Alle haben was zu sagen. Nachdem Tino Krattiger in der bz warnte, er werde sein Rheingasse-Engagement beenden, kamen in den sozialen Medien ratzfatz Diskussionen ins Rollen. Der Tenor: Der Regierung fehle es an Menschenverstand, es sei klar, dass der Adventsgasse-Initiator genug habe, akzeptieren will das aber niemand, im Gegenteil: Go for Adventsgasse! Jetzt erst recht!

Krattiger hatte sich über «fehlenden politischen Willen» beklagt, die Rheingasse zu dem zu machen, was sie auf dem Papier bereits ist: zu einer Begegnungszone. Er spüre das Desinteresse bei allem, was er anreisse, zuletzt beim Adventsmarkt. Kleingeistige Behörden seien ärgerlich, die Hauptkritik gehe aber an die Regierung. Diese beschränke sich darauf, Basel mit neuen Böden aufzuwerten. Die angestrebte Belebung der Begegnungszonen sei gescheitert.

Nebst zahlreichen Bürgern reagieren auch Baschi Dürr und Hans-Peter Wessels auf den Appell. Auf Anfrage sagen die kritisierten Regierungsräte, sie schätzten Krattigers Engagement und seien froh, dass sich die Rheingasse nach der Einführung des Verkehrskonzepts vor zwei Jahren zu einem «lebhaften Treffpunkt» entwickelt habe. Die Kritik, keinen politischen Willen zu zeigen, lassen sie nicht gelten: «Mit der Adventsgasse hatten die Initianten um Tino Krattiger eine zündende Idee, die wir seitens Verwaltung tatkräftig unterstützt haben», schreiben der Sicherheits- und der Verkehrsdirektor. Bereits nach der ersten Durchführung 2015 hätten sie mit den Organisatoren ein «Debriefing» durchgeführt. So habe man etwa Probleme mit anfänglich genervten Anwohnern lösen können. Auch jetzt, nach der zweiten Ausgabe, werde es eine Nachbesprechung geben.

Wessels und Dürr haben auch Krattigers Kritik aufgenommen, wonach sein Adventsmarkt, anders als der Weihnachtsmarkt, Gebühren zahlen müsse, aber mit keinem Rappen unterstützt werde. Christine Waelti vom Adventsgasse-Team hatte vom Swisslos-Fonds eine Absage für ein entsprechendes Gesuch erhalten. Man übernehme Investitionskosten, nicht aber Betriebskosten, habe es geheissen. «Diesmal waren die Markthütten unsere einzige grosse Investition», sagt Waelti, «und Märkte würden generell nicht unterstützt.»

Rettungspläne für Adventsgasse

Mit anderen weihnächtlichen Veranstaltungen geht der Swisslos-Fonds Basel-Stadt grosszügiger um: Der Verein Basler Weihnacht etwa, der auch den Grossbasler Weihnachtsmarkt organisiert, erhielt 2016 für «Weihnachtsaktivitäten» 200 000 Franken. Beim Verein Weihnachtsbeleuchtung waren es 120 000 Franken allein für die Freie Strasse, wo auf LED umgerüstet werden musste. Auch die «Weihnachtslichter in der Gerbergasse» bekamen 3000 Franken. Die Beleuchtung in der Rheingasse hingegen mussten die Veranstalter aus dem eigenen Sack berappen.

Doch nach Krattigers Rückzugsdrohung ist für alle klar: «Die Adventsgasse darf nicht sterben!», wie etwa André Auderset, Präsident der Interessengemeinschaft Kleinbasel und liberaler Grossrat, sagt. Auch die Herren Dürr und Wessels wollen nicht, dass das Projekt am Geld scheitert: «Es wäre zu begrüssen, wenn die Adventsgasse weitergeführt wird und sich – neben dem Barfi und dem Münsterplatz – als weiterer Teil der Basler Weihnacht etablieren könnte.» Konkreter könnten sie nach der Nachbesprechung werden.