför, der mich hingefahren hat, wie auch jener, der mich weiterbringt. Als ich Letzteren darüber aufkläre, ruft er von seinem zum anderen Bus: «Siggs es strubs Männdli.» «Was seisch?», brüllt der andere zurück. «Ich sags jetzt nicht noch über Funk, sonst hörens alle», sagt er mehr zu sich selber, zeigt seine Zähne und brummelt, «so, fertig glauered.» Er dreht den Zündschlüssel.

Fakten und Zahlen zum Busland Schweiz

Die Schweiz ist Weltklasse im Zugfahren. Das Streckennetz ist über 5300 Kilometer lang und der durchschnittliche Schweizer steigt pro Jahr 59 Mal in einen Zug. Einzig die Japaner reisen häufiger mit der Bahn. Bei diesem beeindruckenden Bahnnetz geht gerne etwas vergessen: das Schweizer Busnetz. Auch dieses ist gut ausgebaut. Dies unterstreichen, nebst dieser Reportage auch die folgenden Zahlen: Die Netzlänge des Schweizer Busverkehrs beträgt 20 102 Kilometer, insgesamt werden ca. 5100 Fahrzeuge eingesetzt und dabei im Jahr 715 Millionen Fahrgäste transportiert, somit mehr als mit dem Zug (576 Millionen Fahrgäste). Die Trams eingerechnet, gibt es in der Schweiz mehr als 22 000 Haltestellen. Bei den Eisenbahnen sind es 2124, wie die Statistiken des Verbands öffentlicher Verkehr aus dem Jahr 2014 zeigen. (fvo)

Manchmal suchen wir sie, die Stille, die Ruhe. Nach Feierabend im Bus kurz innehalten, wunderbar. Ein Bus voll schweigender Pendler, mein Schofför mag das nicht. «Dann habe ich immer das Gefühl, es beobachten mich alle», sagt er, blickt in den linken Rückspiegel. Die schnatternden und aufgeregten Schüler, die mit seinem Postauto zur Schule und wieder zurückfahren, sind ihm viel lieber. Auch die Touristen, die sich bei Sonnenschein in den Bus quetschen, um auf dem Gurnigel die Aussicht zu geniessen. Wir halten in Plaffeien. Endstation, ich muss umsteigen. Auf der anderen Strassenseite, aber 30 Meter entfernt, warten bereits zwei Busse der Freiburger Verkehrs AG. Einer der beiden fährt schon los, ich steige hastig aus. «Ab jetzt heissts französisch sprechen», höre ich meinen Schofför noch rufen, kann ihm aber nicht antworten. Ich renne mit meinem Gepäck von Bus zu Bus, hetze vom allerletzten Schofför zum allerersten Chauffeur. Er begrüsst mich auf «Bärndütsch».

Bitte einsteigen: Busfahrt von Schwarzenburg Richtung Plaffeien

«Danke dir, Käthi», sagt mein Chauffeur, als ihm die ältere Dame, die ihn während der Fahrt vollquasselte, eine zerknitterte gelbe 10er-Note in die Hände drückt, sie ihm unmissverständlich aufzwingt. «Kauf dir was Schönes. Hast es verdient.» «Danke dir.» Ich steige mit ihr um. Neuer Bus, neuer Chauffeur, altes Spiel. «Vielen Dank, Käthi.»

Den Röstigraben gibt es auch beim Busfahren. Trotz der Gefahr, dass ich Romands verärgere – es muss einfach raus: Busfahren in der Westschweiz ist zum Heulen. Kaum hat man die Sprachgrenze überfahren, hat eines Seltenheitswert: die Bildschirme, die mir sagen, wo ich bin, wann ich raus muss. Wer zumindest auf eine Durchsage des Chauffeurs hofft, wird meist enttäuscht. Romands scheinen ihren Landesteil zu kennen wie ihre eigene Westentasche. Das gilt nicht für mich, einen orientierungslosen Deutschschweizer. Ich sitze unruhig auf meinem bunt gesprenkelten Bussitz, schaue verzweifelt aus dem Fenster, versuche anhand der Ortsschilder den richtigen Zeitpunkt zu erwischen, um auf den roten Knopf zu drücken. Manchmal ist mir dies zu viel Stress und ich mache das, was meine Grossmutter in einer solchen Situation tun würde: Ich frage meinen Chauffeur, ob er mich an der richtigen Haltestelle rauslassen könne.

