Mercedes gibt am Genfer Salon einen Ausblick auf die Zukunft der sportlichen Tochter AMG; und beruhigt damit all jene, die befürchten, dass der sportliche Fahrspass in der Zukunft keinen Platz mehr hat. Das Showcar „Future Performance“ ist noch bis zum 19. März am Stand von Mercedes zu sehen und macht durchaus Lust auf die Zukunft.

Die Studie zeigt, wie das nach SLS und GT dritte, komplett in Eigenregie von AMG entwickelte Modell aussehen könnte, das die Modellfamilie des PS-Spezialisten dereinst um eine viertürige Variante ergänzen wird, die sich mit Porsche Panamera, Maserati Quattroporte oder Audi RS7 anlegen will. Und dafür braucht es auch in Zukunft viel Leistung. „Bei unserem AMG GT Concept bedeutet das eine Kombination aus hochmodernem V8-Benzinmotor und performanter Elektromaschine, beides intelligent vernetzt und mit einem modularen Batterie-Konzept aus extrem leistungsstarken, aber leichten Batterien kombiniert. Dieser Performance-Hybrid-Triebstrang bietet eine überzeugende elektrische Reichweite und die Möglichkeit, eine Systemleistung von bis zu 600 kW (816 PS) in seiner letzten Ausbaustufe zu generieren. Er erledigt den Sprint von 0-100 in weniger als drei Sekunden – was Supersportwagenniveau entspricht.“

Sportliche Gene

Den Charme eines Supersportwagens will der Viertürer auch optisch verkörpern. Mit langer Haube nach innen geneigtem Kühler mit grossen Rippen und markanten Höckern auf der Haube macht er seine Abstammung vom AMG GT sofort klar. Das Heck präsentiert sich, trotz vier Türen, sehr Coupé-artig. Die Dachlinie fällt nach hinten stark ab und geht nahtlos ins kraftvolle Heck mit mittig platziertem Endrohr und grossem Diffusor über. Wie auch beim AMG GT sind die Rückleuchten sehr schmal gestaltet, um die breite des Wagens optisch noch stärker zu betonen.
An der Front und Heck trägt die Studie neue Leuchten, die erstmals mit einer neuen „nano active fibre“-Technologie gestaltet wurden. Dadurch wirkt das Tagfahrlicht stärker, dreidimensional und kann noch freier gestaltet werden. Eine Technologie, die auch in künftigen Mercedes-Modelle zum Einsatz kommen dürfte.

Herz und Hirn aus der Formel 1

Auch bei sportlichen Autos wird in naher Zukunft kein Weg mehr am Hybrid-Antrieb vorbeiführen. Mercedes fasst die elektrisierten Antriebe künftig unter dem Label „EQ“ zusammen, was sowohl rein elektrische Fahrzeuge, als auch Plug-in-Hybride beinhaltet. Die Leistungsorientierten Topmodelle von AMG erhalten einen Antrieb, der sich „EQ Power +“ nennt; das soll nicht nur für effizientes Vorankommen mit der Möglichkeit, kurze Strecken rein elektrisch zu fahren, stehen, sondern auch für viel Leistung und Fahrspass – wobei Mercedes auf die Erkentnisse des Mercedes-AMG-Petronas-Formel-1-Teams zurückgreifen kann und will. Die Erfahrungen aus dem Rennsport sollen vor allem bei der Programmierung der Antriebseinheit helfen, wenn es darum geht, das Zusammenspiel von E-Motor und V8-Benziner zu regeln. Dabei zählen nicht nur maximale Leistung, sondern auch bestmögliches Ansprechverhalten und eine gleichmässige Leistungsentfaltung. Wie bei Plug-in-Hybriden üblich, wird auch der „EQ Power+“-Antrieb seinem Fahrer verschiedene Fahrmodi vom rein elektrischen Fahren über einen Hybrid-Modus bis hin zu einer auf höchste Fahrleistungen ausgelegten Programmierung bieten. Um die hohe Leistung auch sicher und effektiv auf die Strasse zu bringen, verfügt die GT-Studie über einen permanenten Allradantrieb „4Matic+“. Er ist voll variabel und kann die Kräfte mittels „Torque Vectoring“ gezielt auf die Räder verteilen, um so zum Beispiel das Einlenken zu unterstützen. Der E-Motor treibt die Hinterachse an und sorgt dort für zusätzlichen Schub. Die komplett neue Architektur von Antrieb und Karosserie ermöglicht zudem eine optimale Achslastverteilung, was das Fahrverhalten weiter verbessert.

Starker Baukasten

Unter dem Namen „EQ“ werden Mercedes und AMG künftig eine ganze Palette an Hybriden und E-Fahrzeugen lancieren. In den sportlichen AMG-Modellen, und damit auch im Showcar „Future Performace“, kommt eine neue „Performance-Batterie“ zum Einsatz. Sie soll, so der Hersteller, leistungsstärker, kompakter und leichter sein, als eine herkömmliche Hybrid-Batterie. Sie wird während der Fahrt durch Rückgewinnung der Bremsenergie, wenn nötig aber auch durch einen Generator über den Benzinmotor geladen, kann aber auch an der Steckdose neue Energie fassen.

Die Antriebseinheit ist nach dem Baukasten-Prinzip konstruiert und ist damit auch skalierbar. Leistung und Batteriekapazität lassen sich für den Einsatz in andern Modellen entsprechend anpassen.

Gesicherte Zukunft

Wann die Serienversion der in Genf gezeigten Studie folgt, verrät Mercedes noch nicht. Fest steht aber, dass die Zukunft des sportlichen Fahrspasses gesichert ist. Die modernen Hybrid-Systeme erlauben nicht nur rein elektrisches Fahren und – bei entsprechender Nutzung – tiefe Verbräuche, sondern sie können auch dem Fahrspass dienlich sein. Gepaart mit einem aufregenden Design, wie es die Mercedes-AMG-Studie zeigt, kann man der Zukunft also mit Freude entgegensehen. Zudem dürfte den sportlichen Hybriden auch die Rolle der Wegbereiter zukommen – mit dem SLS Electric Drive hat Mercedes hatte Mercedes 2013 schon einen Anlauf für einen vollelektrischen Sportwagen mit atemberaubenden 751 PS genommen. Die Reichweite des Flügeltürers war allerdings mit 250 Kilometern laut Prüfstand noch eher bescheiden. Aber: Auch er wurde 2010 erst als Studie präsentiert. Die Serienversion stand 2013 am Genfer Autosalon. Wer weiss, was uns Mercedes-AMG 2020 in Genf präsentieren wird…