«Das Vertrauensverhältnis ist zerstört», fasst ein Vater die Vorfälle zusammen. Inzwischen hat er die Reissleine gezogen und seine Kinder aus der Kita genommen. Rund zwanzig andere Eltern taten es ihm in den vergangenen Monaten gleich, obwohl inzwischen die anderen Kitas gar Eltern abweisen müssen. Denn die Liste der Vorwürfe an die Leitung der Binninger Kindertagesstätte Stiftung Kinderbetreuung In den Schutzmatten 6 ist lang.

Die Unruhen nahmen ihren Anfang vor rund zwei Jahren, als die Geschäftsleitung wechselte. Diese wollte sparen. Während in Binningen mehr und mehr florierende Kindertagesstätten aus dem Boden schossen, kämpfte die Kita der Stiftung Kinderbetreuung zunehmend mit wirtschaftlichen Problemen.

Für die Eltern hatte dies mehrere unangenehme Folgen. «Heimlich hat die Kita das Betreuungsverhältnis verschlechtert», berichtet eine ehemalige Angestellte. «In der Babygruppe war früher eine Betreuungsperson zuständig für zwei Kinder, später drei, schliesslich kam es zu Nachmittagen, an denen eine Lehrtochter auf vier Babys hätte aufpassen sollen.» Die Eltern wurden darüber nicht informiert, sagt sie, mehrere Eltern bestätigen dies.

«Man muss die Eltern erziehen»

Auch die vielen personellen Wechsel stiessen den Eltern auf. «Ich wusste bald nicht mehr, wem ich mein Kind in Obhut gebe», sagt ein Vater gegenüber der bz. Die Geschäftsleitung kündigte fünf Mitarbeitern, darunter auch einer Lehrtochter. Weitere fünf gingen freiwillig. Sie waren nicht mehr damit einverstanden, wie die Kita-Leitung den Umgang mit den Kindern vorschrieb.

Konkret richtet sich die Kritik an die Einführung eines Ernährungskonzepts. «Manche Kinder hatten dann einfach Hunger», sagt eine ehemalige Mitarbeiterin. Eine neue eingesetzte pädagogische Leiterin wandte das Prinzip «Fourchette Verte» an, ein weithin anerkanntes Ernährungskonzept. «Sie waren aber zu streng, gerade mit den Kleinsten», sagt die Mitarbeiterin. Kinder ab einem Jahr mussten essen, was auf dem Menü stand. Wenn sie dies nicht mochten, gab es nur eine Alternative: gar nichts essen.

«Es hiess, ein bisschen Hunger zu haben, schade den Kindern nicht. Heimlich habe ich dann beispielsweise einem Kind eine Scheibe Brot gegeben», sagt sie. Das Znüni bestand nur noch aus Früchten, «auch wenn die Kinder am Morgen den Schoppen noch nicht bekommen hatten.» Die Devise hätte gelautet: Man müsse auch die Eltern erziehen. Diese waren zunehmend unzufriedener mit den Zuständen an der Kita. «Wir verfassten mehrere Briefe, auf welche die Geschäftsleitung nicht eingehen wollte.» Schliesslich habe zu Jahresbeginn eine Gesprächsrunde stattgefunden.

Nicht alle Eltern liessen sich davon überzeugen. Am 28. März steht schon der nächste Informationsanlass an, wie aus einem Brief hervorgeht, welcher der bz vorliegt. Dort wolle man die Eltern «zur aktuellen und zukünftigen Situation der Stiftung Kinderbetreuung und zur Zusammensetzung der Teams informieren», heisst es im Schreiben. Gegenüber den Medien wolle man keine Stellung nehmen, sagt Stiftungsratspräsidentin Corinne Schmid. Die Unruhen würde man intern klären.

Untersuchung des Kantons läuft

Inzwischen ziehen die Geschichten um die Kita jedoch immer weitere Kreise. Die bz hatte Kontakt mit mehreren anderen Kinderstätten im Dorf. Der Tenor dort: «Wir sind voll, auch weil Eltern von jener Kita zu uns wechseln.» Nicht für alle habe es Platz. Eine Leiterin sagt: «Ich werde demnächst die Erziehungsdirektion über diese Vorgänge in Kenntnis setzen.»
Das wird allerdings kaum nötig sein.

Die Kita ist von sich selbst auf den Kanton zugegangen, das Amt für Kinder-, Jugendliche- und Behindertenangebote untersucht inzwischen die Einhaltung der Bewilligungsvoraussetzungen, lässt die Bildungsdirektion verlauten. Auch auf der Gemeinde weiss man von Unruhen in der Kita, weist aber die Aufsichtspflicht mit Verweis auf den Kanton von sich.

Anm. d. Redaktion: In einer ursprünglichen Version des Artikels war eine andere Kita auf dem Bild zu sehen. Dabei handelte es sich um eine Verwechslung, die Redaktion entschuldigt sich für den Fehler.