Zum Jahresauftakt hat palliative so am vergangenen Donnerstag 14.01.2016 bereits zum 7. Mal eine Fachtagung organisiert. Im Mittelpunkt stand dieses Jahr das Zusammenspiel von komplementärer und konventioneller Medizin. Rund 180 Personen, die sich im Bereich der Palliative Care betätigen, sind dazu in die Fachhochschule Nordwestschweiz in Olten gekommen. Die Tagung wurde eröffnet durch die Grussworte von Dr. Manuel Jungi, Vizepräsident von pallaitive so, der die Teilnehmer im Namen des Vorstandes begrüsste. Dr. Jungi wies bei dieser Gelegenheit auch auf zwei aktuelle Projekte von palliative so hin. Einerseits steht palliative so mit der Krebsliga SO kurz vor einer Kooperationsvereinbarung, um gemeinsam eine Helpline Palliative Care zu betreiben, um so Betreuungspersonen aus dem Bereich Palliative Care, aber auch Betroffenen und Angehörigen eine telefonische Anlaufstelle zu bieten. Es gilt noch letzte vertragliche Details zu regeln, dann könnte der Start wie geplant am 1. März erfolgen. Beim zweiten Projekt geht es um die Schaffung von Palliativbetten im Langzeitpflegebereich. Die Pflegeheime Im Park, Schönenwerd, sowie Tharad in Derendingen sind daran, mit strukturellen und organisatorischen Anpassungen solche Betten zu ermöglichen. Die entsprechende Schulung des Personals wird bald beginnen. Beide Projekte werden durch eine Anschubfinanzierung aus dem Lotteriefonds des Kantons Solothurn unterstützt. Der konkrete Start beider Angebote wird in einer separaten Medienmitteilung bekannt gemacht. Leider musste der erste Referent der Fachtagung, Dr. Bernd Himstedt-Kämpfer, kurzfristig krankheitsbedingt absagen, so dass Dr. Manuel Jungi selber eine Einführung in das Thema Komplementärmedizin machte. Er zeigte, dass im palliativen Bereich bei den Patienten 50 bis 70% nach komplementären Methoden fragen, weil sie eben im Sinne der Salutogenese selber etwas zur Heilung oder zumindest zum Wohlbefinden beitragen wollen. Nach diesem einführenden Referat wurden die Teilnehmenden auf 4 Workshops aufgeteilt. Dabei konnten vertiefte, teilweise auch praktische Einblicke in ein paar Methoden gewonnen werden. Monika Layer, Fachleiterin Pflege am Zentrum für Integrative Medizin am Kantonsspital St.Gallen, zeigte aus dem Feld der komplementären Pflegemethoden exemplarisch einen Wickel sowie eine rhythmische Einreibung nach Wegmann/Hauschka, die bei vielen Situationen in der Palliative Care unterstützend eingesetzt werden können. Ein sehr abwechslungsreicher Workshop sowohl zum Zuhören, aber auch zum Geniessen bot Markus Biedermann. Der diplomierte Küchenchef ist mittlerweile bekannter als Coach, Gerontologe und Berater, insbesondere für seine Vorträge und Präsentationen zu „Fingerfood“ als basale Stimulation oder „Smoothfood“ für Menschen mit demenzieller Veränderung. Er plädierte für die „Lust bis zum Schluss“, die eben durch entsprechende Zubereitung der Speisen gefördert werden kann. Dass auch der Humor im Alter und bis zum Schluss dazu gehört und eine Quelle sozialer Kompetenz und zwischenmenschlicher Beziehungen ist, zeigte Beat Hänni, Präsident von HumorCare Schweiz, in seinem Workshop. Die Teilnehmenden konnten anhand von praktischen Beispielen den Humor als Ressource für psychisches und körperliches Wohlergehen erleben. Auch die von Dr. Barbara Friis präsentierte Musiktherapie wurde sehr praktisch präsentiert. Die Workshopteilnehmer konnten auf einfachen Musikinstrumenten improvisieren und über die Klangerlebnisse sprechen.

Nach diesem intensiven und spannenden Nachmittag war der Apéro riche eine willkommene Stärkung. Der Abend der Jahrestagung wird traditioneller Weise mit einer öffentlichen Veranstaltung zum gleichen Thema abgeschlossen. Nebst vielen Teilnehmern, die schon am Nachmittag an der Fachtagung waren, kamen nun neue Hörer, unter anderem auch Betroffene und Angehörige dazu. Die Aula war nochmals gut gefüllt. Dr. Stefan Obrist, ärztlicher Leiter des Kompetenzzetrums Palliative Care am Universitätsspital Zürich, führte in einem abwechslungsreichen Referat in das Thema ein. Er wies unter anderem darauf hin, dass immer noch sehr viele Patienten (77%) sich nicht getrauen, ihrem Arzt mitzuteilen, dass sie nebst der konventionellen Medizin auch noch eine komplementäre Methode anwenden. Aus seinen Worten war zu spüren, dass es ihm eine Herzensangelegenheit ist, dass es nicht eine Entweder-Oder-Situation sein soll, sondern eben eine bessere integrative Medizin, das heisst ein Miteinander von Schul- und Komplementärmedizin, angestrebt werden soll. Zusammen mit seinem multiprofessionellen Team probiert er diese Haltung trotz vielen Widerständen am Unispital vorzuleben. Dieses Jahr versuchten die Organisatoren nach dem Referat das Publikum mehr in die Diskussion einzubinden. So wurde auf eine Podiumsdiskussion verzichtet und konnten die Zuhörer ihre Fragen rund um das Thema Komplementäre Medizin und Palliative Care stellen. Nebst dem Referenten standen weitere Experten aus dem stationären und ambulanten Bereich der Palliative Care Rede und Antwort. Diese Publikumsdiskussion wurde wiederum souverän von Jakob Fuchs moderiert.

Die nächste Jahrestagung von palliative so findet voraussichtlich am 12.01.2016 in Solothurn statt. Weitere Infos folgen im Jahresverlauf auf der homepage www.palliative-so.ch .