4. Tag: Lausanne bis Chancy

«Sortez», schreit mein Chauffeur. Roter Kopf. Bebende Lippen. Wild zappelnde Krawatte. Moment: Spulen wir zuerst 7 Minuten zurück.

Der Bus steht schon da, der Chauffeur ist noch nirgends. Wir, seine zukünftigen Passagiere, warten vor dem verschlossenen Bus, in der Kälte. Jeder, der neu zum Grüppchen stösst, versucht sein Glück, drückt auf den Türöffner. Sie bleibt zu. Dann kommt unser Heilsbringer. Ein Passagier, der früher für das Busunternehmen gearbeitet hat und darum den Geheimknopf an der Schnauze des Busses kennt. Tür auf, alle steigen ein. Jetzt kommt er doch noch, unser Chauffeur, fuchsteufelswild. «QUI A OUVERT LA PORTE!?» Wir blicken uns verstohlen an, der Judas zeigt auf die zweithinterste Sitzreihe. Der Blick des Chauffeurs folgt seinem Finger. «SORTEZ!» Der Beschuldigte geht zur Tür: «Alors, où est le problème?» Ich will mich halb amüsiert, halb fragend hinsetzen, als der Chauffeur einen drauflegt: «Tout le monde!» Ungläubige Blicke. «Sortez!»

Wir stehen wieder draussen vor der Tür. Vor dem verschlossenen Bus. In der Kälte. Der Unterschied zu vorher: Der Chauffeur sitzt da, wo wir hin möchten. Im warmen Bus. Seine Beine auf der Kasse. Brüskiert. Erzürnt. Gekränkt. Diva. Vier Minuten später lässt er uns wieder rein. Die Abfahrtszeit ist nah, das Ende seines Wutanfalls fern. Zeternd fährt er los.

Der letzte Bus meiner Reise. Von Petit-Lancy nach Chancy. Nochmals 34 Minuten. Der Bus ist voll. Ich will nach Hause. Pendlerzeit. Doch je weiter wir fahren, desto leerer wird er. Bis letztlich nur noch ich und mein Chauffeur übrig bleiben. Endstation. Ich steige am verlassenen Grenzposten aus. Drei Wohnhäuser. Ein leerer Bus. Und ich. Ein Reporter, der feiert – das Ende seiner Odyssee, das Verwirklichen einer schwachsinnigen Idee, die Grossartigkeit des öffentlichen Verkehrs. Einsam knipse ich ein Selfie vor der letzten Bushaltestelle, wünsche mir eine Flasche Champagner herbei, um sie zu verspritzen. Und eine zweite. Zum Trinken. Ach ja, und da ist noch er, mein Chauffeur, in seinem Bus pausierend, den historischen Moment versäumend. Vielleicht fragt er sich ob des Tuns seines Fahrgasts, der nur für ein Selfie 34 Minuten hin und wieder zurück fährt. Aber vermutlich macht er sich überhaupt keine Gedanken darüber. Komische Gestalten gehören zum Geschäft.

Endlich am Ziel: Nach vier Tagen, 28 Stunden im Bus und 20 Stunden an Haltestellen bin ich endlich am Ziel: Chancy Douane.

Endlich am Ziel: Nach vier Tagen, 28 Stunden im Bus und 20 Stunden an Haltestellen bin ich endlich am Ziel: Chancy Douane.